Gesundheitsberufe sind hochgradig ungesund

Langfristig spielt man im Gesundheitswesen oft genauso mit dem Feuer wie als Soldat, Förster oder Feuerwehrmann. Denn mehrere Jobs der Branche gehören zu den ungesundesten überhaupt. Die Liste.

, 6. November 2015 um 10:00
image
  • arbeitswelt
  • gesundheitskosten
Dass der Jetlag-Stress in einer Notfallstation oder die Belastungen eines Radiologie-Instituts nicht unbedingt gesund ist – das erstaunt ja nicht weiter.
Doch dass es viele Gesundheitsberufe in Sachen Risiko durchaus mit vermeintlichen High-Risk-Professionen wie Soldat, Feuerwehrmann oder Förster aufnehmen können: Dies wird wohl weniger erwartet.
Eine Auswertung der gesundheitlichen Belastungen von insgesamt 694 Berufen lässt nun aber die health professions in einem trüberen Licht erscheinen. Man stirbt dort zwar nicht unbedingt häufiger am Arbeitsplatz – aber man betreibt überdurchschnittlich oft Raubbau am eigenen Körper.
Wie wurde das erhoben? Es geht um eine grosse Auswertung von Daten in den USA. Aus Zahlenbergen des Arbeitsministeriums (U.S. Department of Labor) filterte die Wirtschaftsplattform «Business Insider» sechs wichtige Gesundheitsrisiken heraus: Wie sehr ist jemand Gift und Schadstoffen ausgesetzt? Wie sehr Infektionsgefahren? Riskanten Umständen? Wie stark wird jemand mit Strahlung belastet? Wie gross ist die Gefahr von kleineren Verbrennungen, Bissen, Schnitten etc.? Wie lange sitzt jemand? 

«The 27 jobs that are most damaging to your health», in: «Business Insider», November 2015

Jeder dieser Faktoren wiederum ist in einer Kategorie zwischen 1 und 100 eingestuft – bei insgesamt 974 verschiedenen Berufen. Und siehe da: unter den 27 «most unhealthy jobs» zählen 11 zum Gesundheitswesen.
Und vor allem: In der Spitzengruppe der stark belasteten Berufe ist die Branche überaus stark vertreten.
Ein Aspekt spielt hier besonders hinein: Die Infektions- und Ansteckungsgefahren sind im Gesundheitswesen überaus hoch – was die durchschnittlichen Werte natürlich nach oben treibt. Bei vielen Tätigkeiten kommt ferner eine erhöhte Strahlenbelastung hinzu. Und nicht zu vergessen: Es sind oft auch Jobs, bei denen man viel und lange sitzt. Was wiederum eine gewisse Gesundheitsbelastung bietet.
Die ungesündesten Berufe aus dem Gesundheits-Bereich wären danach:

Radiologe (Rang 24 insgesamt)


  • Durchschnittswert: 52,2 Punkte (von maximal 100).
  • Die wichtigsten Risiken: Strahlenbelastung (87 Punkte), Infektionsgefahren (85 Punkte), häufiges und langes Sitzen (74 Punkte).

Spezialist für Nuklearmedizin (Rang 23)


  • Durchschnittswert: 53 Punkte.
  • Die Hauptrisiken: Strahlenbelastung (100 Punkte), Infektionsgefahren (83 Punkte), Schadstoffe (44 Punkte).

Intensiv-Pflegefachleute (Rang 21)


  • Durchschnittswert: 53,5 Punkte.
  • Die Hauptrisiken: Infektionsgefahren (99 Punkte), Schadstoffe (65 Punkte), Strahlenbelastung (61 Punkte).

Notfall-Sanitäter (Rang 17)


  • Durchschnittswert: 54 Punkte.
  • Die Hauptrisiken: Infektionsgefahren (89 Punkte), Schadstoffe (73 Punkte), Risiko kleinerer Schnitte, Bisse, Verbrennungen (53 Punkte).

Medizingerätewart (Rang 12)


  • Durchschnittswert: 55,7 Punkte.
  • Die Hauptrisiken: Schadstoffe (94 Punkte), Infektionen (92 Punkte), Gefahrensituationen allgemein (64 Punkte)

Ops-Pfleger und -Schwestern (Rang 10)


  • Durchschnittswert: 57,3 Punkte.
  • Die Hauptrisiken: Infektionsgefahren (88 Punkte), Schadstoffe (80 Punkte), Gefahrensituationen allgemein (69 Punkte)

Histologie-Analytiker (Rang 7)


  • Durchschnittswert: 59 Punkte.
  • Die Hauptrisiken: Gefahrensituationen allgemein (88 Punkte), Schadstoffe (76 Punkte), Infektionen (75 Punkte).

Podologen (Rang 5)


  • Durchschnittswert: 60,2 Punkte.
  • Die Hauptrisiken: Infektionen (87 Punkte) , Strahlenbelastung (69 Punkte), Schadstoffe (67 Punkte).

Veterinäre (und auch veterinärmedizinisches Personal) — (Rang 4)


  • Durchschnittswert: 60,3 Punkte.
  • Die Hauptrisiken: Ansteckungsgefahren (81 Punkte), Risiko kleinerer Verbrennungen, Schnitte, Bisse etc. (75 Punkte), Schadstoffbelastung (74 Punkte)

Anästhesisten (und auch Anästhesie-Personal) — (Rang 3)


  • Durchschnittswert: 62,3 Punkte.
  • Die Hauptrisiken: Infektionen (94 Punkte), Schadstoff-Belastung (80 Punkte), Strahlenbelastung (74 Punkte).

Zahnärzte (und auch Zahnarzt-Assistentinnen und Dentalhygienikerinnen) — (Rang 1)


  • Durchschnittswert: 65,4 Punkte.
  • Die Hauptrisiken: Schadstoffe (84 Punkte), Infektionen (75 Punkte), häufiges und langes Sitzen (67 Punkte).

Weitere eher gesundheitsbelastende Berufe: Flight Attendants (Rang 2), Zoll- und Grenzbeamte (Rang 6), Kläranlagen-Angestellte (Rang 8), Elektro- und Wärmeanlagen-Ingenieure (Rang 9), Kranführer (Rang 11), Airline-Piloten (Rang 12).
Erstaunen die Ergebnisse? Nur teilweise. Die prominenten Rolle der Gesundheitsberufe in den Risiko-Sektoren der Arbeitswelt wird auch von anderen Daten gestützt. Zum Beispiel ist das Risiko, mit Hepatitis C angesteckt zu werden, bei Angestellten des Gesundheitswesens signifikant höher.
Und zu Beginn des Jahres wies eine Erhebung in den USA nach, dass das Pflegepersonal bei der Berufsausübung eher Skelettverletzungen – insbesondere Rückenschäden – erleidet als zum Beispiel Polizisten und Bauarbeiter. 
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Gendern in Job-Anzeigen spaltet Meinungen

Eine Umfrage zeigt Uneinigkeit über geschlechtsneutrale Formulierungen in Stellenanzeigen. Ein Ergebnis ist besonders bemerkenswert.

image

Demenz: Erste schweizweite Online-Plattform

Die Organisation Alzheimer Schweiz informiert Betroffene und Fachpersonen neu mit einer zentralen Anlaufstelle über demenzspezifische Angebote.

image

Optimierte Prozesse, zufriedene Mitarbeitende

Das Universitäre Zentrum für Zahnmedizin Basel hat ein für zahnmedizinische Kliniken neues Kapazitätsmanagementsystem eingeführt und konnte damit bereits im ersten Jahr Erfolge erzielen. Die Sachkosten wurden um 0.6 Prozent reduziert und die Patientenzahlen um 3 Prozent erhöht.

image

Maskenverweigerung: Psychologin zu Recht fristlos entlassen

Das Bundesgericht bestätigt die sofortige Kündigung einer Betriebspsychologin der Stadt Zürich. Mit ihrer Masken-Verweigerungshaltung habe sie ihre Pflichten verletzt.

image

Psychische Erkrankung eines Rettungssanitäters als berufsbedingt angesehen

Eine posttraumatische Belastungsstörung kann grundsätzlich als Berufskrankheit anerkannt werden. Dies hat das Bundessozialgericht in Deutschland entschieden.

image

Höhere Prämien für Grenzgänger entlasten Kantone

Der Bundesrat will die im Ausland Versicherten in den Risikoausgleich einbeziehen. Dies hat Auswirkungen auf die Krankenkassenprämien.

Vom gleichen Autor

image

Kantone haben die Hausaufgaben gemacht - aber es fehlt an der Finanzierung

Palliative Care löst nicht alle Probleme im Gesundheitswesen: … Palliative Care kann jedoch ein Hebel sein.

image

Brust-Zentrum Zürich geht an belgische Investment-Holding

Kennen Sie Affidea? Der Healthcare-Konzern expandiert rasant. Jetzt auch in der Deutschschweiz. Mit 320 Zentren in 15 Ländern beschäftigt er über 7000 Ärzte.

image

Wer will bei den Helios-Kliniken einsteigen?

Der deutsche Healthcare-Konzern Fresenius sucht offenbar Interessenten für den Privatspital-Riesen Helios.