Gericht: Kantonsspital Aarau hat Sorgfaltspflicht verletzt

Postoperative Komplikationen: Das Handelsgericht des Kantons Aargau verurteilte das Kantonsspital Aarau zur Zahlung einer Genugtuung und einer Schadenersatzsumme.

, 15. November 2016, 08:15
image
  • kanton aargau
  • kunstfehler
  • spital
Weil es nach einer Prostatakrebs-Operation zu Komplikationen gekommen war, muss das Kantonsspital Aarau (KSA) einem heute 69-jährigen Mann Genugtuung von 7’000 Franken und eine Schadenersatzsumme von 11’000 Franken bezahlen. Dies hat das Aargauer Handelsgericht entschieden, wie aus einem Bericht in der «Aargauer Zeitung» hervorgeht.
Das Gericht sah es als erwiesen an, dass das KSA den einschlägigen Empfehlungen zum Einsatz von Klistieren nach Operationen nicht nachgekommen sei, weshalb eine Verletzung der Sorgfaltspflicht gegeben sei. 

Gutachter USZ: Sehr hohe Wahrscheinlichkeit

Vier Tage nach dem Eingriff im Dezember 2011 wurde beim Patienten ein Klistier verabreicht, weil dieser über Verstopfung klagte. Dabei entstand ein sechs Millimeter grosses Loch in der Darmwand.
Das Gericht holte ein Fachgutachten bei einem Spezialisten des Universitätsspitals Zürich (USZ) ein. Dieser sagte, das Loch sei mit 80-prozentiger Wahrscheinlichkeit durch die Kombination aus einer Operationsverletzung und der Anwendung des Klistiers entstanden.

Gericht bejaht Kunstfehler

«Bei einer nach objektivem Massstab aufmerksamen und gewissenhaften Behandlung» wären weder die Verletzung bei der Operation noch das Loch in der Darmwand durch den Einsatz des Klistiers entstanden, steht im Urteil. Das Gericht kam zum Schluss, dass tatsächlich ein Kunstfehler vorliegt.
Anders sieht das der Rechtsvertreter des KSA. Ihm zufolge liegt «keine Verletzung einer anerkannten Regel der ärztlichen Kunst vor». Weder den Ärzten noch dem Pflegepersonal sei ein Vorwurf zu machen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Das KSA wird laut az das Urteil nicht anfechten. 
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Regionalspital nimmt in der Gastroenterologie weltweit Pionierrolle ein

Das GZO Spital Wetzikon ist auf dem Weg zu einem Referenz- und Ausbildungszentrum. Das Ziel ist es, Gastroenterologen für den Eingriff und die Handhabung mit neuen Einweg-Endoskopen auszubilden.

image

Personalsuche Italien: «Wie sind die Reaktionen aus der Branche, Herr Blasi?»

Das Kantonsspital Aarau will Pflegefachpersonen in Rom rekrutieren. Fabio Blasi, Leiter Personalgewinnung, spricht über den Fachkräftemangel und das Projekt.

image

Bethesda Spital: Wechsel in der Spitalleitung

Das Bethesda Spital holt Henrik Pfahler vom Basler Unispital und Ueli Zehnder vom Inselspital nach Basel.

image

Stefan Fischli zum Chefarzt befördert

Stefan Fischli wird Chefarzt Endokrinologie/Diabetologie und klinische Ernährung am Luzerner Kantonsspital.

image

Diese Medizinstudentin will in den Regierungsrat

Zoé Stehlin tritt für die Juso als Luzerner Regierungsratskandidatin an.

image

«200 Betten sind besser als 280»

Der langjährige Spitaldirektor Peter Eichenberger erklärt, warum das Claraspital auf rentable Bereiche wie Orthopädie und Traumatologie verzichtet. Auf 2023 wird der 56-Jährige Delegierter der Clara- Gruppe.

Vom gleichen Autor

image

Ärzte erhalten von Ärzten eine Sonderbehandlung

Ärzte als Patienten kriegen bestimmte Privilegien, die andere Patienten oder Patientinnen nicht erhalten würden. Dies sagt die grosse Mehrheit der in einer Studie befragten Ärzte.

image

Insel Gruppe: Chefarzt Stephan Jakob gibt Leitung weiter

Joerg C. Schefold übernimmt die Klinikleitung der Intensivmedizin am Berner Inselspital. Er folgt auf Stephan Jakob, der in Pension gehen wird.

image

Ärzte greifen während Arbeit zu Alkohol und Drogen

Da die Belastung im Gesundheitswesen hoch ist, erscheinen offenbar Ärzte sogar betrunken oder high zur Arbeit. Dies zumindest geht aus einer Umfrage aus den USA hervor.