Spitäler investieren viel und sind teils hoch verschuldet

Über 900 Millionen haben Schweizer Spitäler in den letzten drei Jahren investiert. 2022 bis 2024 sollen es 1178 Millionen sein. Gemessen am Cashflow sind einige Häuser hoch verschuldet.

, 4. August 2022, 10:33
image
  • studie
  • spital
  • jahresabschluss 2021
Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) präsentiert eine neue Übersicht über den Schweizer Gesundheitsmarkt und die Spitallandschaft. Die neue Analyse  befasst sich unter anderem mit einem Vergleich von 15 Spitälern. Beachtlich sind die hohen Investitionssummen, die gemäss ZKB hauptsächlich dazu dienen, die bauliche Infrastruktur zu modernisieren (siehe Liste unten). 
Die Beträge sind substantiell: Über die letzten drei Jahre wiesen alle 15 Spitäler gesamthaft Investitionen von 918 Millionen Schweizer Franken pro Jahr aus. Gemäss Schätzungen der ZKB wird dieser Betrag von 2022 bis 2024 auf durchschnittlich jährlich 1178 Millionen ansteigen.
image
Generell hohe Investitionsvolumina im Vergleich zum generierten operativen Cashflow mit Spitzenwerten des Kispi und der KSA AG.

Hohe Verschuldung im Verhältnis zum Cashflow

Gemessen am erwirtschafteten Cashflow (OCF) weisen die Spitäler teilweise hohe Verschuldungsgrade aus. Den höchsten Vergleichswert «Nettoverschuldung 2024E in Relation zum kumulierten OCF über sechs Jahre (2019–2024E)» der 15 Spitäler weist das Kinderspital Zürich (Kispi) auf, was unter der theoretischen Voraussetzung eines gleichbleibenden OCF und ohne neue Investitionen bedeutet, dass es rund 26 Jahre dauern würde, diese Nettoverschuldung abzutragen.
image

Alle Spitäler mit einem Umsatzplus

2021 verzeichneten alle 15 Spitäler ein Umsatzplus. Die höchste Umsatzsteigerung gelang der Luks-Gruppe mit 22,3%, wobei etwas weniger als die Hälfte dieser Umsatzsteigerung auf die Akquisition der Spital Nidwalden AG zurückzuführen war. Die Umsatzentwicklung war im vergangenen Jahr allgemein stark von der Höhe der Entschädigungszahlung für die Covid-bedingten Ertragsausfälle abhängig.
Zum Vergleich: 2020 mussten neun der 15 Spitäler eine Umsatzeinbusse in Kauf nehmen. Das grösste Umsatzminus wies mit 9,9% das Kispi auf, das im Jahr 2020 wie alle Spitäler unter anderem vom temporären Verbot von elektiven Eingriffen und der allgemeinen Zurückhaltung bei Spitalbesuchen betroffen war, jedoch im Gegensatz zu den Erwachsenenspitälern fast keine Umsatzkompensation für die Behandlung von Coronaerkrankten erzielen konnte.

Verbessertete Ebitdar-Marge

Während 2020 einzig dem SV Limmattal eine Ebitdar-Margensteigerung gelungen war, präsentierte sich die Situation 2021 deutlich erfreulicher, konnten doch alle Spitäler mit Ausnahme des Kantonsspitals Baselland und der Psychiatrischen Dienste Aargau eine Ebitdar-Margenverbesserung ausweisen. 
Ein Vergleich der Ebitdar-Margen 2021 zwischen den einzelnen Spitäler wird gemäss ZKB durch die unterschiedliche Corona-Entschädigungspolitik zusätzlich erschwert. Im Durchschnitt lag die Ebitdar-Marge dieser 15 Spitäler 2021 bei 8,5% (2020: 6,4%).
Mit Hirslanden, dem SV Limmattal, der GZO AG und der KSB AG konnten nur vier Spitäler die Marke von 10% übertreffen.
image
Im Durchschnitt lag die Ebitdar-Marge der 15 Spitäler, wie hier ersichtlich, im Zeitraum 2016 bis 2019 zwischen 9,2% (2018) und 10,2% (2016). 2020 schrumpfte die durchschnittliche Ebitdar-Marge auf 6,4%. Im Geschäftsjahr 2021 erholte sie sich wieder auf 8,5%.

Vier Spitäler weisen Verlust aus

Auf Stufe Reingewinn wiesen 2021 vier der 15 Spitäler einen Verlust aus: das KSBL, das KSSG, das Kispi und das USZ. Ein Jahr zuvor war es hingegen mit den fünf Spitälern, dem KSBL, Hirslanden, dem KSW, dem SV Limmattal und der PDAG eine Minderheit, die einen Gewinn realisieren konnte. Mit dem KSBL, dem Kispi und der PDAG wiesen 2021 lediglich drei Spitäler auf Stufe Reingewinn ein schlechteres Ergebnis aus als im Vorjahr.

Das sind die 15 Spitäler des Ratings:

  • GZO AG Spital Wetzikon
  • Hirslanden AG
  • Kantonsspital Aarau AG 
  • Kantonsspital Baden AG 
  • Kantonsspital Baselland
  • Stiftung Kantonsspital Graubünden 
  • Kantonsspital St. Gallen
  • Kantonsspital Winterthur
  • Kinderspital Zürich 
  • LUKS-Gruppe 
  • Psychiatrische Dienste Aargau 
  • Regionalspital Emmental 
  • See-Spital 
  • Spitalverband Limmattal 
  • Universitätsspital Zürich
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Dieses Spital darf nicht so gross werden wie geplant

Es ist zu teuer: Das neue Schaffhauser Kantonsspital muss um 50 Millionen Franken billiger werden. Das hat der Spitalrat beschlossen.

image

Protest in Lausanne: Angestellte des Unispitals wollen mehr Lohn

Rund 250 Mitarbeitende des Universitätsspitals Chuv und Gewerkschaftsvertreter protestieren vor dem Hauptgebäude für einen vollen Teuerungsausgleich.

image

Die HFR-Operationszentren haben einen neuen Chefarzt

Pavel Kricka leitet neu als Chefarzt die Operationszentren des Freiburger Spitals (HFR). Er ist Nachfolger von Rolf Wymann.

image

Kantonsspital Glarus muss neuen Pflegechef suchen

Markus Loosli verlässt das Kantonsspital Glarus – aus privaten Gründen, heisst es.

image

Konflikt zwischen Unispital und Personal wegen Long-Covid

Aufgrund von Long-Covid-Symptomen ist es Pflegekräften nicht mehr möglich, zur Arbeit ins Genfer Unispital zurückzukehren. Die Lösung soll nun offenbar die Entlassung sein.

image

Privatklinikbesitzer gilt als «nicht erfolgreich integriert»

Michel Reybier wird die Einbürgerung verweigert. Der 77-jährige Miteigentümer von Swiss Medical Network war zu schnell mit dem Auto unterwegs.

Vom gleichen Autor

image

Medikamente: «Wir betonen seit Jahren, dass die Situation immer schlechter wird»

«Problematisch» – so stuft der Bund die Arzneimittel-Engpässe ein. Nun soll eine Taskforce Massnahmen prüfen. Was sagt die Branche dazu? Wir haben nachgefragt.

image

Die Grünenthal Pharma hat eine neue Leiterin

Maya Marescotti wurde zur Country Managerin der Schweizer Vertriebseinheit des in Deutschland gegründeten forschenden Pharmaunternehmens ernannt.

image

Krebsvorsorge: PCR-Tests sollen in die Grundversicherung

PCR-Tests erkennen Gebärmutterhalskrebs früher als die üblichen Pap-Tests. Die SGGG-Fachkommission bereitet einen Antrag für die Kostenerstattung durch die Grundversicherung vor.