Spitalverbund Appenzell AR schreibt rote Zahlen

Ursachen waren steigende Personalkosten, sinkende Patientenzahlen und tiefere Beiträge des Kantons.

, 7. April 2016 um 08:48
image
«Schlechtes Ergebnis 2015 – Zuversicht für 2016»: Im Gegensatz zu anderen Häusern macht der Spitalverbund Appenzell Ausserrhoden gleich im Titel seiner Mitteilung wenig Hehl aus der Lage. 
Erstmals wies der SVAR ein negatives Ergebnis aus: Es gab einen Verlust von 9,7 Millionen Franken; im Jahr zuvor hatte die Spitalgruppe noch einen Gewinn von knapp 400'000 Franken ausgewiesen.

Man spürt den Abgang der Chefärzte

Eine Hauptursache für die roten Zahlen 2015  bildeten die gestiegenen Personalkosten, welche sich wiederum aus Angebotserweiterungen, Anforderungen des Arbeitsgesetzes und strukturellen Anpassungen ergaben. Insgesamt stieg der Personalaufwand um 5,4 Millionen auf 89,4 Millionen Franken. 
Dämpfend hinzu kamen Beitragskürzungen des Kantons. Auf der Ertragsseite waren zudem sinkende Patientenzahlen in der Chirurgie am Spital Heiden zu spüren. Die Rücktritte der Chefärzte Michael Kodsi und John Essig sowie der Weggang des Chefarztes Psychiatrie Axel Weiss hätten sich auch in den Patientenzahlen ausgewirkt. 

Tiefere Bettenbelegung, kürzere Aufenthalte

Am Ende lag die Zahl der stationär betreuten Patientinnen und Patienten im SVAR mit insgesamt 9‘313 Austritten (–41) leicht unter dem Vorjahreswert. Die durchschnittliche Bettenbelegung lag bei 80,4 Prozent nach 89,8 Prozent im Jahr davor.
Auf der anderen Seite nahmen die ambulanten Behandlungen an allen drei Standorten im Vergleich zum Vorjahr um 8,6 Prozent zu (+3528 Konsultationen).
In der Akutsomatik sank die durchschnittliche Aufenthaltsdauer deutlich ab: Sie lag letztes Jahr bei 4,7 Tagen nach 5,9 Tagen im Jahr davor. 
Insgesamt bewegt sich der Ertrag aus Leistungen an Patienten in der SVAR-Gruppe mit 118,7 Millionen Franken auf Vorjahresniveau. Der gesamte Betriebsertrag erreichte 125,9 Millionen – gegenüber 131,2 Millionen Franken im Jahr 2014.
Die Zahl der Mitarbeitenden erreichte im letzten Jahr 1'139 (bei 901 Vollzeit-Stellen) – was gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 25 Personen war.

Im laufenden Jahr wird schwarze Null angestrebt

Wie bereits gemeldet, ergriffen Verwaltungsrat und Geschäftsleitung im Juni 2015 verschiedene Massnahmen, eingeführt wurde eine Departementalisierung der Kliniken Chirurgie und Anästhesie. Zudem wurden in den Bereichen Abläufe, Einkauf, Kooperationen und Synergien weitere Massnahmen eingeleitet, um die Kosten zu mindern und die Erträge zu steigern.
Die Entwicklung der ersten Monate zeige, dass die getroffenen Massnahmen wirken, so die Mitteilung aus Herisau. Im ersten Quartal konnten mehr ambulante Patienten behandelt werden als in der gleichen Periode 2015.
Das Budget für 2016 sieht vor, dass der Spitalverbund «eine schwarze Null» erreicht. 

  • Zu den Geschäfts- und Finanzberichten des Spitalverbunds Appenzell Ausserrhoden

Der Spitalverbund Appenzell Ausserrhoden beschäftigt an drei Standorten gut 1‘100 Mitarbeitende und stellt die medizinische Grundversorgung in Appenzell Ausserrhoden sicher. Zum SVAR gehören die beiden Akutspitäler in Herisau und Heiden sowie das Psychiatrischen Zentrum in Herisau.
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image
In eigener Sache

«Wir schliessen eine Lücke im Zuweisermarketing»

Seit Januar arbeiten Medinside Jobs und just-medical! zusammen. Fürs Zuweisermarketing entsteht eine starke Kommunikations-Drehscheibe. Was sie bietet, sagt Stephan Meier-Koll, Head of Sales Medinside.

image

Auch NZZ bemängelt die heutigen Spital-Zusatzversicherungen

«Spitäler und Kassen schröpfen ihre Luxuspatienten», so eine Einschätzung dort. Das Geschäftsmodell mit den Zusatzversicherungen gerät ins Wanken.

image

Die heisse Diskussion um Insel-Premium-Abteilung

Darf ein Universitätsspital mit seiner Luxus-Abteilung die Allgemein-Abteilung sponsern? Ja, das sei sozial, finden Krankenkassen-Experten.

image

Jetzt arbeiten viele mit Covid in den Spitälern

Eine schwedische Studie zeigt jedenfalls, dass im Dezember 1 von 14 Spitalangestellten corona-positiv zur Arbeit erschien.

image

Coop und Selecta planen Rund-um-die-Uhr-Geschäfte in Spitälern

Für ein erstes Kantonsspital besteht bereits ein konkretes Projekt.

image

Kantonsspital Schaffhausen: Der Neubau muss abspecken

Die Spitäler Schaffhausen müssen die geplante Geschossfläche um einen Viertel verkleinern. Nur so bleiben sie noch im Kostenrahmen von 240 Millionen.

Vom gleichen Autor

image

Kantone haben die Hausaufgaben gemacht - aber es fehlt an der Finanzierung

Palliative Care löst nicht alle Probleme im Gesundheitswesen: … Palliative Care kann jedoch ein Hebel sein.

image

Brust-Zentrum Zürich geht an belgische Investment-Holding

Kennen Sie Affidea? Der Healthcare-Konzern expandiert rasant. Jetzt auch in der Deutschschweiz. Mit 320 Zentren in 15 Ländern beschäftigt er über 7000 Ärzte.

image

Wer will bei den Helios-Kliniken einsteigen?

Der deutsche Healthcare-Konzern Fresenius sucht offenbar Interessenten für den Privatspital-Riesen Helios.