Schaffhausen: Spitalleitung reagiert auf offenen Brief

Pflegende des Kantonsspitals Schaffhausen schrieben einen offenen Brief an die Spitalleitung: «So zu pflegen ist für uns ethisch nicht mehr vertretbar.»

, 20. Mai 2022, 10:12
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Pflegende des Kantonsspitals Schaffhausen wandten sich vor rund einem Monat mit einem offenen Brief an die Spitalleitung. Rund 130 Unterzeichnende berichteten von unzumutbaren Patientensituationen und prekären Arbeitsbedingungen. Die «Schaffhauser AZ» berichtete über den Brief und sprach mit einigen Pflegenden des Kantonsspitals.

«So zu pflegen ist für uns ethisch nicht mehr vertretbar»

Patienten könnten nicht mehr komplett gewaschen werden; es komme vor, dass diejenigen Patienten, die nicht selbst trinken können, unterversorgt seien; Patienten blieben in vollen Einlagen liegen; es komme zu falschen Infusionslaufraten, Medikamentendosierungen würden nicht mehr überprüft – diese und noch weitere Punkte standen im offenen Brief, wie aus dem Artikel der «Schaffhauser AZ» hervorgeht.
Die Unterzeichnenden kommen zum Schluss: «So zu pflegen ist für uns ethisch nicht mehr vertretbar.»

So reagierte die Spitalleitung

Die Veröffentlichung habe hohe Wellen geschlagen, schrieb die Wochenzeitung gestern. So habe die Spitalleitung am Tag, als der Artikel erschienen war, intern auf den Stationen des Kantonsspitals eine Stellungnahme zum Artikel verteilt. Man nehme den Brief ernst und wolle Massnahmen einleiten, habe es seitens der Spitalleitung geheissen.

Pandemie als Hauptgrund?

Diese stimme zwar zu, dass die Pflegenden in einer schwierigen Situation seien, dafür verantwortlich mache sie aber zu einem grossen Teil die Pandemie, schreibt die «Schaffhauser AZ».
Die Pandemie habe dazu geführt, dass nicht nur mehr schwer erkrankte Covid-Patienten versorgt werden mussten, sondern dass es «beim sehr ermüdeten Personal sehr viele Ausfälle gab», habe die Spitalleitung betont. Auch hätten Pflegeteams ständig neu zusammengestellt werden müssen. Die Covid-19-Pandemie habe zudem das bestehende Problem des Personalmangels verschlimmert.

Insgesamt seien Patienten mit der Pflege zufrieden

Um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, hätten die Spitäler Schaffhausen teilweise Prioritäten setzen und auch Betten sperren müssen, was aber im Interesse der Arbeitsbelastung und der Qualität geschehe. Insgesamt seien Patienten mit der Pflege zufrieden, das hätten die überwiegend positiven Rückmeldungen gezeigt, zitierte die «Schaffhauser AZ» aus der Stellungnahme der Spitalleitung.

Vorzeitige Entlassung von Patienten?

Dass Patientinnen und Patienten aufgrund des Personalmangels und der Bettenknappheit vorzeitig entlassen würden, wie Pflegerinnen der Wochenzeitung erzählten, habe die Spitalleitung des Kantonsspitals Schaffhausen nicht bestätigt. Die Spitalleitung habe erklärt, heisst es im Artikel weiter, dass ein Patient nicht entlassen werden soll, «solange er medizinische Versorgung benötigt». Auch andere Faktoren, etwa das soziale Umfeld oder die häusliche Versorgung, kämen beim Austritt und Wiedereintritt zum Tragen. 
Lesen Sie auch: 
  • Pflege-Notstand setzt Schaffhausen unter Druck  
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