Kantonsspital Baden erhält Preis für Patientensicherheit

Das Kantonsspital Baden ist mit dem «Deutschen Preis für Patientensicherheit 2022» ausgezeichnet worden. Für ein Konzept, das auch das Vertrauen zwischen Mitarbeitenden und Führungskräften stärken soll.

, 16. Mai 2022 um 07:00
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Das Konzept «Speak Up» der Anästhesisten vom Kantonsspital Baden (KSB) hat in Deutschland den «Deutschen Preis für Patientensicherheit 2022» gewonnen. Mit diesem Award werden Akteure im Gesundheitswesen geehrt, die sich für die Verbesserung der Patientensicherheit einsetzen. 

KSB  als Vorbild in Sachen Patientensicherheit

Bei «Speak Up» geht es darum, Fehler und Sicherheitsbedenken offen anzusprechen. Lanciert wurde das Sensibilisierungs-Programm von Anästhesie-Chefarzt Michael Heesen und seinen 177 Mitarbeitenden der Abteilung Anästhesie. Während 22 Monaten wurde die Speak-Up-Kultur implementiert – mit messbarem Erfolg, wie das KSB am Montag mitteilt. 
Mittlerweile sei im KSB das Verständnis für die Wichtigkeit der Patientensicherheit im prä-operativen Bereich «signifikant höher» als in anderen Spitälern, schreibt das Spital. Zu diesem Schluss komme eine Studie, die in Kooperation mit einem internationalen Team mit Experten aus New York und Tel Aviv durchgeführt und im «Journal of Patient Safety» veröffentlich wurde.

Sicherheitsbedenken offen ansprechen  

Fehler und Sicherheitsbedenken offen anzusprechen, sei in der Gesundheitsbranche alles andere als selbstverständlich, schreibt das KSB weiter. So gaben in einer Studie unter der Leitung von David Schwappach vier von zehn Mitarbeitenden in Schweizer Gesundheitseinrichtungen an, in den vorausgegangenen vier Arbeitswochen mindestens einmal Sicherheitsbedenken unter den Tisch gekehrt zu haben.
«Wenn Mitarbeitende zu Behandlungs- und Betreuungsfehlern schweigen, ist dies oft das Resultat eines komplexen Abwägens», sagt Chefarzt Michael Heesen. Sie hätten Angst, Berufskolleginnen und -kollegen blosszustellen, gute Arbeitsbeziehungen zu gefährden oder die Patienten zu verunsichern.

Weniger «Hierarchie-Denken»

In klinischen Situationen könne Schweigen jedoch gefährlich sein, steht in der Mitteilung weiter zu lesen. Deshalb sollten Sicherheitsbedenken umgehend thematisiert werden. «Respekt und die Überzeugung, dass der Fehler dem Kollegen nicht absichtlich passiert ist, bilden die Basis von Speak Up», sagt Heesen.
Richtig umgesetzt, trage diese Philosophie zudem nicht nur zur Patientensicherheit bei, sondern stärke auch das Vertrauen zwischen Mitarbeitenden und Führungskräften. «Ziel ist es, dass das Hierarchie-Denken nachlässt und Mitarbeitende, egal in welcher Position, sich getrauen, Fehler anzusprechen», fügt Heesen hinz.
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