USZ greift bei seinen Klinikdirektoren durch

Gleich dreimal gerieten Klinikdirektoren des Zürcher Unispitals in letzter Zeit in die Schlagzeilen. Nun handelt der Spitalrat.

, 27. Mai 2020 um 13:20
image
  • spital
  • universitätsspital zürich
Einer wird beurlaubt, der zweite wird strenger überwacht, und der dritte kommt definitiv nicht mehr ans Spital zurück: Nach drei unrühmlichen Geschichten mit Klinikdirektoren, handelt nun der Spitalrat des Universitätsspitals Zürich.
«Nach intensiver Konsultation mit der Spitaldirektion hat der Spitalrat Sofortmassnahmen beschlossen», heisst es in einer Mitteilung. Diese Massnahmen sehen folgendermassen aus:

Maisano ist drei Wochen weg und muss Stellung nehmen zu Vorwürfen

Der Direktor der Klinik für Herzchirurgie, Francesco Maisano, wird für drei Wochen beurlaubt. Maisano hat Implantate mitentwickelt und am USZ eingesetzt. Dabei soll er die Eingriffe in Publikationen als Erfolg dargestellt haben, obwohl es Komplikationen und sogar einen Todesfall gegeben haben soll. Medinside berichtete über die laut gewordenen Vorwürfe.
Der Spitalrat will mit Maisanos Beurlaubung den Weiterbetrieb der Klinik sicherstellen. Er räumt dem Klinikdirektor nun Zeit ein, damit er Stellung nehmen kann zu den Vorwürfen und den Untersuchungen der Universität Zürich.

Rücker darf nicht mehr in seiner Privatpraxis behandeln

Im Fall von Martin Rücker, dem Direktor der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (MKG), verfügt der Spitalrat, dass dieser ab sofort nur noch am USZ Patientinnen und Patienten behandeln darf. Rücker wird nämlich vorgeworfen, dass er Patienten, die sich im USZ angemeldet hatten, in seiner Privatpraxis auf eigenen Rechnung weiterbehandelt habe, wie Medinside hier berichtete.
Im Fall Rücker leitet die Universität Zürich zudem eine Taskforce, welche die Schnittstellen zwischen Rückers Klinik am USZ und dem Zentrum für Zahnmedizin (ZZM) der Universität Zürich klären muss.

Fink kommt nicht mehr zurück

Schliesslich wird der dritte Klinikdirektor, der in den letzten Wochen negativ aufgefallen ist, der Gynäkologe Daniel Fink, definitiv nicht mehr ans USZ zurückkehren. Er verlasse das Spital nach über 30-jähriger Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen. Der Spitalrat und der Klinikdirektor seien gemeinsam übereingekommen, dass Daniel Fink seine Tätigkeit am USZ beende.
Dass Fink vermutlich nicht mehr ans USZ zurückkommt, wurde bereits vor einigen Wochen publik, wie Medinside berichtete. Gegen Fink laufen Untersuchungen. Er soll sich über Jahre hinweg für zahlreiche Operationen eingetragen haben, die er nicht oder nur teilweise ausführte.

USZ will wieder Vertrauen gewinnen

Warum das USZ nun zu diesen Massnahmen greift? Der Spitalrat sei sich bewusst, dass der Ruf des USZ durch die bekannt gewordenen Vorwürfe erheblichen Schaden genommen habe. Er werde deshalb alles unternehmen, um das Vertrauen in die Institution USZ wiederherzustellen, schreibt Martin Walser, der Präsident des Spitalrats, in seiner Mitteilung.
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

USZ macht Verlust von 49 Millionen Franken

Verantwortlich dafür sind unter anderem inflations- und lohnbedingte Kosten. Zudem mussten Betten gesperrt werden.

image

Auch das KSW schreibt tiefrote Zahlen

Hier betrug das Minus im vergangenen Jahr 49,5 Millionen Franken.

image

...und auch das Stadtspital Zürich reiht sich ein

Es verzeichnet einen Verlust von 39 Millionen Franken.

image

Kantonsspital Olten: Neuer Chefarzt Adipositaschirurgie

Urs Pfefferkorn übernimmt gleichzeitig die Führung des Departements Operative Medizin.

image

SVAR: Rötere Zahlen auch in Ausserrhoden

Der Einsatz von mehr Fremdpersonal war offenbar ein wichtiger Faktor, der auf die Rentabilität drückte.

image

Wie relevant ist das GZO-Spital? Das soll das Gericht klären.

Das Spital in Wetzikon zieht die Kantonsregierung vors Verwaltungsgericht – und will belegen, dass es unverzichtbar ist.

Vom gleichen Autor

image

SVAR: Neu kann der Rettungsdienst innert zwei Minuten ausrücken

Vom neuen Standort in Hundwil ist das Appenzeller Rettungsteam fünf Prozent schneller vor Ort als früher von Herisau.

image

Kantonsspital Glarus ermuntert Patienten zu 900 Schritten

Von der Physiotherapie «verschrieben»: In Glarus sollen Patienten mindestens 500 Meter pro Tag zurücklegen.

image

Notfall des See-Spitals war stark ausgelastet

Die Schliessung des Spitals in Kilchberg zeigt Wirkung: Nun hat das Spital in Horgen mehr Patienten, macht aber doch ein Defizit.