Warum Mitarbeitende klauen

Wann neigen Angestellte eher zu Fehlverhalten? Wenn sie ihr Unternehmen verlassen möchten und problemlos eine neue Stelle finden können. Dies zeigt eine Studie der Universität Luzern.

, 16. Juni 2020 um 09:27
image
  • forschung
  • arbeitswelt
  • spital
image
Anna Sender, Manuela Morf & Anja Feierabend (Universität Luzern)
Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit für Mitarbeitenden-Fehlverhalten in Unternehmen in der Schweiz? Das kommt darauf an, wie eine aktuelle Studie von HR-Profis der Universität Luzern jetzt zeigt. Die drei Wissenschaftlerinnen Anna Sender, Manuela Morf und Anja Feierabend erforschten zu dieser Frage Faktoren wie zum Beispiel abgeschlossene Ausbildungen oder die Arbeitslosenquote in der Branche.
Eines der Resultate der in der Fachzeitschrift «Journal of Business and Psychology» publizierten Analyse: Mitarbeitende neigen am ehesten zu Fehlverhalten, wenn sie beabsichtigen zu kündigen und die Gefahr für sie gering ist, arbeitslos zu werden. 
Als Fehlverhalten gelten hier sowohl kleinere Fehltritte wie das Überziehen von Pausen oder das zu späte Erscheinen bei der Arbeit, aber auch schwerwiegendere Übertretungen wie die Entwendung von Unternehmenseigentum oder die Fälschung von Dokumenten.

Anna Sender, Manuela Morf & Anja Feierabend. «Aiming to Leave and Aiming to Harm: the Role of Turnover Intentions and Job Opportunities for Minor and Serious Deviance», in: «Journal of Business and Psychology», Februar 2020.

Was Arbeitgeber tun können

Die Mitarbeitenden wägen den Studienautorinnen zufolge die Konsequenzen des Fehlverhaltens sorgfältig ab. «Daher können Unternehmen Fehlverhalten entgegenwirken, indem sie den Mitarbeitenden die daraus resultierenden Konsequenzen klar aufzeigen», sagt Anna Sender laut der Mitteilung der Universität Luzern. 
Das könne zum Beispiel dadurch geschehen, dass das Fehlverhalten sichtbar diszipliniert werde. Eine andere Möglichkeit sei es, Anreize zu setzen, damit die Mitarbeitenden die Brücken zum Unternehmen nicht abbrechen und das Arbeitsverhältnis positiv beenden wollen.
Auf jeden Fall kann das Fehlverhalten von Mitarbeitenden für Unternehmen kostspielig sein: In den USA belaufen sich die geschätzten Verluste aufgrund von Mitarbeitenden-Diebstahl und -Betrug auf umgerechnet rund 50 Milliarden Franken pro Jahr.  
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Kantonsspital St. Gallen hat neuen Finanzchef

Bülach, Aarau und jetzt das Kantonsspital St. Gallen. Das sind die Stationen von Martin Banaszak.

image

Oberengadin: Kredit ist «überlebenswichtig»

Die Trägergemeinden des Spitals Samedan sind sich einig: Das Oberengadin braucht eine «qualitativ hochstehende Gesundheitsversorgung».

image

Basel: Adullam-Stiftung engagiert Jörg Leuppi

Der CMO des Kantonsspitals Baselland wird Stiftungsrat bei der Organisation für Altersmedizin.

image

USZ macht Verlust von 49 Millionen Franken

Verantwortlich dafür sind unter anderem inflations- und lohnbedingte Kosten. Zudem mussten Betten gesperrt werden.

image

Auch das KSW schreibt tiefrote Zahlen

Hier betrug das Minus im vergangenen Jahr 49,5 Millionen Franken.

image

...und auch das Stadtspital Zürich reiht sich ein

Es verzeichnet einen Verlust von 39 Millionen Franken.

Vom gleichen Autor

image

Arzthaftung: Bundesgericht weist Millionenklage einer Patientin ab

Bei einer Patientin traten nach einer Darmspiegelung unerwartet schwere Komplikationen auf. Das Bundesgericht stellt nun klar: Die Ärztin aus dem Kanton Aargau kann sich auf die «hypothetische Einwilligung» der Patientin berufen.

image

Studie zeigt geringen Einfluss von Wettbewerb auf chirurgische Ergebnisse

Neue Studie aus den USA wirft Fragen auf: Wettbewerb allein garantiert keine besseren Operationsergebnisse.

image

Warum im Medizinstudium viel Empathie verloren geht

Während der Ausbildung nimmt das Einfühlungsvermögen von angehenden Ärztinnen und Ärzten tendenziell ab: Das besagt eine neue Studie.