Die Sanierung des Berner Frauenspitals kostet fast so viel wie einst der Neubau

Wieder geraten die Verantwortlichen des Berner Inselspitals in ein schiefes Licht. Diesmal geht es um die Frauenklinik. Die Sanierung wird dreimal teurer als von den Insel-Chefs in Aussicht gestellt.

, 29. Mai 2017, 22:06
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Vor zweieinhalb Jahren stellten die Verantwortlichen des Inselspitals für das Frauenspital an der Effingerstrasse in Bern ihre Sanierungspläne vor. 36 Millionen sollte das Ganze kosten. Weit gefehlt. 
Laut Berner Zeitung sollen sich die Sanierungskosten auf 100 Millionen Franken addieren, fast dreimal mehr als prognostiziert. Das Pikante dabei: Das sind nur 20 Millionen Franken weniger, als der Neubau vor 15 Jahren gekostet hatte. Kein Wunder, dass die Verantwortlichen sogar erwogen, die erst 15 Jahre alte Klinik abzubrechen. (Auf der Website der Berner Zeitung ist der Artikel nur gegen Bezahlung zu lesen.) Eine Sprecherin sagte zur Autorin, dass die Variante Abbruch nicht mehr weiter verfolgt werde.

Droht der Abbruch?

Die Zeitung «Der Bund» berichtet indessen, dass die  Insel-Gruppe die Option prüfe,  das Frauenspital in einem Neubau auf dem Insel-Areal unterzubringen. In diesem Fall könnte der erst 2002 eröffneten Frauenklinik der Abbruch drohen, wie Recherchen des «Bund» zeigten.
Die Frauenklinik war seit je eine Zangengeburt: Projektierungskredite wurden abgelehnt. Und nachdem die Bernerinnen und Berner 1993 einen 111-Millionen-Kredit bewilligt hatten, merkte der Bauinspektor, dass wegen der Höhe des Baus eine Änderung der Überbauungsordnung nötig wurde. Schliesslich liess man wegen der knappen Finanzen das oberste Stockwerk weg.

Die Regierungsrätin täuschte sich

2002 konnte die neue Frauenklinik endlich eingeweiht werden. Die damalige Baudirektorin Dori Schaer (SP) frohlockte, es sei etwas entstanden, das alle «sehr schnell lieben werden». Sie sollte sich täuschen. Ein Jahr später wurden am Neubau über 3600 Mängel festgestellt.
Doch nicht nur wegen der Baumängel ist das Frauenspital in der Bundesstadt nicht dazu prädestiniert, von der Bevölkerung geliebt zu werden. Laut Berner Zeitung fanden auch die Patientinnen kaum Gefallen am Bau mit der spektakulären Tragstruktur und den einbetonierten Stahlträgern. «An den Decken ist der rohe Beton sichtbar, Türen und Schränke sind aus Holzzementplatten gefertigt», steht in der BZ zu lesen. 

Grauer Beton statt klinisches Weiss

Die Architekten wollten damit «eine Stimmung schaffen, die im Gegensatz zum herkömmlichen klinischen Weiss steht. Die Frauen sollten nicht das Gefühl bekommen, ihr Kind in einer sterilen Spitalmaschine zu gebären.» Doch der Blick an eine Betondecke ist laut BZ auch nicht das, was sich die Patientinnen wünschten.

  • Bild: PD | Insel

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