EPD-Einführung: «Eine konkrete Prognose ist nicht möglich»

Immer noch kein konkreter Starttermin für das elektronische Patientendossier. Die Verantwortlichen von Bund und Kantonen wirken ungeduldig.

, 12. November 2020 um 16:01
image
  • spital
  • praxis
  • elektronisches patientendossier
Das elektronische Patientendossier (EPD) sollte in der Schweiz längst Realität sein. Als Einführungstermin war ursprünglich der 15. April 2020 vorgesehen, zu diesem Zeitpunkt hätten die Spitäler an das EPD angeschlossen sein müssen. Mittlerweile wurde der Start aber zum zweiten Mal verschoben und erst für 2021 in Aussicht gestellt.
Die Betriebsgesellschaft Axsana schlug im Juli Alarm: «Nun stehen nicht nur einzelne Umsetzungsprojekte auf dem Spiel, sondern das EPD-Schweiz als Ganzes hat den Umkipp-Punkt erreicht». Es sei unmöglich, einen verbindlichen Zeitplan anzugeben, hiess es damals. Axsana betriebt eine der Stammgemeinschaften, die im dezentralen Projekt regional die EPD anbieten. Diesen sollen sich die Spitäler anschliessen.
Nun teilt eHealth Suisse, die zuständige Koordinationsstelle von Bund und Kantonen, mit, dass sich die Lage bloss wenig verändert habe. Erste Stammgemeinschaften hätten ihre Arbeiten weitgehend abgeschlossen und würden die Einführung mit einigen Spitälern vorbereiten.

Dreieckskonstellation bringt Probleme mit sich

Probleme bereiten vor allem noch die Zertifizierungen. Die Stammgemeinschaften müssten sich von Zertifizierungsstellen überprüfen lassen. Das sind derzeit KPMG und SQS, die selbst akkreditiert sein müssen, um ein EPD-Zertifikat ausstellen zu dürfen. Die Stelle, die dies wiederum machen müsste, ist die Schweizerische Akkreditierungsstelle (SAS). Hier stockt der Prozess.
Da klingt die Forderung des Programmausschuss von Bund und Kantonen etwas hilflos und zugleich ungeduldig: Er habe zur Kenntnis genommen, dass es zu Verzögerungen komme, erwarte aber von den Stammgemeinschaften, den Zertifizierungsstellen und der SAS, dass die Verfahren rund um die Zertifizierung zügig abgeschlossen werden. Die Stammgemeinschaften sollen ab Anfang 2021 den Betrieb aufnehmen können, wünschte der Ausschuss.
«Es ist das erste Mal, dass diese EPD-Zertifizierungsverfahren durchgeführt werden», erklärt Adrian Schmid Leiter von eHealth Suisse auf Anfrage von inside-it.ch. Die Dreieckskonstellation bringt dabei einige Probleme mit sich: Derzeit hätten die ersten Projekte die Arbeiten an der Zertifizierung eigentlich abgeschlossen. Sobald die SAS die privaten Zertifizierungsstellen akkreditiert, könnten diese den von ihnen geprüften Stammgemeinschaften das EPD-Zertifikat herausgeben. Wie lange das aber noch dauere, könne er nicht sagen, so Schmid.
«Nach wie vor gibt es ungeklärte Fragen, deshalb kann noch keine Stammgemeinschaft einen konkreten Starttermin kommunizieren», heisst in einem neuen Dokument von eHealth Suisse. Die hohen Anforderungen an den Datenschutz und die Datensicherheit eines national vernetzten EPD würden den Prozess sehr aufwendig machen, wie die Erfahrung in diesem Jahr gezeigt habe. «Eine konkrete Prognose für den Abschluss der Arbeiten ist deshalb nicht möglich», lautet das Fazit der Koordinierungsstelle.

Bedenken in der Bevölkerung

Offenbar ist man aber dennoch überzeugt, dass Anfang 2021 die Einführung beginnen kann. Im neuen Papier «Massnahmen zur EPD-Befähigung der Bevölkerung» von eHealth Suisse heisst es zumindest, dass das EPD ab 2021 schrittweise eingeführt werde.
Im Dokument wird auch darauf hingewiesen, dass die Technologie eine notwendige, aber keine hinreichende Voraussetzung für die Verwendung des EPD sei. Denn ist die Umsetzung erst mal abgeschlossen, folgt die nächste Baustelle: Das EPD müsse «von der Bevölkerung akzeptiert und von möglichst vielen Menschen angewendet werden.» Dabei soll das Dokument mit den Massnahmen zur EPD-Befähigung helfen.
In einer Umfrage in der Schweizer Bevölkerung vom März 2020 gab die Mehrheit von fast 80 Prozent an, dass sie sich die Nutzung des EPD vorstellen könne. Allerdings äusserten auch viele Befragte Bedenken wegen des Datenschutzes und dem Datenaustausch.
  • Dieser Artikel ist zuerst auf der Medinside-Partnerseite «Inside IT» erschienen.
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

LUKS Gruppe: «Optimierung aller Arbeitsprozesse»

Das Jahresergebnis des Zentralschweizer Spitalkonzerns lag 2023 über dem Branchenschnitt.

image

Regionalspital Surselva: Schneearmer Winter

Das Spital in Ilanz betreute im letzten Jahr weniger stationäre und ambulante Patienten. Dies trug zum Verlust bei.

image

USB: Rechtsstreit abgewendet, 300 Millionen bewilligt

Über ein Millionen-Darlehen ans Unispital war ein Streit zwischen dem Kanton und den Basler Privatspitälern entflammt.

image

Das Spital Uster kehrt in die Gewinnzone zurück

Eine Fusion mit dem angeschlagenen Nachbarspital Wetzikon stehe nun nicht mehr zur Diskussion.

image

Neue Direktorin für das Spital Nidwalden

Ursina Pajarola ist ab Oktober die Direktorin des Spitals Nidwalden. Sie leitet derzeit noch eine Altersresidenz.

image

Deshalb bauten die Stararchitekten das neue Kispi

Seid ihr noch bei Trost, fragte sich ein SVP-Politiker beim Anblick des neuen Kinderspitals Zürich. Es gibt aber Gründe für den exklusiven Bau.

Vom gleichen Autor

image

Arzthaftung: Bundesgericht weist Millionenklage einer Patientin ab

Bei einer Patientin traten nach einer Darmspiegelung unerwartet schwere Komplikationen auf. Das Bundesgericht stellt nun klar: Die Ärztin aus dem Kanton Aargau kann sich auf die «hypothetische Einwilligung» der Patientin berufen.

image

Studie zeigt geringen Einfluss von Wettbewerb auf chirurgische Ergebnisse

Neue Studie aus den USA wirft Fragen auf: Wettbewerb allein garantiert keine besseren Operationsergebnisse.

image

Warum im Medizinstudium viel Empathie verloren geht

Während der Ausbildung nimmt das Einfühlungsvermögen von angehenden Ärztinnen und Ärzten tendenziell ab: Das besagt eine neue Studie.