Englische Zahnärzte brauchen mehr Antiobiotika

22 Prozent mehr Antibiotika gegen Zahnschmerzen haben die englischen Zahnärzte letztes Jahr verschrieben - vermutlich wegen der Praxis-Schliessungen.

, 17. November 2021, 08:55
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Eigentlich werden in England seit Jahren immer weniger Antibiotika verschrieben. Doch letztes Jahr stellte die britische Regierung einen plötzlichen Anstieg fest - und zwar bei den Dentalantibiotika, das heisst bei jenen Antibiotika, welche Zahnärzte ihren Patienten verschreiben.

Antibiotikum statt Behandlung

Um mehr als einen Fünftel nahmen die Rezepte zu. Die britische Gesundheitsbedhörde vermutet, dass die Covid-19-Beschränkungen der Grund für die Zunahme sei. Am meisten Antibiotika wurden nämlich von März bis Juni 2020 verschrieben, also während der ersten COVID-19-Welle. Damals mussten die Zahnarztpraxen schliessen.
Seither gebe es nur einen sehr langsamen Rückgang der Antibiotika-Verschreibungen, stellt der Weltverband der Zahnärzte (World Dental Federation FDI) besorgt fest. «Wir müssen Patientinnen und Patienten mit akuten Zahnschmerzen oder Infektionen behandeln und nicht medikamentieren», findet Wendy Thompson, Mitglied der Arbeitsgruppe für antimikrobielle Resistenzen (AMR) der FDI.

Briten finden keinen Zahnarzt

Antibiotika dürften nicht ein Ersatz für die zahnärztliche Notversorgung sein. Antibiotika werden normalerweise nur bei schweren Infektionen und als Begleitbehandlung verabreicht. Die alleinige Gabe von Antibiotika entspricht hingegen in den seltensten Fällen den Leitlinien.
Letztes Jahr war es jedoch für viele Briten schwierig, einen Zahnarzttermin zu bekommen. Deshalb wurden offenbar auch in Fällen Medikamente verschrieben, in denen eine zahnärztliche Behandlung die schnellere und sicherere Option gewesen wäre.

Noch immer ein Problem

Auch noch im Frühjahr 2021 gaben vier Fünftel der Befragten in England an, Schwierigkeiten mit einer zeitnahen Behandlung ihrer Zahnprobleme zu haben.
Die übermässige Verschreibung von Antibiotika ist ein Problem, weil sie die Entwicklung von antibiotikaresistenten Infektionen fördert. Laut Prognose der Weltgesundheitsbehörde WHO werden antimikrobielle Resistenzen bis 2050 die häufigste Todesursache sein.

In der Schweiz gibt es Empfehlungen

Ihsane Ben Yahya, der Präsident der FDI, will erreichen, dass die Länder auch die Zahnmedizin in ihre nationalen Aktionspläne gegen Antibiotikaresistenz aufnehmen und dass sie Leitlinien zum Einsatz von Dentalantibiotika aufstellen. 
In der Schweiz unterstützt die Schweizerische Zahnärzte-Gesellschaft SSO die nationale Strategie Antibiotikaresistenzen (StAR). Sie empfiehlt, ausser in speziellen Fällen auf Antibiotika zu verzichten. Generell gültige Richtlinien gibt es nicht. Die Zahnärzte müssen individuell entscheiden.
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