Versichererverband lanciert Plattform für Medikamentenvergütung

Die Beurteilung von nicht kassenzulässigen Medikamenten soll für alle gleich sein. CSS, Helsana, Sanitas und KPT sowie die Swica bringen deshalb ein neues Bewertungstool.

, 24. August 2021, 12:06
image
  • medikamente
  • curafutura
  • spezialitätenliste
  • off-label-use
Heute entscheidet jeder Krankenversicherer für sich, ob ein (noch) nicht kassenpflichtiges Arzneimittel vergütet werden soll. Dabei gilt es unter anderem, die Wirksamkeit, die Sicherheit sowie das «Kosten-Nutzen Verhältnis» zu überprüfen. Der Versichererverband Curafutura sieht bei diesem sogenannten «Off-Label-Use» allerdings Handlungsbedarf.  
Aus diesem Grund wollen die Curafutura-Mitglieder CSS, Helsana, Sanitas und KPT sowie die Swica ihre «Studienratings» konsolidieren und die Bewertungen auf einer gemeinsamen Plattform verfügbar halten. Diese Analyse sei «breit abgestützt» und eine «ausgewogene und objektive Bewertung» auf Basis klinischer wissenschaftlicher Publikationen gewährleistet, teilt der Verband am Dienstag mit.

Rascher Zugang zu neuen Medikamenten

Die neue Datenbank, die allen anderen interessierten Versicherern offen steht, soll dafür sorgen, dass die klinische Beurteilung «in einem bestimmten Kontext» für alle gleich ist. Damit will der Krankenkassenverband den gleichen Zugang für alle Patienten «optimieren», wie in der Mitteilung zu lesen steht. 
Die Einzelfallvergütung von Medikamenten ist gemäss Curafutura zwar nicht die Regel. Es sei jedoch ein wichtiges Instrument, um sicherzustellen, dass Patienten «so schnell wie möglich» Zugang zu neuen Behandlungen erhalten. In den letzten Jahren haben immer mehr Patienten von dieserr Möglichkeit der Einzelfallprüfung profitiert, zum Beispiel bei neuen Krebstherapien. Die Anzahl Gesuche ist zwischen 2017 und 2019 von 26 000 auf 38 000 gestiegen, davon werden 80 Prozent vergütet.

Vergütung im Einzelfall nur vorübergehend und ausnahmsweise

Darüber hinaus fordert Curafutura, dass die Krankenkassen das Recht erhalten, die Zulassung und die Aufnahme eines Medikaments in die Spezialitätenliste zu beantragen. Dieses Recht liegt derzeit allein bei den Herstellern. Denn mitunter komme es vor, dass Arzneimittelhersteller davon absähen, die Zulassung und die Aufnahme in die Spezialitäten zu beantragen. So könne es für die Pharmaindustrie finanziell attraktiver sein, wenn ein Arzneimittel nicht automatisch, sondern von Fall zu Fall erstattet werde. Diese Strategie widerspricht dem Versichererverband zufolge aber der Absicht des Off-Label-Use. 

Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

«Lehnen Sie den Wolf im Schafspelz ab»

Künftig sollen in der Schweiz auch Medizinprodukte aussereuropäischer Regulierungssysteme zugelassen werden können.

image

Psychotherapeuten – einige Grundversicherer zahlen, andere nicht

Wieweit sind die Leistungen, die von Personen in Weiterbildung erbracht werden, via Grundversicherung zu vergüten? Die Frage ist umstritten.

image

Santésuisse stellt sich erstmals offiziell hinter Tardoc

Santésuisse, Curafutura und die Ärztevereinigung FMH haben ein neues Tarifbüro gegründet. Jetzt wollen die Verbände gemeinsam den neuen Tarif entwickeln.

image

So wird Astra-Zeneca seine unverkäuflichen Grippe-Impfdosen los

Das Bundesamt für Gesundheit stritt sich mit dem Pharma-Unternehmen über den Preis eines Grippe-Impfsprays. Nun werden die 10'000 Dosen gespendet.

image

Das sind die 20 teuersten Medikamente der Schweiz

Neue Medikamente werden häufig zu Umsatzrennern. Curafutura nennt die 20 Medikamente, die zusammen jährlich 1,7 Milliarden Franken kosten.

image

E-Rezepte sind in Deutschland bisher ein Flop

Deutsche Ärzte wollen keine elektronischen Rezepte ausstellen. Deshalb rückt das Ziel, solche Rezepte bundesweit einzuführen, in weite Ferne.

Vom gleichen Autor

image

Berner Arzt hat Aufklärungspflicht doch nicht verletzt

Im Fall einer Nasen-OP mit Komplikationen verneint das Bundesgericht eine Pflichtverletzung eines Berner HNO-Arztes. Die Vorinstanzen haben noch anders entschieden.

image

Warum hunderte Pflegekräfte derzeit «Rücktrittsschreiben» verfassen

Eigentlich möchten viele Pflegefachpersonen ihrem Beruf gar nicht den Rücken kehren. Doch das System zwingt sie dazu, wie eine aktuelle Kampagne in den USA exemplarisch zeigt.

image

Ärzte erhalten von Ärzten eine Sonderbehandlung

Ärzte als Patienten kriegen bestimmte Privilegien, die andere Patienten oder Patientinnen nicht erhalten würden. Dies sagt die grosse Mehrheit der in einer Studie befragten Ärzte.