Medgate plant eine Reihe neuer Ärztezentren

Nach dem Einstieg von Aevis Victoria will der Telemedizin-Anbieter in der integrierten Grundversorgung ausbauen – und auch im Ausland.

, 26. Januar 2016, 14:00
image
Am Freitag wurde der Zusammenschluss bekannt: Aevis Victoria steigt bei Medgate ein. Der börsenkotierte Aevis-Konzern betreibt unter anderem eine Hotelkette, einen Ambulanzdienst, Wellness-Immobilienprojekte – und vor allem Swiss Medical Network (ehemals Genolier), also die zweitgrösste Privatklinik-Gruppe der Schweiz.
Aevis Victoria übernahm nun auch 40 Prozent von Medgate; die Aktienmehrheit der Gruppe bleibt bei den Medgate-Gründern Andy Fischer und Lorenz Fitzi. Kommt hinzu, dass auch die Swisscom im Telemedizin-Bereich von Medgate investiert ist. Diese Beteiligung bleibt bestehen.
Der Einstieg des Fribourger Gesundheits-Mischkonzerns bedeutet also auch eine Erweiterung der Kapitalbasis. Die Frage stellt sich nun: Was entsteht aus der neuen Partnerschaft von Medgate und Aevis Victoria?

Neue alternative Versicherungsmodelle

Zusammen wollen die beiden Gesundheits-Unternehmen insbesondere die integrierte Versorgung ausbauen, so die Antwort von Cédric Berset, dem Marketing-Chef von Medgate: Man wolle zum Beispiel – gemeinsam mit den Versicherern – weitere alternative Versicherungsmodelle entwickeln; in diesem Geschäft konnte Medgate in den letzten Jahren starke Wachstumsraten von bis zu 25 Prozent erzielen. Und man wolle noch kundenfreundlicher werden.
Tatsächlich zeichnet sich hier ein Unternehmensnetz ab, das vom ersten Patientenkontakt im Telemedizinischen Zentrum über die Ärztezentren von Medgate zu den Reha- und Privatkliniken von Swiss Medical Network reicht. Auf der anderen Seite betonen die beiden Unternehmen in ihrer Mitteilung, dass Medgate «ein neutraler Player im Gesundheitswesen» bleiben wolle, «der in erster Linie seinen Patienten verpflichtet ist.»
Bei Überweisungen empfehlen die Medgate-Ärzte einen für das Anliegen des Patienten optimal geeigneten Leistungserbringer, sagt Cédric Berset. Dabei richten sich die Ärzte nach medizinischen Standards sowie den Bedürfnissen des Patienten.

Nordwestschweiz, Romandie, Tessin

Integrierte Versorgung, das heisst auch: mehr ambulante Grundversorgung. Medgate plant denn auch neue eigene Ärztezentren.
Derzeit betreibt der Telemedizin-Anbieter je eine Grosspraxis in Solothurn und in Zürich – in den nächsten fünf Jahren sollen acht bis zehn weitere Ärztezentren hinzukommen, primär in der Nordwestschweiz, in der Romandie und im Tessin; in Gegenden notabene, in denen auch das jüngst zusammengeschlossene Medbase-Santémed-Netzwerk unter den Fittichen der Migros besondere Wachstumschancen wittert.

Abu Dhabi, Australien, Philippinen

Das dritte Standbein des Basler Unternehmens entsteht schliesslich aus dem Export des Telemedizin-Knowhow: Derzeit betreibt Medgate ein telemedizinisches Zentrum in Abu Dhabi (eröffnet 2014) und eines in Australien (2015); im Frühjahr soll nun ein weiteres Beratungs-Zentrum auf den Philippinen seine Leitungen öffnen. 
Danach, so Marketingchef Cédric Berset, strebe das Unternehmen auch international weitere Lancierungen an, wobei insbesondere die Gründung eines Ablegers in Europa wünschbar wäre. Doch solche Projekte seien nur beschränkt planbar: Ort und Zeitpunkt seien stark abhängig davon, ob ein lokaler Partner beziehungsweise ein Finanzierungs-Partner zur Verfügung stehe.
Medgate ist bekannt als grösster Telemedizin-Anbieter der Schweiz. Im Telemedizinischen Zentrum in Basel betreuen die Ärzte täglich bis zu 4'900 Patienten. Hinzu kommen zwei eigene Ärztezentren in Solothurn und Zürich. Das Unternehmen, gegründet 1999, beschäftigt rund 300 Mitarbeiter, davon knapp 100 Ärztinnen und Ärzte.
Derzeit bietet Medgate auch etwa 40 bis 50 Heimarbeitsplätze, wo die Ärzte von zuhause aus und teilzeitlich Telemed-Beratungsaufgaben wahrnehmen.
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Telemedizin: So will Medgate die Notfallstationen weiter entlasten

Der Telemedizin-Anbieter rekrutiert fleissig Personal und hat sein Angebot inzwischen auf zahlreiche neue Kantone ausgeweitet. Weitere sind im Visier.

image

Das Rennen ums beste E-Rezept

Nachdem sich Onlinedoctor letzte Woche für das erste E-Rezept gerühmt hat, zeigt sich: Auch andere Anbieter haben E-Rezepte – einfach ein bisschen anders.

image

Jetzt gibt es Telemedizin auch gegen Bitcoins

Ein Schweizer Telemedizin-Unternehmen sorgt erneut für Schlagzeilen: Die fernmedizinische Behandlung kann mit Kryptowährungen bezahlt werden.

image

Keine freie Apothekenwahl bei neuen E-Rezepten

Das Teledermatologie-Unternehmen Onlinedoctor stellt neu elektronische Rezepte aus. Diese lassen derzeit aber noch keine freie Apothekenwahl zu.

image

So sieht eine Kinderpraxis mit Design-Preis aus

Eine Solothurner Arztpraxis hat den renommierten Designpreis «Red-Dot-Award» erhalten. Medinside zeigt, wie die preisgekrönte Gestaltung aussieht.

image

Drei Fragen an...die FMH-Präsidentin Yvonne Gilli

Yvonne Gilli möchte sich ihre ärztliche Freiheit nicht mit noch mehr Gesetzen einschränken lassen. Als FMH-Präsidentin könne sie Gegensteuer geben, hofft sie.

Vom gleichen Autor

image

Brust-Zentrum Zürich geht an belgische Investment-Holding

Kennen Sie Affidea? Der Healthcare-Konzern expandiert rasant. Jetzt auch in der Deutschschweiz. Mit 320 Zentren in 15 Ländern beschäftigt er über 7000 Ärzte.

image

Wer will bei den Helios-Kliniken einsteigen?

Der deutsche Healthcare-Konzern Fresenius sucht offenbar Interessenten für den Privatspital-Riesen Helios.

image

Deutschland: Investment-Firmen schlucken hunderte Arztpraxen

Medizin wird zur Spielwiese für internationale Fonds-Gesellschaften. Ärzte fürchten, dass sie zu Zulieferern degradiert werden.