Studie: Roboter-Chirurgie ist teurer und langsamer

Neue Daten wecken Zweifel an roboterunterstützten Operationen: Ein Knackpunkt ist die Kostenfrage. Und die Roboter-Chirurgie liefert kaum bessere Ergebnisse.

, 27. Oktober 2017, 10:00
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«Roboter beweisen Talent», «Dr. Roboter übernimmt» oder «Die Zukunft im OP gehört dem Roboter»: Solche Schlagzeilen zeigen, wie allgegenwärtig die roboterunterstützte Chirurgie auch in den Schweizer Spitälern geworden ist.
Der Robo-Trend in der Chirurgie ist aber auch umstritten: Jeder «Da Vinci» stellt die Kostenfrage in den Raum. Hinzu kommen Zweifel, ob die Ergebnisse der Maschinen-Unterstützung im Vergleich zu konventionellen Ansätzen tatsächlich so viel besser sind. 
Unterstützung erhalten Skeptiker nun von zwei Studien, die soeben im «Jama»-Netzwerk veröffentlicht wurden.

Über 2'500 Dollar Mehrkosten

Die erste Studie, durchgeführt an der südkoreanischen Universität Ulsan, verglich die Kosten und Ergebnisse von roboterassistierten Nieren-OPs mit herkömmlichen Eingriffen. Komplikationen, Bluttransfusionen oder längere Spitalaufenthalte waren bei beiden Methoden ähnlich, wie die Daten zeigen.
Anders sieht es bei den Kosten aus: Diese betragen für robotergestützte Operationen im Durchschnitt 2’678 Dollar mehr als bei laparoskopischen Eingriffen. Die Begründung für den Mehraufwand liegt nicht etwa einfach beim Amortisationsbeitrag für die teuren Anlagen, sondern vor allem in längeren Operationszeiten.
In Gab Jeong, Yash S. Khandwala, Jae Heon Kim et al. «Association of Robotic-Assisted vs Laparoscopic Radical Nephrectomy With Perioperative Outcomes and Health Care Costs, 2003 to 2015», in: «JAMA», October 2017.

«Robotersystem noch zu teuer»

So war die durchschnittliche Operationsdauer bei roboterunterstützten Eingriffen über 37 Minuten länger als bei konventionellen Eingriffen. Dies ergab die zweite Studie mit über 470 Patienten aus fast 30 Zentren, bei denen Rektalkarzinome entfernt wurden. 
Hier waren die Mehrkosten bei der Roboter-Chirurgie 1’132 Dollar höher. Für Studienautor David Jayne vom britischen Universitätsspital St. James ist Roboter-Chirurgie zwar ein technischer Fortschritt in der minimal-invasiven Chirurgie. Das derzeitige Robotersystem sei aber «zu teuer, um die breite Verwendung bei Rektumkarzinomen zu rechtfertigen», erklärte er der Nachrichtenagentur «Reuters».
David Jayne, Alessio Pigazzi, Helen Marshall et al. «Effect of Robotic-Assisted vs Conventional Laparoscopic Surgery on Risk of Conversion to Open Laparotomy Among Patients Undergoing Resection for Rectal Cancer», in: «JAMA», October 2017.

Innovationen und evidenzbasierte Medizin?

Jason D. Wright von der Columbia Universität hält es denn auch für «unwahrscheinlich», dass robotergestützte Operationen in gewissen Bereichen einen Mehrwert für den Patienten oder für das Gesundheitssystem bringen.
Die Roboter-Chirurgie ist für ihn ein Beispiel für die Schwierigkeit, chirurgische Innovationen mit evidenzbasierter Medizin in Einklang zu bringen. Ohne Beweis für verbesserte Ergebnisse werde das komplizierte Problem der Kosten immer grösser, schreibt der New Yorker Gynäkologe in einem Leitartikel für das «Journal of the American Medical Association». 
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