Spitäler missbrauchen Armee-Einsätze für eigene Zwecke

Verteidigungsministerin Viola Amherd bestätigt Fälle von Spitälern, die Sanitäts- und Spitalsoldaten als quasi kostenlose Hilfskräfte nutzen.

, 23. April 2020 um 12:37
image
  • spital
  • coronavirus
  • armee
Schweizer Spitäler haben im Kampf gegen Corona die Armee um kostenlose Unterstützung angefragt. Gleichzeitig wurde das eigene Pflegepersonal nach Hause geschickt oder auf Kurzarbeit gesetzt. Verteidigungsministerin Viola Amherd bestätigt nun solche missbräuchlichen Soldaten-Einsätze gegenüber der «Rundschau» von SRF.
Die Armee habe jeweils das Gespräch mit den Spital-Verantwortlichen gesucht. «Ihr habt Leute in der Kurzarbeit. Nehmt diese Leute zurück», heisst es dann. Die Armee habe darum auch bereits Spital- und Sanitätssoldaten aus Spitälern abgezogen. Solche Missbräuche vorgängig zu vermeiden sei aber schwierig. Auf konkrete Fälle ging Viola Amherd nicht ein.

Mehr als 350 Gesuche eingegangen

Ein Soldat im Spital Thurgau vermutete bereits vergangene Woche einen Fehlanreiz hinter dem Assistenzdienst der Armee: «Sie setzen uns nun ein und schicken ihre Pflegenden nach Hause, um Überstunden und Ferien abzubauen», sagte er gegenüber der WOZ. Auch Gewerkschaften haben Spitäler für dieses Vorgehen kritisiert. 
Seit Anfang März sind mehr als 350 Gesuche für sanitäts- und betreuungsdienstliche Leistungen eingegangen. Von diesen hat die Armee mittlerweile 150 erfüllt, über 110 befinden sich aktuell in der Umsetzung, rund 15 Gesuche werden derzeit geprüft und gegen 40 wurden zurückgezogen. Insgesamt sind 3'800 Armeeangehörige der Sanitätstruppen für rund 50 Spitäler in der ganzen Schweiz eingerückt. Inzwischen wurden 300 bis 400 Soldaten der Sanitätstruppen wieder aus dem Assistenzdienst entlassen. 
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Basel: Adullam-Stiftung engagiert Jörg Leuppi

Der CMO des Kantonsspitals Baselland wird Stiftungsrat bei der Organisation für Altersmedizin.

image

USZ macht Verlust von 49 Millionen Franken

Verantwortlich dafür sind unter anderem inflations- und lohnbedingte Kosten. Zudem mussten Betten gesperrt werden.

image

Auch das KSW schreibt tiefrote Zahlen

Hier betrug das Minus im vergangenen Jahr 49,5 Millionen Franken.

image

...und auch das Stadtspital Zürich reiht sich ein

Es verzeichnet einen Verlust von 39 Millionen Franken.

image

Kantonsspital Olten: Neuer Chefarzt Adipositaschirurgie

Urs Pfefferkorn übernimmt gleichzeitig die Führung des Departements Operative Medizin.

image

SVAR: Rötere Zahlen auch in Ausserrhoden

Der Einsatz von mehr Fremdpersonal war offenbar ein wichtiger Faktor, der auf die Rentabilität drückte.

Vom gleichen Autor

image

Arzthaftung: Bundesgericht weist Millionenklage einer Patientin ab

Bei einer Patientin traten nach einer Darmspiegelung unerwartet schwere Komplikationen auf. Das Bundesgericht stellt nun klar: Die Ärztin aus dem Kanton Aargau kann sich auf die «hypothetische Einwilligung» der Patientin berufen.

image

Studie zeigt geringen Einfluss von Wettbewerb auf chirurgische Ergebnisse

Neue Studie aus den USA wirft Fragen auf: Wettbewerb allein garantiert keine besseren Operationsergebnisse.

image

Warum im Medizinstudium viel Empathie verloren geht

Während der Ausbildung nimmt das Einfühlungsvermögen von angehenden Ärztinnen und Ärzten tendenziell ab: Das besagt eine neue Studie.