Concordia ist auf das Bethanien nicht angewiesen

Die Privatklinik Bethanien hat den Vertrag mit der Concordia gekündigt. Der Krankenversicherer nimmts gelassen. Auch weil Zürich über eine hohe Dichte an Kliniken verfügt.

, 28. Juli 2021, 21:50
image
  • privatklinik bethanien
  • concordia
  • tarifstreit
  • spital
«Die Zürcher Privatklinik steigt aus einem laufenden Tarifvertrag aus, und das Nachsehen haben Patienten und Patientinnen.» Das erzählte die Konsumentensendung «Espresso» Mitte Juni. Der Titel lautete: «Klinik Bethanien vergrault Concordia-Versicherte.»
Das Problem ist bekannt: Bei Spitalzusatzversicherungen privat und halbprivat gibt’s zwischen Spitälern und Ärzten auf der einen und den Krankenzusatzversicherern auf der anderen Seite immer wieder Streit, der in einen vertragslosen Zustand mündet.

Das Bethanien kündigte den Vertrag

Die Medienverantwortliche der Klinik Bethanien erklärte Mitte Juni gegenüber dem Konsumentenmagazin: «Den mehrjährigen Vertrag mit Concordia haben wir gekündigt, da seitens Versicherer für 2021 vorgesehen war, Abrechnungen inklusive Belegarzthonorare abzugelten.» Spital- und Arztleistungen dürften nur noch in einer Rechnung aufgelistet werden. Diesem Anspruch habe die Privatklinik Bethanien nicht gerecht werden können.
Hat sich seither etwas getan? «Die Privatklinik Bethanien hat sich auch nach der Sendung Espresso nicht bei uns gemeldet», bestätigt Astrid Brändlin, die Leiterin Unternehmenskommunikation bei der Concordia. «Wir haben unsererseits aufgehört mit unseren ergebnislosen Kontaktversuchen.»

Personell im Umbruch

Das Swiss Medical Network, das die Klinik betreibe, sei aktuell personell im Umbruch. «Darum nehmen wir an, dass vielleicht im Herbst ein Kontakt zustande kommen wird», so Brändlin. 
Sicher im Umbruch ist bei Swiss Medical Network die Kommunikation. Sandra Neeracher Lauper hat bei der westschweizer Privatklinikgruppe  eben erst als Kommunikationschefin angefangen. Sie bestätigt auf Anfrage den vertragslosen Zustand mit der Concordia und sagt: «Über laufende Verhandlungen kann ich Ihnen leider keine Auskunft geben.»
Laut SMN wird verhandelt; laut Concordia besteht seit dem Espressobeitrag Funkstille. Was jetzt?

«Bethanien ist nicht teurer als andere»

Sandra Neeracher Lauper legt Wert auf die Feststellung, dass die Klinik Bethanien keine höheren Tarife als vergleichbare Kliniken verlange. «Der grosse Unterschied besteht darin, dass es sich bei der Klinik Bethanien um eine Vertragsklinik handelt.»
Bekanntlich müssen Zusatzversicherte bei Vertragsspitälern für die vollen Kosten aufkommen, derweil bei Listenspitälern ein Teil der Kosten durch die obligatorische Krankenpflegeversicherung (OKP) vergütet wird.

Kein Sockelbeitrag

Sandra Neeracher Lauper sagt es so: «Für eine Versicherung ist eine Behandlung in einem Vertragsspital also teurer, jedoch nicht, weil dort die Preise höher sind, sondern weil der Sockelbeitrag wegfällt.» Krankenversicherer wie Concordia hätten also ein Interesse, Listenspitäler zu bevorzugen.
Laut der neuen Kommunikationschefin beim Swiss Medical Network steht das im Widerspruch zum Sinn und Zweck einer Privatversicherung, die auf der freien Arzt- und Spitalwahl beruht und sämtliche Privatspitäler, also Vertrags- und Listenspitäler, umfassen sollte.

Vertragsspitäler im Nachteil

«Das Vorgehen von Concordia benachteiligt Vertragsspitäler und ist auch gegenüber den versicherten Patienten unfair, denn diese werden nicht proaktiv über diese Einschränkungen informiert», erklärt Sandra Neeracher Lauper.
Weiter erklärte die Kommunikationsfachfrau, die Klinik Bethanien sei sehr wohl in der Lage, die Arzthonorare systemtechnisch zu integrieren. Voraussetzung dafür sei aber ein fairer Vertrag und eine partnerschaftliche, transparente Zusammenarbeit mit dem Versicherer, die auch die Anliegen der Kliniken und Belegärzte mitberücksichtige.
So oder so: Für Concordia dürfte der vertragslose Zustand kein wirkliches Problem sein, wie Astrid Brändlin durchblicken lässt. «Zürich verfügt über eine hohe Dichte an Kliniken. Unseren Kundinnen und Kunden stehen alle anderen Kliniken zur Verfügung, insbesondere auch diejenigen der Hirslanden-Gruppe.»
Artikel teilen

Loading

Comment

Home Delivery
2 x pro Woche. Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Annette Ciurea verlässt das Spital Männdorf

Die Ärztin wechselt in die Geschäftsleitung von Age Medical. Dort soll sie mitunter Angebote rund um die Palliative Geriatrie weiterentwickeln.

image

Freiburg: Das ist der neue Leiter Innere Medizin

Julien Vaucher wird Leiter des Departements Innere Medizin und Fachbereiche am Freiburger Spital. Heute herrscht dort eine Leitung ad interim.

image

Badener Spital will bessere Luft in seinen Zimmern

Dazu werden am Kantonsspital Baden im Rahmen eines Pilotprojekts neuartige Filteranlagen getestet. Ziel ist es, das Infektionsrisiko zu reduzieren.

image

Auf der Oktoberfest-Wiesn steht sogar ein Computer-Tomograph

Das Münchner Oktoberfest 2022 bietet weltweit erstmalig auf einem Volksfest eine derartige medizinische Untersuchung an.

image

Inflation: Schweizer Spitäler fordern teuerungsangepasste Tarife

Höhere Energiekosten und höhere Kosten für Materialen des täglichen Bedarfs belasten die Rechnungen der Spitäler zusätzlich.

image

Uniklinik Balgrist und Spital Davos spannen zusammen

Geplant ist eine Kooperation in den Bereichen Sport- und Präventionsmedizin, Prähabilitation und Wirbelsäulenmedizin. Mitunter soll der Bereich Forschung gestärkt werden.

Vom gleichen Autor

image

Palliative Care - eine tickende Zeitbombe

Viele politische Vorstösse, viel Papier, beängstigende Perspektiven, keine konkreten Massnahmen. Die Rede ist von Palliative Care.

image

«Herr Flury, warum braucht es The Swiss Leading Hospitals?»

«Qualitätssicherung kommt vor Kommunikation», sagt der Psychiater Hanspeter Flury, der neue Präsident von Swiss Leading Hospitals.

image

Wann gehört Palliative Care ins Spital?

Ist es Aufgabe eines Spitals, totkranke Menschen aufzunehmen und in den Tod zu begleiten? Nur wenn spezielle Spitalbehandlungen nötig sind.