Lob und Kritik für Insel-Gruppe

Die am Donnerstag präsentierte neue Strategie der Berner Insel-Gruppe gibt zu reden.

, 31. August 2018 um 09:30
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Die Berner Inselgruppe richtet sich strategisch neu aus. Unter anderem will die Gruppe ihr Kerngeschäft in sechs bis zehn Medizinbereiche bündeln. Gleichzeitig will sie die Leistungen des Spitals Tiefenau und der vier Landspitäler besser untereinander und mit denjenigen des Inselspitals abstimmen. So soll etwa auf den geplanten Neubau beim Spital Tiefenau verzichtet werden und die Spitzenmedizin im Inselspital und die Grundversorgung in den Landspitälern konzentriert werden. 
Die Neuerungen werden unterschiedlich aufgenommen, wie eine kleine Presseschau zeigt.  
In seinem Kommentar lobt der «Bund», den Verzicht auf einen Neubau des Stadtspitals. «Die Insel-Gruppe hat gute Gründe für diese Umkehr: Die Rahmenbedingungen ändern sich. Spitäler werden aus Kostengründen gedrängt, mehr Operationen ambulant durchzuführen, damit die Patienten nicht über Nacht bleiben müssen.»  Durch die Wirrungen beim Zusammenschlusses der öffentlichen Spitälern zur Insel Gruppe seien zudem die Privatspitäler stärker werden. «Unter diesen Vorzeichen ist es sinnvoll, flexibel zu bleiben und auf den Bau eines Spitals zu verzichten.», kommentiert der «Bund» weiter.
«Aus Sicht der Steuer- und Prämienzahler stossend»
Kritischer ist die «Berner Zeitung». Zwar lobt auch sie in ihrem Kommentar den Verzicht auf den Tiefenau-Neubau. Dieser sei aus der Gesamtsicht zu begrüssen. Für das betroffene Personal sei es aber ein schwieriger Entscheid: «Für das Tiefenauspital bedeutet die Abkehr vom Neubau einen Abschied auf Raten», kommentiert die BZ. Keine Freude hat die sie an der Strategieänderung. «Die Abkehr vom Bau eines neuen Stadtspitals zeigt: Die Fusion von Insel und Spital Netz Bern zur Insel-Gruppe verliert zunehmend ihren wichtigsten Pfeiler, das abgestufte Versorgungsmodell. Nach diesem würden einfache Fälle in den Landspitälern, komplexere im Tiefenauspital und die anspruchsvollen im Inselspital behandelt. So sollte gewährleistet werden, dass das Unispital die kleineren Häuser nicht auffrisst. Dass dies eine Utopie ist, zeichnete sich ab. Tendenziell wurden seit der Fusion vermehrt einfachere Fälle am Inselspital behandelt. Dieser Trend dürfte sich jetzt verschärfen. Das ist aus Sicht der Steuer- und Prämienzahler stossend. Denn dieselbe Behandlung ist in der Insel teurer als in den anderen Häusern (Anm. Die Baserate am Inselspital ist höher als in den anderen Spitälern der Spitalgruppe).»
 
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