Schlaganfälle: Berner Forscher klären Kontroverse

Kürzlich haben vier internationale Studien betreffend die Behandlung eines akuten Hirninfarkts in Fachkreisen zu Verunsicherungen geführt. Eine Lösung kommt aus Bern.

, 11. Juli 2022, 08:44
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Rund 80 Prozent aller Schlaganfälle werden durch eine Durchblutungsstörung des Gehirns ausgelöst. Häufigste Ursache ist ein Blutgerinnsel, welches ein Hirngefäss verschliesst. Man spricht in diesem Fall von einem Hirninfarkt oder - in der Fachsprache - von einem ischämischen Schlaganfall. 
Das Gerinnsel hat zur Folge, dass die Gehirnzellen nicht genügend Sauerstoff und Nährstoffe erhalten und dadurch absterben. Um bleibende Schäden oder gar den Tod der betroffenen Person zu verhindern, muss es so schnell wie möglich entfernt werden.

Die Akutbehandlung des Hirninfarkts beruht derzeit auf zwei wesentlichen Massnahmen, die das Ziel verfolgen, den Blutfluss wieder in Gang zu setzen: 

  • die Thrombolyse, auch Lysetherapie oder kurz Lyse, und
  • die Thrombektomie.
Bei der Lysetherapie wird Schlaganfallbetroffenen ein Medikament verabreicht, welches das Blutgerinnsel auflösen soll. 
Bei der Thrombektomie wird dieses mechanisch mit sogenannten Kathetern entfernt.

Fachkreise verunsichert

In der Regel erhalten Schlaganfallbetroffene, bei denen eine Thrombektomie durchgeführt wird, vorgängig eine Lyse. Da die Lysebehandlung aber ein erhöhtes Blutungsrisiko mit sich bringt, stellt sich die Frage, ob das kombinierte Vorgehen notwendig ist oder ob eine alleinige Thrombektomie – sofern diese sofort durchgeführt wird - ebenso gute oder sogar bessere Ergebnisse erzielen kann.
«Vier kürzlich erschienene internationale Studien kamen zu widersprüchlichen Schlüssen, was in Fachkreisen zur Verunsicherung führt», schreibt die Insel Gruppe in ihrer Mittteilung.

Studie zeigt 96-prozentige Erfolgsquote

Einen wichtigen Beitrag zur Klärung dieser Kontroverse leistet eine neue internationale Studie unter der Leitung des Stroke Centers am Inselspital, Universitätsspital Bern. 
Kurz zusammengefasst zeigen die Forschenden darin auf, dass sich bei Schlaganfallpatienten mit einem Verschluss eines grossen Hirngefässes mit der alleinigen Thrombektomie weniger gute Ergebnisse erzielen lassen als beim kombinierten Vorgehen, sprich: erst Lyse, danach Thrombektomie. 
Mit der Kombinationstherapie konnte bei 96 Prozent der Betroffenen das verschlossene Hirngefäss wieder geöffnet werden. Die Ergebnisse wurden in der jüngsten Ausgabe des renommierten Fachmagazins «The Lancet» publiziert.
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