«Ein Mensch ist dann tot, wenn der Hirntod eintritt»

«Einen toten Patienten auf der Intensivstation zu behandeln, macht keinen Sinn», sagt Kispi-Oberarzt Bernhard Frey zum Fall des 12-jährigen hirntoten Archie.

, 7. August 2022, 19:50
image
  • spital
Das Schicksal des 12-jährigen Archie, dem am Samstag im Royal London Hospital nach Monaten im Koma die Geräte abgeschaltet wurden, lässt auch die Schweizer Öffentlichkeit nicht kalt. Die Sonntags-Zeitung ging der Frage nach, ob ein Fall Archie auch in der Schweiz möglich wäre.
Der Bub gilt seit April als hirntot, nachdem er sich schwere Hirnverletzungen zugezogen hatte. Seine Eltern wollten mit allen juristischen Mitteln verhindern, dass die Geräte abgestellt würden. Doch weder das High Court, das Supreme Court noch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg  unterstützten das Ansinnen der verzweifelten Angehörigen.

«Tot ist man, wenn der Hirntod eintritt»

Bernhard Frey ist Oberarzt am Kinderspital in Zürich (Kispi). Für ihn ist die rechtliche Situation in der Schweiz klar: «Gemäss Transplantationsgesetz ist ein Mensch dann tot, wenn der Hirntod eintritt», erklärt er der Sonntags-Zeitung.
Bei solchen Patienten würden Beatmungsmaschinen abgestellt, weil eine weitere Behandlung sinnlos sei. «Einen toten Patienten auf der Intensivstation zu behandeln, macht keinen Sinn.»

Wie sagt man es den Eltern

Aber da sind noch die Eltern. Sie verstehen nicht, dass das Kind tot ist, wenn sein Herz schlägt, einen Blutdruck hat und eine rosige Gesichtsfarbe aufweist. «Aber es ist ein toter Körper, den man da weiter beatmet», sagt Frey. Eltern bräuchten etwas Zeit, um von ihrem Kind Abschied zu nehmen.
Jürg Caspar Streuli ist Leitender Arzt und Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin am Ostschweizer Kinderspital. Er betreut im Jahr etwa fünf hirntote Kinder. Dass die lebensverlängernden Geräte gegen den Willen der Eltern abgestellt würden, komme zum Glück fast nie vor, sagt er der Sonntags-Zeitung. Man müsse aber den Eltern klar die Grenzen aufzeigen, wo der Schaden des Kindes eine Linie überschreitet, die das Leiden des Kindes verlängert.
Und weiter sagt Streuli: Das Kindswohl dürfe «nicht als moralische Keule verstanden werden, um die medizinische Sicht durchzusetzen. Man müsse auch die Bedürfnisse und Hoffnungen der Eltern miteinbeziehen und respektieren.
Artikel teilen

Loading

Comment

Home Delivery
2 x pro Woche. Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Bildungsstation am Kantonsspital Aarau

Das Kantonsspital Aarau bildet derzeit über 350 Lernende und Studierende im Bereich Pflege und medizinische therapeutische Therapieberufe aus. Ihnen ein attraktives Arbeits- und Ausbildungsumfeld zu bieten ist das oberste Ziel. Dazu geht das KSA innovative Wege.

image

Neuer Chefarzt für die Rehaklinik Zihlschlacht

Karsten Krakow übernimmt die Funktion des Chefarztes für Neurologische Rehabilitation und Frührehabilitation bei der Vamed-Rehaklinik Zihlschlacht.

image

Hier könnte bald ein neues Spital stehen

Die Lindenhofgruppe prüft auf dem Berner Springgarten-Areal die Realisierung eines möglichen neuen Spitalstandorts.

image

Kantonsspital St.Gallen stellt die Notfallmedizin neu auf

Das Kantonsspital St.Gallen organisiert die Zentrale Notfallaufnahme neu, vollzieht gleichzeitig einen Namenswechsel und ernennt eine neue ärztliche Leiterin.

image

Gleich vier neue Chefärzte für das Universitätsspital

Am Universitätsspital Basel (USB) treten in den nächsten Monaten zwei Chefärztinnen und zwei Chefärzte ihre neuen Positionen an.

image

Schaffhausen: Spitalrat befördert Boris Jung

Die Spitäler Schaffhausen haben den bisherigen Oberarzt zum Leitenden Arzt für ambulante Psychiatrie ernannt.

Vom gleichen Autor

image

Palliative Care – eine tickende Zeitbombe

Viele politische Vorstösse, viel Papier, beängstigende Perspektiven, keine konkreten Massnahmen. Die Rede ist von Palliative Care.

image

«Herr Flury, warum braucht es The Swiss Leading Hospitals?»

«Qualitätssicherung kommt vor Kommunikation», sagt der Psychiater Hanspeter Flury, der neue Präsident von Swiss Leading Hospitals.

image

Wann gehört Palliative Care ins Spital?

Ist es Aufgabe eines Spitals, totkranke Menschen aufzunehmen und in den Tod zu begleiten? Nur wenn spezielle Spitalbehandlungen nötig sind.