Wie das Unispital Genf den «Inländervorrang» praktiziert

Bei den Hôpitaux universitaires de Genève (HUG) ist der Aufwand seit der Einführung des Inländervorrangs nicht viel grösser.

, 1. Dezember 2016, 10:00
image
  • genf
  • politik
  • pflege
  • personalmangel
Die Politik muss sich dieser Tage mit dem Zuwanderungsartikel und somit auch mit dem Inländervorrang befassen. Dabei schielt man mitunter auf das Genfer Modell, wo seit zwei Jahren ein Inländervorrang für die Verwaltung und öffentliche Institutionen gilt.
Davon betroffen sind auch die Hôpitaux universitaires de Genève (HUG), mit knapp 11’000 Mitarbeitenden der grösste Arbeitgeber im Kanton Genf. Und bekanntlich in einer Branche tätig, in der es nicht einfach ist, gute Fachkräfte zu gewinnen.

«Pflegepersonal ist schwierig zu finden»

Rund 800 Stellen werden an den HUG jährlich neu besetzt. In der Praxis sei nicht alles so streng wie auf dem Papier, erklärt Mediensprecher Nicolas de Saussure gegenüber SRF. «Pflegepersonal zum Beispiel ist in Genf schwierig zu finden und entsprechend meldet sich kaum jemand beim Arbeitslosenamt. Wir diskutierten deshalb und konnten intelligente Lösungen finden. Eine Stelle für eine Pflegefachfrau dürfen wir sofort öffentlich ausschreiben.»
In anderen Bereichen hingegen haben seither mehr Einheimische, die zuvor arbeitslos waren, eine Stelle gefunden, so de Saussure weiter. Dies betraf etwa die Administration, die Logistik oder die Küche. Insgesamt jede dritte Anstellung erfolgt laut de Saussure auf Grund von Vorschlägen des Arbeitsamtes.

Vertrauen und gesunder Menschenverstand

Das Prozedere gebe es teils schon länger, doch die Bürokratie halte sich im Rahmen. «Wir müssen keine zwölfseitigen Rapporte schreiben, wenn wir jemanden nicht anstellen. Umgekehrt bekommen wir oft schnell gute Bewerbungen», so de Saussure. Die Zusammenarbeit mit dem Arbeitsamt basiere auf Vertrauen und gesundem Menschenverstand. 

So funktioniert es

Seit zwei Jahren müssen offene Stellen in der Genfer Verwaltung und bei öffentlichen Institutionen zuerst dem kantonalen Arbeitsamt gemeldet werden. Sie dürfen erst zehn Tage später auch öffentlich ausschrieben werden. Maximal fünf vorgeschlagene Arbeitslose erscheinen zum Vorstellungsgespräch. Werden sie nicht angestellt, braucht es eine schriftliche Begründung. 
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Keine Empfehlung: Die GDK verzichtet auf Covid-Massnahmen

Heute hat sich der Vorstand der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren auch mit der epidemiologischen Lage befasst.

image

Covid-Herbst: So ist die Stimmung in Zürich, Luzern und Bern

Steigende Infektionszahlen, verhaltene Booster-Bereitschaft und Personalmangel: die Spitäler sind unter Druck und wappnen sich mit Massnahmen.

image

Auszeichnung für Sophie Ley und Yvonne Ribi

Das Führungsteam des Schweizer Berufsverbands der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner (SBK) wird für sein Engagement für die Pflege international geehrt.

image

Gewalt an Kindern: «Jetzt braucht es ein Gesetz»

Schläge, Beschimpfungen oder Liebesentzug – in der Schweiz erlebt fast jedes zweite Kind zu Hause Gewalt. Der Kinderschutz fordert Massnahmen vom Bund.

image

Seltene Krankheiten: Bund gerät wegen Krankenkassenrevision unter Druck

Das BAG will die Spielregeln ändern und nur noch Medikamente bezahlen, für die es Placebo-Studien gibt. Dagegen wehren sich 21 Organisationen.

image

Deshalb sind Temporär-Pflegende nicht immer beliebt

Es gibt gute Gründe fürs Pflegepersonal, sich nur noch temporär anstellen zu lassen. Aber es gibt auch ein paar Dinge, die dagegensprechen.

Vom gleichen Autor

image

Ärzte erhalten von Ärzten eine Sonderbehandlung

Ärzte als Patienten kriegen bestimmte Privilegien, die andere Patienten oder Patientinnen nicht erhalten würden. Dies sagt die grosse Mehrheit der in einer Studie befragten Ärzte.

image

Insel Gruppe: Chefarzt Stephan Jakob gibt Leitung weiter

Joerg C. Schefold übernimmt die Klinikleitung der Intensivmedizin am Berner Inselspital. Er folgt auf Stephan Jakob, der in Pension gehen wird.

image

Ärzte greifen während Arbeit zu Alkohol und Drogen

Da die Belastung im Gesundheitswesen hoch ist, erscheinen offenbar Ärzte sogar betrunken oder high zur Arbeit. Dies zumindest geht aus einer Umfrage aus den USA hervor.