Geld zieht offenbar Ärzte an

Wo gibt es viele Arztpraxen? Dort, wo auch viele Privatpatienten wohnen.

, 23. Juli 2015, 13:31
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Privatpatienten ziehen überdurchschnittlich viele Arztpraxen an: Zu dieser Erkenntnis verleitet eine Reihe von interaktiven Karten, die sich hier durchforsten lassen. Sie stammen aus Deutschland, wurden erarbeitet von einem Team von «Zeit Online» und zeigen, wie sich die Praxen von Haus- und Fachärzten über das Land verteilen. 
Man sieht dabei eine scharfe Grenze: Auf der einen Seite die Regionen, in denen Menschen leben, die viel Geld verdienen oder sich als Beamte privat versichern können. Auf der anderen Seite sind die Gegenden mit ärmeren Menschen. 
Die einen Gegenden haben viele Ärzte – in den anderen werden die Mediziner zur Mangelware.

Auswahlkriterium Privatpatient

Die Zahl der Privatversicherten scheint also ein Kriterium für die Ärzte zu sein, wo sie ihre Praxis eröffnen. Die «Zeit»-Autoren fanden das Phänomen in Städten wie auf dem Land.
Die Daten aus Hamburg ergänzen sich mit einer neuen Bestandesaufnahme des Wissenschaftlichen Instituts der Ortskrankenkassen: Diese brachte letzte Woche ans Licht, dass in Deutschland – entgegen einer verbreiteten Meinung – nicht etwa eine Ärzteknappheit droht, sondern dass es im Gegenteil etwa 34'000 Mediziner zu viel gibt. Das Problem, so der Befund, liege einfach in der Verteilung.
Die Auswertungen von «Zeit Online» betrachtete auch die Standorte aller Facharztgruppen und Psychotherapeuten. Und dabei wurde das Bild noch deutlicher: Spezialisten, so das Ergebnis, suchen besonders intensiv die Nähe zu Privatpatienten (während Hausärzte noch einigermassen häufig aufs Land ziehen.

  • Zeit Online: «Geld zieht Ärzte an», Juli 2015

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