Mediales Feuerwerk für die Personal-Rekrutierung

Im Dezember machte es das Haus für Pflege in Bern weitherum von sich reden – dank einer kreativen Personalgewinnungs-Aktion. Und nun? Was hat es gebracht?

, 13. Juli 2017, 13:03
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Wer unkonventionelle Wege geht, erreicht mitunter hohe Aufmerksamkeit. Das erfuhr letzten Dezember das Haus für Pflege in Bern. Dort sollten eine Pflege- und eine Verwaltungsstelle besetzt werden. Leiterin Doris Klossner tat, was sie in solchen Situationen regelmässig tut: Sie bat die Mitarbeitenden um Unterstützung. «Das Potential von Mitarbeitenden ist enorm», sagt Klossner.
Im Brainstorming kristallisierten sich verschiedene Ideen heraus. Man wollte den Betrieb zeigen, ihn modern und zeitgemäss darstellen. Der Geist des Hauses sollte fassbar werden. Selbstverständlich sollte das Vorhaben bezahlbar sein.
Am Ende setzten sich zwei Ideen durch: Die Mitarbeitenden sollten Poster zeichnen und anschliessend alle Einsendungen bewerten; mehrere Hundert Franken winkten als Gewinn. Und: Es sollte ein «Mannequin Challenge»-Film produziert und auf YouTube und Facebook gestellt werden.
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Dieser Beitrag erschien

zuerst im Spitex-Report 

Die zweite Idee fand den Weg in die Medien und brachte die Sozial Media zum Kochen – wenn der Massstab die Schweiz und das Thema neue Wege der Kommunikation im Gesundheitswesen sind.
Eine «Mannequin Challenge»? In den sozialen Medien finden solche Aktionen immer wieder zahlreiche Nachahmer. So leerten sich einst viele Menschen einen Kübel mit Eiswasser über den Kopf und animierten Freunde, dies auch zu tun, es auf Video festhalten und in den sozialen Netzwerken zu teilen. Bei einer Mannequin Challenge geht es darum, dass Personen einer Gruppe regungslos verharren und in solcher Pose von einer sich bewegenden Kamera gefilmt werden. Es entsteht ein ganz besonderer Schaufensterpuppen-Effekt. Fussballclubs wie AC Milan oder Manchester United, aber auch die damalige First Lady Michele Obama nutzten diese Art von Videos, um für sich oder ein Anliegen zu werben.

Und dann ging es los

«Es waren vor allem jüngere Mitarbeitende, die mitmachen wollten», sagt Klossner. An einem einzigen Nachmittag wurde gedreht. «Es war ein Riesengaudi», erinnert sich Klossner. «Wir hatten grossen Spass und haben viel gelacht.»
Das Video wurde auf den Haus-für-Pflege-Facebook-Account geladen. Die Mitarbeitenden begannen ihr Mannequin-Challenge-Film zu teilen. Gezielt wurde das Video einem Journalisten zugespielt, der die Geschichte prompt in der «Berner Zeitung» brachte. «20 Minuten» zog nach. Die zeitgemässe Art der Personalsuche war plötzlich in aller Munde.
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    Das Haus für Pflege

    Das Haus für Pflege ist in seiner Art einzigartig in der Schweiz. Es wird als Nursing Clinic ausschliesslich von Pflegefachpersonen geleitet. Das Haus für Pflege hat 38 Betten und beschäftigt rund 70 Mitarbeitende. Die jährliche Patientenwechselrate liegt bei 300. Doris Klossner (Bild) leitet das Haus seit der Gründung 2004.

«Enkel wollten unbedingt ihre Grossmutter sehen, Eltern ihre Kinder bei der Arbeit, Freundinnen und Kollegen ihre Bekannten», erinnert sich Klossner. Doch die hohe mediale Aufmerksamkeit sei ein Strohfeuer gewesen. «In den Zeitungen waren am nächsten Tag bereits andere Geschichten aktueller.»

Und was hat es gebracht?

Die entscheidende Frage ist: Konnten die Stellen besetzt werden? «Ja, das konnten sie. Mindestens bei der Verwaltungsstelle haben verschiedene Bewerberinnen das Video erwähnt. Sie wollten in einem modernen Betrieb arbeiten», sagt Klossner.
Und die Pflegestelle? «Die Bewerbungsgespräche habe ich nicht selber geführt, und weiss darum nicht genau, ob das Video unterstützt hat.» Dies sei auch gar nicht entscheidend. Viel wichtiger sei die langfristige Wirkung nach innen.
Die beste Rekrutierungsmassnahme sei, das bestehende Personal zu halten und die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass die Mitarbeitenden gerne zur Arbeit kämen. «Dazu haben Film und Poster einen Beitrag geleistet.» Die prämierten Poster kamen bei einer Fachmesse zum Einsatz.
Was gibt Doris Klossner anderen Unternehmen mit auf den Weg, die dringend Personal suchen? «Motivieren Sie Ihre Mitarbeitenden, mitzudenken. Setzen Sie auf deren Kreativität und unterstützen Sie auch mal unkonventionelle Lösungen», empfiehlt Klossner. «Doch vor allem: Sorgen Sie als vorgesetzte Person dafür, dass die Mitarbeitenden ihren Job gut machen können.»

Haus für Pflege: Der Mannequin-Challenge-Film auf Youtube

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