Der «War for Talent» im Ops

Die Schweizer Spitäler sind dringend auf ausländische Fachkräfte im Operationsbereich angewiesen – auch mittelfristig. Dies belegen neue Zahlen. Können technisch affine Quereinsteiger da Entlastung bieten?

, 18. Mai 2015, 07:41
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Wieviel Personal fehlt im Operationsbereich? Der Spitalverband H+ und die Dachorganisation OdaSanté brachen den allgemeinen Fachkräftemangel im Gesundheitswesen jetzt auf ein spezifisches Gebiet herunter. In einer Umfrage bei Bildungsanbietern, Spitälern und Kliniken eruierten sie den kurz- und mittelfristigen Personalbedarf in den Operationssälen.
Kurz zusammengefasst lautet das Ergebnis: Die Nachfrage lässt sich kurz- und mittelfristig nicht mit Inländern decken. Die Spitäler sind auch künftig auf Fachpersonal aus dem Ausland angewiesen.

Akute Probleme in einem von fünf Spitälern 

Nicht nur, dass der Fachkräftemarkt im OP-Bereich ausgetrocknet und die Konkurrenz unter den Spitälern gross ist: Der demografische Effekt verschärft die Situation zusätzlich. 
Allerdings sind nicht alle Spitäler und Kliniken gleich betroffen. Tendenziell haben kleinere Betriebe ausserhalb der Agglomerationen mehr Mühe, ihren Personalbedarf im Operationsbereich zu decken. 
Insgesamt gaben rund 40 Prozent der Befragten an, Probleme bei der Rekrutierung von Fachkräften zu haben. Bei 20 Prozent sind die Rekrutierungsschwierigkeiten akut.
«Falls sich die Situation bei diesen Betrieben weiter verschärft, kann dies zur Folge haben, dass Operationen nicht mehr angeboten und durchgeführt werden können», schreiben H+ und OdaSanté.
Lücke von einem Drittel
Allerdings: Das Wachstum der angebotenen Stellen im OP-Bereich hat sich in den letzten Jahren leicht abgeflacht. Ein Fazit der Studienautoren ist denn auch, dass sich der Personalmangel mit den heutigen Bildungsbemühungen und den gängigen Berufsbildern zwar nicht beheben lasse – aber dass die Probleme zumindest gemildert werden könnten.
Doch selbst wenn die Zahl der Praktikumsplätze – wie geplant – um 40 Prozent steigen, bleibe man auf ausländisches Fachpersonal angewiesen, stellt H+-Direktor Bernhard Wegmüller fest: «Denn auch wenn das Bildungspotenzial voll ausgeschöpft wird, bleibt eine Lücke von rund einem Drittel, welche mit ausländischen Personen gefüllt werden muss.»

Gesucht: Technisch affine Quereinsteiger

Was tun? Odasanté-Geschäftsführer Urs Sieber sieht in der Rekrutierung von Quereinsteigerinnen und -einsteigern eine zusätzliche Möglichkeit, der Nachfrage nach Ops-Spezialisten zu begegnen. «Technisch affine Menschen finden in der Gesundheitsbranche zunehmend Möglichkeiten, ihrer Berufung nachzugehen».
Sieber verweist dabei auf Angebote, die sowohl auf Sekundarstufe II als auch auf Tertiärstufe angesiedelt sind. Dazu gehören die neue berufliche Grundbildung zum Medizinalprodukte-Technologen, die Höhere Fachprüfung zum Experten im Operationsbereich sowie die Ausbildung zum Fachmann Operationstechnik HF. 
Bei letzterer Ausbildung habe die Zahl der Abschlüsse von 2013 auf 2014 um gut 15 Prozent zugenommen, meldet die Gesundheits-Bildungs-Organisation Odasanté.
Die Umfrage
Für die gemeinsame Befragung von H+ und OdASanté wurden 150 Spitäler und Kliniken mit Operationstätigkeit befragt. Die Befragung fand zwischen Mitte Februar bis Ende März 2015 statt. Über 30 Prozent nahmen an der Umfrage teil; 49 Prozent dieser Spitäler und Kliniken waren privatrechtlich organisiert, rund 44 Prozent öffentlich-rechtlich und eigenständig. Der Rest entfällt auf andere Rechtsformen.
Die Umfrage wurde sowohl von Spitaldirektoren als auch von Personalverantwortlichen, OP-Leitungen und Berufsbildnerinnen und -bildnern beantwortet. Weiter wurden in den Empfängerkreis der Umfrage auch Finanz- und Controlling-Fachleute sowie Leitende Ärzte als auch Chefärzte miteinbezogen.
Mit der gleichen Methode werden nun schrittweise auch die anderen Berufsfelder im Gesundheitswesen untersucht, in denen ein Mangel vermutet wird.
Zur Mitteilung von H+ und Odasanté
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