Ein Game gegen ADHS bald auf Rezept?

Ärzte verschreiben gegen ADHS wohl bald das Videospiel «Evo» statt Ritalin. Fiktion oder Realität? Jedenfalls setzen vier grosse Pharma-Konzerne Geld auf ein Spiel, das die FDA bald genehmigen könnte.

, 21. Juli 2016, 09:00
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Die Biotech-Firma Puretech Health und deren Tochterfirma Akili reichen ein Gesuch bei der US-Arzneimittelzulassungsbehörde (FDA) ein. Daran ist nichts Ungewöhnliches. Doch es handelt sich dabei nicht um ein Medikament, sondern um «ein anderes medizinisches Produkt»: ein Videospiel namens «Evo». 
«Evo» soll gegen Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) eingesetzt werden – als nicht-medikamentöse Behandlung. Sollte die FDA grünes Licht geben, wäre «Evo» damit das erste von der FDA zugelassene Video-Game. Derzeit laufen klinische Studien; Akili erwartet Ergebnisse Anfang 2017.
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«Geld reicht für Vermarktung»

Finanzielle Mittel hat der Video-Game-Hersteller offenbar mehr als genug. Alleine die letzte Finanzierungsrunde spülte ihm über 42 Millionen Dollar in die Kasse – eine der grössten jemals durchgeführten Investorenrunden auf dem Gebiet der digitalen Medizin. «Für die Vermarktung reicht dies aus», erklärt Mitgründer und Eddie Martucci der britischen Zeitung «The Telegraph».
Das grosse Interesse der Geldgeber bedeutet offenbar, dass sie der Firma Vertrauen schenken. Interessant dabei ist: Unter den Investoren sind auch die Pharmafirmen Merck, Amgen, Shire und Pfizer.

Weitere Projekte geplant

Der medizinische Videospiel-Hersteller Akili will künftig ähnliche Formen von nicht-medikamentösen Behandlungen testen, etwa gegen Krankheiten wie Alzheimer, Parkinson, Depression und Autismus.
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Neurowissenschaften und Gamification

Gegründet wurde der Game-Hersteller Akili aus Massachusetts unter anderem von Adam Gazzaley. Gazzaley ist Neurowissenschaftler und lehrt an der University of California in San Francisco. Bei «Evo» handelt es sich um eine Art Rennspiel, bei dem der Spieler durch verschiedene Welten rasen kann.
Der Spieler steuert eine Figur, die auf einem futuristischen Floss steht, das einen vereisten Fluss hinunterfährt. Es gilt, auf dem Fluss auftauchenden Hindernissen auszuweichen und gleichzeitig über dem Kopf der Spielfigur auftauchende Symbole anzutippen oder zu vermeiden.
Das Game basiert auf der Mechanik des von der Universität von Kalifornien entwickelten Spiels «Neuro Racer», das in früheren Studien nachweislich die Gedächtnis- und Konzentrationsfähigkeit älterer Menschen verbessert hat. An der Umsetzung von «Neuro Racer» und der Weiterentwicklung zu «Evo» arbeiteten unter anderem Entwickler der bekannten Firma Lucas Arts mit.
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