Pflegekraft: «Lieber verkaufe ich Brötchen beim Bäcker»

Viele Mitarbeitende in Spitälern kommen an ihre Grenzen oder steigen gleich ganz aus dem Job aus. Warum kündigen Pflegekräfte mitten in der Pandemie? Eine Umfrage liefert Antworten.

, 2. Dezember 2021, 09:00
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Das Gesundheitswesen befindet sich weltweit immer noch in einem Ausnahmezustand. Auf vielen Notfall- und Intensivstationen in Spitälern fehlen spezialisierte Pflegekräfte, um die vielen Covid-19-Erkrankten behandeln zu können. Zudem haben zahlreiche Pflegende ihren Job in der Corona-Krise reduziert oder sogar gekündigt – auch in der Schweiz. 
Warum kündigen Pflegekräfte? Der deutschen Zeitung «Zeit» erzählen Pflegekräfte aus Spitälern in Deutschland, weshalb sie ausgestiegen sind. Die Antworten sind nicht repräsentativ, zeigen aber die Bandbreite der Antworten und dürften auch auf das Befinden des Gesundheitspersonals in der Schweiz zutreffen. 
Hier einige Zitate:
  • «Wir haben zu wenig Zeit für zu viele Kranke», Sofie 23
  • «Lieber verkaufe ich Brötchen beim Bäcker», Anonym 58
  • «Jeder Tag im Krankenhaus glich einer rechtlichen Grauzone», Anonym 22
  • «Selbst auf der Intensivstation gab es Verschwörungstheorien», Maria 33
  • «Ich bin schon einige Male vor der Arbeit zusammengeklappt», Marie-Louise 24
  • «Das Gesundheitssystem ist auf Profit ausgerichtet», Anonym 36
  • «Man fühlt sich wie Kanonenfutter», Anja  40
  • «Eine Bonuszahlung macht all das nicht wieder gut», Anonym 26
  • «Es ist deprimierend, einen Menschen so abfertigen zu müssen», Melissa 33
  • «Ich habe aus Selbstschutz gekündigt», Anonym 24
  • «Ich habe gekündigt, weil aus keiner Welle etwas gelernt wurde», Jane 32
  • «Wir mussten manchmal fünf bis sieben Intensivpatienten gleichzeitig betreuen», Hana 31
  • «Die Pandemie deckt jahrzehntelange Probleme auf», Anonym 33
  • «Das Helfersyndrom und Verantwortungsgefühl wird schamlos ausgenutzt», Anonym 26

Lesen Sie hier die ganzen Geschichten der Pflegekräfte. 

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