Tessin: Vereinbarung im Fall einer Fehl-Amputation

Der Belegarzt, der an der Clinica Sant'Anna einer Patientin fälschlicherweise beide Brüste amputierte, hat der 67-jährigen Frau laut Medienberichten nun über eine Viertelmillion zugesprochen.

, 16. September 2016, 08:35
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Der Fall sorgte vor über einem Jahr für grosses Aufsehen: Ein Chirurg verwechselt an der SMN- Klinik Sant’Anna in Sorengo zwei Patientinnen – und dabei verliert eine 67-jährige Frau ihre Brüste. Arzt wie Klinik mussten eingestehen, dass es sich schlicht um eine Verwechslung zweier Patientinnen gehandelt hatte.
Der Fall drehte danach monatelang weiter. Nun soll es offenbar zu einer Einigung zwischen dem Gynäkologen und der Patientin gekommen sein. Dies berichtete jüngst die Tessiner Gratis-Zeitung «Il Caffè». Das Opfer erhielt vom Arzt offenbar 280’000 Franken Schadensersatz und Genugtuung.

Klinik Sant’Anna geht auf Abstand

Laut dem Bericht soll dabei Geld vom operierenden Arzt und vom Anästhesisten, aber auch von der Klinik geflossen sein. Gegen diese Darstellung wehrt sich aber die Klinik Sant’Anna. 
Die Klinik sei nicht involviert gewesen: «Die Vereinbarung wurde zwischen Arzt und Patientin getroffen – ohne Beteiligung oder Mitwirkung der Klinik», heisst es jetzt in einer Mitteilung.

Klage eingereicht

An einer Pressekonferenz in Sorengo verteidigte Fulvio Pelli – Verwaltungsratsmitglied der Swiss Medical Network und Anwalt der Klinik – die Qualität der Gesundheitsversorgung der Klinik, und er gab genaue Informationen über die Finanzierung dieser Vergütung. 
Die Haftpflichtversicherung der Klinik habe nur «auf Drängen des Verteidigers des behandelnden Arztes» interveniert, so Pelli bei der Rekonstruktion des Vorfalles.  
Die Klinik hat nun am Donnerstag eine Strafanzeige gegen «Il Caffè» eingereicht; die Rede ist von «Verleumdung und unlauterem Wettbewerb». Eine zweite Anzeige von SMN – gegen unbekannt – ging zudem wegen Diebstahl und Unterschlagung von vertraulichen Dokumenten ein.
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