So viele Operationen mussten verschoben werden

Spitäler haben während der Coronavirus-Pandemie Tausende Wahloperationen weltweit abgesagt. Zum ersten Mal liegen jetzt konkrete Zahlen vor.

, 18. Mai 2020, 08:33
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Die Coronavirus-Krise hat den routinemässigen Spitalbetrieb weltweit fast lahmgelegt. In einer Analyse wurde nun erstmals die Gesamtzahl der verschobenen Wahloperationen für über 190 Länder geschätzt. Alles Eingriffe, die aufgrund von Covid-19 weltweit abgesagt wurden. Damit wird auch zum ersten Mal das Ausmass der entgangenen Ertragsausfälle ersichtlich.
Während 12 Wochen mussten Spitäler und medizinische Zentren insgesamt 28'404'603 Operationen absagen, wie aus der im Fachjournal «British Journal of Surgery» publizierten Hochrechnung hervorgeht. Macht pro Woche 2'3657'050 und pro Tag 338'150 elektive Eingriffe. Betroffen waren mit 90 Prozent hauptsächlich Ops bei gutartigen Erkrankungen. 
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Nach Fachgebiet und Indikationen (Screenshot «British Journal of Surgery»)

45 Wochen für Rückstand abzuarbeiten

Insgesamt betrug die Stornierungsrate weltweit 72,3 Prozent. Betroffen vom Aufschub waren vor allem orthopädische Eingriffe, aber auch Krebs-Operationen. Die Studie enthält auch Zahlen für die Schweiz: So wurden während diesen drei Monaten wöchentlich insgesamt über 9'100 Operationen verschoben. Das sind total fast 110'000 Eingriffe, was rund 1'300 pro Tag ergibt. 
Die Autoren der Analyse liefern zudem eine Prognose der Zeitdauer, um den Rückstand zu beseitigen: Wenn Länder ihr normales Operationsvolumen nach der Pandemie um 20 Prozent erhöhen, würde es im Durchschnitt 45 Wochen dauern. 
Dmitri Nepogodiev, Aneel Bhangu. «Elective surgery cancellations due to the COVID‐19 pandemic: global predictive modelling to inform surgical recovery plans», in: «British Journal of Surgery».12. Mai 2020
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