Italien führt Impfpflicht für Kinder ein

Alle Krippen- und Schulkinder müssen gleich gegen 12 Krankheiten geimpft sein. Die Regierung verkündete das Gesetz gleich mit einem Seitenhieb auf die Impfgegner. Der Zwang weckte sogleich Proteste.

, 22. Mai 2017, 10:00
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Das Für und Wider von Impfungen ist ein heiss diskutiertes Thema. Ins Spiel kommt dabei auch immer wieder die Impfpflicht. Unser Nachbarland Italien macht diesbezüglich jetzt vorwärts. 
Die italienische Regierung prescht in Europa nämlich mit einem Gesetz über Pflichtimpfungen vor, wie Ministerpräsident Paolo Gentiloni verkündete. Dies berichteten italienische Medien (etwa hierhier oder hier).

Keine Impfung – keine Schule

Konkret gilt der Impfzwang für Mädchen und Buben im Alter bis zu sechs Jahren. Nicht geimpfte Kinder werden künftig nicht in Krippen, Kindergärten oder Vorschulklassen aufgenommen. Hinzu sollen hohe Bussgelder für die Eltern kommen. 
Der Beschluss wurde durch die seit Jahresbeginn grassierende Masernepidemie befördert. Allein bis Mitte Mai wurden in Italien knapp 2’400 Fälle registriert – fast 90 Prozent davon waren nicht immunisiert. Zum Vergleich: Letztes Jahr waren es im gesamten Jahr noch 860 Fälle gewesen. 

«Antiwissenschaftlichen Theorien entgegenwirken»

Die Impfpflicht gilt ab dem kommenden Schuljahr. Der Impfplan soll schrittweise eingeführt werden, kündigte Gentiloni weiter an. Auch Gesundheitsministerin Beatrice Lorenzin hatte sich seit Wochen für das Vorhaben stark gemacht.
Ministerpräsident Paolo Gentiloni sagte zudem, man müsse der Verbreitung «antiwissenschaftlicher Theorien» entgegenwirken. Diese habe zu einer zunehmenden Zahl von Impfverweigerungen geführt. 

«Geschenk für die Pharmabranche» 

Die Zahl der Impfgegner ist auch in Italien stark gestiegen. Die Wirksamkeit von Impfungen wäre nicht bewiesen, Schäden würden gezielt verschwiegen, behaupten diese. 
Widerstand gibt es laut Medienberichten offenbar auch aus dem Erziehungsministerium. Vor allem aber protestiert diel linkspopulistische Bewegung Cinque Stelle: Sie sieht im Gesetz ein «Geschenk für die Pharmaindustrie».

Gegner rufen jetzt zu Kundgebung auf

Die Zwangsimpfungen für Kinder sorgen nun landesweit für Proteste. Umstritten sei vor allem, dass Eltern nicht geimpfter Kinder beim Jugendamt gemeldet werden – und auch das Fürsorgerecht verlieren können.
Anti-Impfungsverbände riefen nun zu einer nationalen Protestkundgebung am 8. Juli in der Stadt Pesaro auf. Sie bestreiten eine Masernepidemie in Italien, die die Einführung einer Impfpflicht rechtfertige.

Die Impfpflicht gilt für insgesamt zwölf Krankheiten:

  • Polio
  • Diphtherie
  • Tetanus
  • Hepatitis B
  • Hämophilus influenzae B
  • Meningitis B
  • Meningitis C
  • Masern
  • Mumps
  • Röteln
  • Keuchhusten
  • Windpocken
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