Wenn der Gynäkologe gleich selber Samen spendet

Ein niederländischer Gynäkologe hat seine Patientinnen mit eigenen Samenspenden befruchtet.

, 7. Oktober 2020 um 07:30
image
  • spital
  • ärzte
  • künstliche befruchtung
Es war eine seltsame Mitteilung, die das Isala-Spital im niederländischen Zwolle gestern publizierte: «Der inzwischen verstorbene Gynäkologe Dr. Jan Wildschut hat selber Sperma gespendet und für die Besamung verwendet, ohne dass das die künftigen Eltern wussten.»

17 Spenderkinder bisher bekannt

Erfahren hat dies das Spital, weil es signifikante Übereinstimmungen der DNA von Spenderkindern mit der DNA des Gynäkologen gab. Der Arzt war in den Achtziger Jahren und bis 1993 am Spital für die künstlichen Befruchtungen mit Spendersperma zuständig.
Das Spital und die legalen Kinder des Gynäkologen wissen derzeit von 17 Spenderkindern, die alle bereits informiert worden sind. Das Spital schliesst nicht aus, dass es noch weitere Nachkommen gibt.

Künstliche Befruchtungen blieben oft geheim

In den Achtziger Jahren wurde potenziellen Eltern häufig geraten, die künstliche Befruchtung mit Spendersamen geheim zu halten. Deshalb wissen viele Kinder gar nicht, dass sie von einem Spender abstammen.
Das kann ein Problem sein. Wenn Halbbrüder und Halbschwester Nachkommen zeugen, weil sie nicht wissen, dass sie denselben leiblichen Vater haben, steigt das Risiko von Geburtsfehlern.

Keine rechtlichen Konsequenzen

Für die Spitalgruppe Isala ist es «moralisch gesehen inakzeptabel», was der Gynäkologe in ihrem Spital getan hat. Rechtliche Konsequenzen hat der Fall jedoch nicht. Denn zum Zeitpunkt der Samenspenden gab es noch keine Gesetze und Vorschriften zu Fruchtbarkeitsbehandlungen.
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Basel: Adullam-Stiftung engagiert Jörg Leuppi

Der CMO des Kantonsspitals Baselland wird Stiftungsrat bei der Organisation für Altersmedizin.

image

USZ macht Verlust von 49 Millionen Franken

Verantwortlich dafür sind unter anderem inflations- und lohnbedingte Kosten. Zudem mussten Betten gesperrt werden.

image

Auch das KSW schreibt tiefrote Zahlen

Hier betrug das Minus im vergangenen Jahr 49,5 Millionen Franken.

image

...und auch das Stadtspital Zürich reiht sich ein

Es verzeichnet einen Verlust von 39 Millionen Franken.

image

Kantonsspital Olten: Neuer Chefarzt Adipositaschirurgie

Urs Pfefferkorn übernimmt gleichzeitig die Führung des Departements Operative Medizin.

image

SVAR: Rötere Zahlen auch in Ausserrhoden

Der Einsatz von mehr Fremdpersonal war offenbar ein wichtiger Faktor, der auf die Rentabilität drückte.

Vom gleichen Autor

image

SVAR: Neu kann der Rettungsdienst innert zwei Minuten ausrücken

Vom neuen Standort in Hundwil ist das Appenzeller Rettungsteam fünf Prozent schneller vor Ort als früher von Herisau.

image

Kantonsspital Glarus ermuntert Patienten zu 900 Schritten

Von der Physiotherapie «verschrieben»: In Glarus sollen Patienten mindestens 500 Meter pro Tag zurücklegen.

image

Notfall des See-Spitals war stark ausgelastet

Die Schliessung des Spitals in Kilchberg zeigt Wirkung: Nun hat das Spital in Horgen mehr Patienten, macht aber doch ein Defizit.