Studie: Vorbereitungstag verbessert Operationsergebnis

Inwiefern zahlt es sich aus, wenn Patienten auf ihre komplexe Tumoroperation im Kopf- und Halsbereich umfassend vorbereitet werden? Das untersuchten Forscher der Insel und der Universität Bern.

, 21. Januar 2022, 06:55
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Kopf- und Halskrebs machen in der Schweiz rund drei Prozent aller Krebserkrankungen aus. Weltweit werden jährlich etwa 900’000 neue Fälle diagnostiziert – rund 400’000 Menschen pro Jahr sterben daran.
Ein Forschungsteam des Inselspitals und der Universität Bern konnte nun Folgendes nachweisen: Werden die Patienten auf ihre komplexe Tumoroperation im Kopf- und Halsbereich vertieft vorbereitet, und zwar von verschiedenen beteiligten Berufsgruppen, so hat dies positive Auswirkungen auf das Operationsergebnis.

Methode wird bereits seit 2015 eingesetzt 

Neben dem ärztlichen Betreuungsteam werden auch die Pflege, die Logopädie und Psychologie sowie der Sozialdienst eingebunden. Die Methode – «Multiprofessioneller ambulanter Vorabklärungstag vor komplexen Operationen (AVKO)» – wurde in der Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten, Kopf- und Halschirurgie im Inselspital entwickelt. Seit 2015 wird diese eingesetzt.
Die vertiefte Vorbereitung basiert auf folgenden vier Säulen:
> Strukturierte Erfassung des Gesundheitszustandes, des psychologischen Zustands und der sozialen Lebenssituation
> Umfassende Aufklärung der Betroffenen über den Eingriff und dessen kurz- und langfristige Konsequenzen
> Gemeinsame multiprofessionelle Beurteilung der Gesamtsituation
> Einbezug der Patienten und deren Angehörige in die Entscheidungsfindung. 

«Deutliche Verbesserungen» in drei Bereichen 

In der Fall-Kontroll-Studie wurden 81 Patienten, die seit 2015 einen AVKO erhielten, mit 80 Fällen vor 2015 ohne AVKO verglichen. Die Studienergebnisse würden «deutliche Verbesserungen» in drei Bereichen zeigen, schreibt die Insel Gruppe in einer Mitteilung.
> Seit der Einführung des AVKO seien weniger schwerwiegende Komplikationen aufgetreten (-18 Prozent).
> Die Dauer des Spitalaufenthaltes habe um 25 Prozent auf durchschnittlich zwölf Tage reduziert werden können.
> Die mittleren Kosten pro Patient hätten um rund 25 Prozent, d.h. von etwa 70’000 auf 51’000 Franken gesenkt werden können.
In der Studie konnte hingegen kein Einfluss auf die Sterblichkeit in den ersten 30 Tagen nach der Operation (in beiden Gruppen je zwei Todesfälle) und auf die Anzahl der Rehospitalisationen festgestellt werden. 
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