Verkauf einer Arztpraxis: So plant man richtig

Ein Hausarzt ist 57 Jahre alt, hat eine eigene Praxis in einer ländlichen Gegend und möchte sie in den nächsten Jahren verkaufen: Was tun? Die Antwort des Spezialisten.

, 4. März 2016, 11:33
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Der Beitrag erschien erstmals im Newsletter der ABC Ärzteberatung Cham. Die Beratungsfirma hatte folgende Frage erhalten: «Ich, 57-jährig, führe in meiner ländlichen Gegend als selbständiger Arzt eine Praxis für Allgemeinmedizin und möchte diese spätestens bis zu meiner ordentlichen Pensionierungsalter verkaufen. Was soll ich tun?» 
Im Hinblick auf einen Praxisverkauf gibt es laut dem von uns befragten Praxisvermittler Roland Willi von Mediscan Küssnacht am Rigi zumindest drei Aktionsfelder:

  • Wer beim vorausgesehenen Praxisverkauf von den mannigfaltigen Vorteilen einer Praxisaktiengesellschaft profitieren will, muss diese mindesten fünf Jahre vor dem Verkaufsgeschäft gründen. Denn bis fünf Jahre nach der Umwandlung der Praxis in eine Aktiengesellschaft dürfen die Aktien nicht verkauft werden. Erfolgt der Verkauf vor dieser fünfjährigen Sperrfrist, müssen die bislang steuerneutral überführten stillen Reserven versteuert und mit der AHV abgerechnet werden. Das kann ziemlich teuer werden und fällt weg, wenn die Aktiengesellschaft rechtzeitig gegründet wird.
  • Zweitens sollte sich eine zukünftige Praxisverkäuferin oder ein zukünftiger Praxisverkäufer rechtzeitig darüber informieren, welche Möglichkeiten der gegenwärtige Markt für den Verkauf seiner Arztpraxis zu bieten vermag.
  • Drittens: Mit der «heissen» Phase der Verkaufsplanung und damit dem Beizug eines erfahrenden Praxisvermittlers muss dann erst rund ein Jahr vor der geplanten Praxisübergabe gestartet werden.

Keine zu lange Suchphase

Auf den ersten Blick mag eine einjährige «heisse» Planungsdauer für das grosse Lebensgeschäft von Praxisinhabern als viel zu kurz erscheinen – zumal die Zahl der Schweizer Interessentinnen und Interessenten für eine Praxisübernahme klein ist und auch das Interesse aus dem Ausland nicht mehr überbordet.
Aus Angst, keine Nachfolgerin oder keinen Nachfolger zu finden, werden etliche verkaufswillige Ärztinnen und Ärzte bereits zwei bis drei Jahre vor der geplanten Praxisaufgabe hyperaktiv.
Eine so lange Suchperiode widerspricht jedoch den Marktgegebenheiten. Denn die eine Praxis suchenden Ärztinnen und Ärzte sehen sich heute überwiegend höchstens ein Jahr, meist aber noch kurzfristiger vor dem vorgesehenen Übernahmezeitpunkt ernsthaft nach ihrer neuen Wirkungsstätte um.
Kommt dazu: Trotz des geschrumpften Interesses aus dem Ausland stammen nach wie vor viele potenzielle Praxisübernehmer aus Deutschland. Diese müssen ihre Praxis oft zuerst verkaufen, was auch in Deutschland nicht leicht ist. Das heisst: Eine Praxisverkäuferin oder ein Praxisverkäufer muss flexibel und bereit sein, seine Praxis allenfalls etwas früher oder etwas später abzugeben, als ursprünglich geplant.

Den richtigen und fairen Preis finden

Allzu oft werden derzeit Praxen eindeutig zu teuer angeboten. Das Angebot an Praxen ist im historischen Vergleich nämlich recht hoch, was auf die Marktpreise drückt. Ziel muss es deshalb sein, aufgrund eines professionellen Rats den für beide Seiten fairen und marktgerechten Preis zu finden.
Trotz Preiszugeständnissen kann es namentlich in ländlichen Gebieten zuweilen sehr schwierig sein, für typische Dorfärzte eine geeignete Nachfolge zu finden. Davon zeugt, dass zuweilen Gemeindebehörden an Praxisvermittler mit der Bitte gelangen, sie bei der Suche nach einem Nachfolger für einen in Pension gehenden Dorfarzt zu unterstützen – oder alternative Möglichkeiten für die ärztliche Erstversorgung aufzuzeigen.



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