Pharma und Ärzte: Die Transparenz von morgen

Tagungs-Gebühren, Beratungs-Honorare, Reise-Kosten, Spesen? Bitte eintragen. In England entsteht eine Datenbank, in der alle Ärzte ihre Einkünfte durch Pharmafirmen deklarieren.

, 13. August 2015, 10:00
image
  • medikamente
  • ärzte
  • pharma
Die heutige NZZ erinnert wieder daran: In der Schweiz haben die wichtigsten Pharmafirmen vereinbart, dass sie ab 2016 offenlegen, welche geldwerten Leistungen sie Medizinern, Gesundheitsexperten und -organisationen zukommen lassen. Nur etwa die Hälfte der Branchenunternehmen beteiligen sich zwar daran, aber klar wird: Da steht wieder ein Schrittchen an – hin zur Transparenz im Verhältnis zwischen Medizinern und Medikamentenherstellern.
Wohin die Reise geht, zeigt ein anderer Fall, der ebenfalls im nächsten Jahr in Grossbritannien umgesetzt wird: Dort wird die Sache individuell transparent gemacht. Und versehen mit einem gewissen Gruppendruck.

Die Initiative kam von der Pharmaindustrie

Konkret heisst das: Ab Juni 2016 kann jeder Arzt die Bezahlungen und Freundlichkeiten, die er von der Medikamenten-Branche erhält, per Internet veröffentlichen. Dafür entwickelt der Branchenverband ABPI – von dem die Initiative ausging – eine Online-Lösung. 
In insgesamt vier Kategorien können die Ärzte dann ihre Nebeneinkünfte ausweisen:

  • Teilnahmekosten für Veranstaltungen und Konferenzen
  • Reise- und Unterbringungskosten für Veranstaltungen und Konferenzen
  • Honorare für Beratungen und andere Dienstleistungen
  • Spesen für Beratungen und andere Dienstleistungen.

Nicht ganz unerwartet läuft aber jetzt schon die Debatte darüber, ob man diese Nebeneinkünfte-Deklaration nicht gleich obligatorisch machen müsste – wenn doch nun eine Applikation dafür zur Verfügung steht. Die Academy of Medical Royal Colleges sprach sich Anfang August für diesen Schritt aus.
Und bei einer Umfrage des «British Medical Journal», also des Organs des nationalen Ärzteverbandes, sprachen sich jetzt 85 Prozent für diesen weitergehenden Schritt aus.
Was zum Verdacht führt, dass die nächste Frage wohl auch nicht mehr lange auf sich warten lässt: Könnte man das Deklarations-Tool denn auch in die Schweiz importieren?
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Lieferengpässe bei Medikamenten: Wann fällt der Groschen?

Im Moment schnellen die Zahlen von Lieferengpässen nach oben.

image

So entscheiden Hausärzte einfacher über Antibiotika

Jedes zweite Antibiotika-Rezept wäre unnötig. Die Behörden versuchen deshalb, übereifrige Hausärzte mit Merkblättern zu bremsen.

image

Kinderarzt kritisiert: Zu viel Alarm nur wegen Schnupfen

Immer mehr Eltern überfüllen Notfälle und Praxen – nur weil ihr Kind Schnupfen hat. Ein Kinderarzt fordert mehr Geduld.

image

Deutsche Hausärzte haben zu viel Cannabis verordnet

In Deutschland wollen die Krankenkassen den boomenden Cannabis-Verschreibungen einen Riegel schieben. Hausärzte sollen gebremst werden.

image

Komplementärmediziner blitzen mit Beschwerde gegen «NZZ» ab

Homöopathen müssen sich gefallen lassen, dass sie als mitverantwortlich für die Impfskepsis gelten. Die «NZZ» durfte das schreiben.

image

Was Ärztinnen und Ärzte in der Praxis wirklich frustriert

Der grösste Frustfaktor in der Arztpraxis ist Bürokratie. Aber nicht nur, wie eine grosse Umfrage mit 23'000 Ärztinnen und Ärzten aus dem Nachbarland jetzt zeigt.

Vom gleichen Autor

image

Brust-Zentrum Zürich geht an belgische Investment-Holding

Kennen Sie Affidea? Der Healthcare-Konzern expandiert rasant. Jetzt auch in der Deutschschweiz. Mit 320 Zentren in 15 Ländern beschäftigt er über 7000 Ärzte.

image

Wer will bei den Helios-Kliniken einsteigen?

Der deutsche Healthcare-Konzern Fresenius sucht offenbar Interessenten für den Privatspital-Riesen Helios.

image

Deutschland: Investment-Firmen schlucken hunderte Arztpraxen

Medizin wird zur Spielwiese für internationale Fonds-Gesellschaften. Ärzte fürchten, dass sie zu Zulieferern degradiert werden.