Kantonsspital Aarau: Philip Funk bleibt – noch ein Jahr

Der Präsident des KSA kündigt eine Sparrunde über 30 Millionen Franken an.

, 6. Mai 2015, 15:04
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Die Debatte ums Kantonsspital Aarau dreht weiter. Am Dienstag forderte SVP-Fraktionschef Andreas Glarner die umgehende Absetzung des Verwaltungsratspräsidenten Philip Funk. Die gesamte Führung des Kantonsspitals sei «offensichtlich überfordert», so Glarner in seiner Interpellation an den Regierungsrat.
Inzwischen meldeten sich der Angeschossene und seine Chefin zu Wort. Gesundheitsdirektorin Susanne Hochuli (Grüne) sagte gegenüber der «Aargauer Zeitung», der Regierungsrat werde «die Interpellation fristgerecht beantworten». Ohnehin sei eine Neubesetzung des Verwaltungsratspräsidiums des Kantonsspitals Aarau vorgesehen – und zwar auf Ablauf der ordentlichen Amtsdauer von Philip Funk im Jahr 2016.

«Ich bin nicht der, der zurücktritt nach solch einem Jahr»

Es sei «immer klar gewesen», dass nach der Neubesetzung des CEO-Postens auch die «ohnehin anstehende Neubesetzung des VR-Präsidiums in Angriff genommen wird», sagte Hochuli. 
Auch Funk selber bemerkte, dass ein Wechsel 2016 mit dem Regierungsrat vorgespurt sei. In der Sendung «Talk Täglich» des Regionalsenders Tele M1 meinte der Verwaltungsratspräsident: «Ich bin nicht der, der zurücktritt nach solch einem Jahr.» Sondern er bleibe 2015 noch auf der Kommandobrücke.
Auslöser der Rücktrittsforderung war, dass das Kantonsspital Aarau im letzten Jahr einen Verlust von rund 30 Millionen Franken geschrieben hatte. In der «Talk Täglich»-Debatte kreuzten Funk und Glarner dazu direkt die Klingen (zur ganzen Sendung).
Der SVP-Politiker warf Funk erneut vor, den Präsidentenposten wegen seiner Ämterhäufung zu vernachlässigen und zuviel Geld für Randständiges wie Sponsoring oder eine Kunstbeauftragte auszugeben.

Die Kosten des Case Mix Index

Funk wiederum erklärte nun das – tatsächlich für viele überraschende – Defizit des Kantonsspitals: 

  • Zum einen habe man zusätzliche Rückstellungen getätigt, um die Unsicherheit der provisorischen Tarife zu spiegeln.
  • Zum anderen wirke sich der tiefere CMI (Case Mix Index) aus – das Kantonsspital hatte im Schnitt weniger schwere Fälle, was zu einer Ertragsminderung im Umfang von 20 Millionen geführt habe.

Der Cash-Flow sei aber selbst im letzten Jahr positiv gewesen. Auch habe die Führung schon Ende 2013 umzusteuern begonnen. Bereits 2014 habe das Kantonsspital Sanierungsmassnahmen im Umfang von 50 Millionen Franken beschlossen. Und nun folge eine weitere Sanierungsrunde für 30 Millionen Franken. 

Zuviel Personal aufgebaut?

«Ich kann ihnen garantieren, dass wir 2015 schon wieder ganz anders unterwegs sind», sagte Funk in der Debatte.
Andreas Glarner äusserte im Verlauf des Gesprächs auch den Vorwurf, dass das KSA in den letzten fünf Jahren rund 500 neue Stellen geschaffen hat (insgesamt beschäftigt das Haus rund 3'900 Personen). 
Die Antwort von Funk: Die Zahl laufe ziemlich genau parallel zur Entwicklung bei den stationären und ambulanten Patientenbehandlungen und sei insofern völlig gerechtfertigt.
Im Verlauf der Sendung verriet Funk auch sein Honorar als VR-Präsident des Kantonsspitals: Es belaufe sich je nach Anzahl Sitzungen zwischen 70'000 und 80'000 Franken pro Jahr

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