Drei Fragen an...die FMH-Präsidentin Yvonne Gilli

Yvonne Gilli möchte sich ihre ärztliche Freiheit nicht mit noch mehr Gesetzen einschränken lassen. Als FMH-Präsidentin könne sie Gegensteuer geben, hofft sie.

, 10. August 2022, 12:05
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Yvonne Gilli war grüne Nationalrätin, ist Gynäkologin und seit 2021 auch die Präsidentin der Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte (FMH). Im Interview erklärt sie, warum sie gerne Standespolitik macht und wie sie sich ihre berufliche Zukunft wünscht.

Was ist so attraktiv an der Ärzteverbindung FMH, dass Sie sich zu deren Präsidentin haben wählen lassen?

Immer mehr Gesetze - etwa das Medizinalberufegesetz oder das Krankenversicherungsgesetz - regulieren den ärztlichen Beruf und bestimmen deshalb wesentlich dessen Attraktivität. Die Konsequenzen von Fehlregulierungen sind für Ärztinnen und Ärzte im Berufsalltag oft erst mit deutlicher Verzögerung spürbar. Und wenn sie erfahrbar werden, sind die Gesetze längst in Kraft und nur schwer zu ändern. Hier spielt die FMH eine direkte Rolle und versucht mit allen Kräften, den Berufsstand attraktiv zu halten. Es braucht Freude an der Breite der Themen, an der Politik und an der Zusammenarbeit mit Akteuren, die ganz unterschiedliche Perspektiven einbringen. Das macht für mich die Attraktivität der Arbeit für die FMH aus.

Denken Sie manchmal, dass Sie lieber wieder grüne Nationalrätin wären oder mehr in Ihrer Gemeinschaftspraxis für Komplementärmedizin in Wil arbeiten würden?

Jede dieser Aufgaben, die ich in der Vergangenheit ausüben durfte, trug zum Erfahrungsschatz für die jetzige Tätigkeit bei. Die politische Erfahrung auf nationaler Ebene ist wichtig, um deren Mechanismen zu verstehen und rechtzeitig mitgestalten zu können. Die Erfahrung meiner langjährigen Praxistätigkeit als Hausärztin und in einer Führungsfunktion eines regionalen Ärztenetzes, in dem auch Spezialärztinnen und Spezialärzte vertreten sind, sorgen dafür, dass die FMH praxisrelevante und praxisnahe Entscheidungen fällt. Zu letzterem trägt auch das Milizsystem im Zentralvorstand bei, in dem wir unsere Zusammenarbeit über verschiedene Disziplinen kollegial gestalten. In diesem Sinn fühle ich mich am richtigen Platz.

Wenn Sie dereinst nicht mehr FMH-Präsidentin sind, würden Sie wieder als Ärztin arbeiten oder lieber noch etwas ganz anderes versuchen?

Dem ärztlichen Beruf bin ich sehr verbunden und werde sicher, solange es meine Gesundheit erlaubt, die ärztliche Tätigkeit mit grosser Freude ausüben. Wichtig bleibt aber, dass nicht noch mehr politische Überregulierung die ärztliche Freiheit einschränkt. Diesen Druck spüren viele Kolleginnen und Kollegen, und ich setze mich mit aller Kraft dafür ein, dass wir gemeinsam Gegensteuer geben können.

Drei Fragen an…

Medinside fragt nach bei Menschen aus dem Gesundheitswesen: Was ist faszinierend an Ihrem Beruf ? Was sind die Schattenseiten? Und wenn Sie nochmals entscheiden können: Würden Sie bleiben oder dem Gesundheitswesen den Rücken kehren?
Die «Drei Fragen an…» erscheinen in loser Folge. Bereits erschienen sind 
«Drei Fragen an... den Insel-Chef Uwe E. Jocham»«Drei Fragen an... die Velorennfahrerin Marlen Reusser»
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