Corona-Viren bleiben drei Tage auf Kleidern infektiös

72 Stunden auf Polyester und 24 Stunden auf Baumwolle bleiben Corona-Viren infektiös. Problematisch sind Textilien aus dem Gesundheitswesen. Der FMH nimmt Stellung.

, 9. März 2021 um 17:00
image
  • studie
  • hygiene
  • coronavirus
  • spital
  • klinik
Vom Gesundheits- und Pflegewesen, über die Gastronomie bis hin zum Privatbereich – der Ausbruch von Sars-CoV-2 hat die Textilhygiene in vielen Bereichen in den den Fokus rücken lassen. Nun hat die Montfort University aus Leicester (England) im Auftrag von zahlreichen Textilverbänden, auch aus der Schweiz, die Überlebensfähigkeit des humanen Coronavirus OC43 (HCoV-OC43) untersucht. Zudem wurde das Waschverfahren für eine Inaktivierung des Virus geprüft, das eine ähnliche Gesamtstruktur wie Sars-CoV-2 aufweist. 

Viren auf Textilien übertragbar

Das Ergebnis: Der getestete Coronavirus-Stamm (HCoV-OC43) blieb mindestens 72 Stunden lang auf Polyestergewebe, 24 Stunden auf hundertprozentiger Baumwolle und sechs Stunden auf einem gemischten Polycotton (50/50) infektiös. Katie Laird, Leiterin der DMU-Studie sagt, dass sich das Virus sogar bis zu 72 Stunden lang von Polyestergewebe auf andere Oberflächen übertragen lässt. Gemäss Medienmitteilung des Verbands Textilhygiene Schweiz (VTS) stellen Textilien ein Übertragungsrisiko dar. 

Tot ab 40 Grad Celsius

Das Forscherteam fand weiter heraus, dass fast alle Waschvorgänge ab 40 Grad Celsius das Coronavirus effektiv beseitigen. Wichtig sind die Kombination von Bewegung, Temperatur und Waschmittel. Trotzdem warnt der VTS davor, potenziell infektiöse Textilien im häuslichen Umfeld zu waschen. 
Der Grund: «Im Haushalt wird die verschmutze Wäsche meist mehrfach in die Hand genommen», so Saner. Man verwende den gleichen Waschkorb für die schmutzige sowie saubere Wäsche und die Waschmaschine stehe möglicherweise im Badezimmer oder in der Küche. «Daraus ergeben sich viele Möglichkeiten zur Kreuzkontamination.»

FMH: «Textilien tragen zur Infektionsprophylaxe bei»

Besonders problematisch sind laut Saner  Textilien aus dem Gesundheits- und Pflegewesen. «Um eine Übertragung von Krankheitserregern auf Patienten oder die eigene Familie zu vermeiden, sollten diese nicht mit nach Hause genommen werden.» 
Welche Hygiene-Vorschriften gelten denn für Schweizer Ärzte – wird Spitalkleidung etwa zu Hause gewaschen? Der Berufsverband der Schweizer Ärztinnen und Ärzte FMH schreibt auf Anfrage von Medinside, dass jeder Arzt und jede Ärztin verantwortlich für die Umsetzung der Massnahmen am Arbeitsplatz sei. Praxisärztinnen und -ärzte seien für die Umsetzung der Hygiene in ihrer Arztpraxis verantwortlich, die Spitalleitungen für die Umsetzung in den Spitälern. 
«Der Einsatz und die Aufbereitung von Arbeits- und Schutzkleidung sind aus Sicht der Infektionsprävention ein wichtiges Thema, denn Textilien können wesentlich zur Infektionsprophylaxe beitragen», so der FMH. Sie seien deshalb Bestandteil der jeweiligen Hygienekonzepte in der Praxis wie auch im Spital. «Spitalkleidungen werden professionell und unter Berücksichtigung der Hygienevorschriften durch das Spital selbst oder ein professionelles zertifiziertes Reinigungsinstitut gewaschen.»

Corona und Textilien in den Betrieben

Die Corona-Pandemie hat die medizinischen Betriebe vor neue Herausforderungen gestellt. «Wie stark die hausinternen Vorschriften aufgrund von Covid verschärft wurden, variiert von Betrieb zu Betrieb und hängt vom Tätigkeitsbereich ab, sowie von den vor der Pandemie bereits vorliegenden Hygienekonzepten», schreibt der FMH weiter. Ein OP-Saal unterliege auch ausserhalb von Covid spezifischen Hygienevorschriften, die nicht vergleichbar seien mit denjenigen einer Sprechstunde in einer psychiatrischen Praxis. 
«Zudem werden in Gefahrensituationen zusätzliche entsorgbare Schutzan- oder -überzüge verwendet. Nicht durch Infektionserreger verschmutzte Arbeitskleidung darf zu Hause gewaschen werden. In der Regel ist das Kleidung, die nicht für die Arbeit direkt am Patienten getragen wird. Interessant: Systematisch kontrolliert werden die Hygienemassnahmen, die in der Verantwortung der Aufsichtsorgane der Kantone liegen, nicht. 

Hintergrund zur Studie

Die Forschung wird derzeit einem Peer-Review unterzogen und wird voraussichtlich in den nächsten Monaten in einem Open-Access-Journal veröffentlicht, damit jeder vollständig auf die Forschung zugreifen kann. Auftraggeber der Studie waren Textilpflegeverbände aus England, den Vereinigten Staaten, Schweiz, Belgien, Finnland, Norwegen und Deutschland. 
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

USB: Rechtsstreit abgewendet, 300 Millionen bewilligt

Über ein Millionen-Darlehen ans Unispital war ein Streit zwischen dem Kanton und den Basler Privatspitälern entflammt.

image

Das Spital Uster kehrt in die Gewinnzone zurück

Eine Fusion mit dem angeschlagenen Nachbarspital Wetzikon stehe nun nicht mehr zur Diskussion.

image

Neue Direktorin für das Spital Nidwalden

Ursina Pajarola ist ab Oktober die Direktorin des Spitals Nidwalden. Sie leitet derzeit noch eine Altersresidenz.

image

Deshalb bauten die Stararchitekten das neue Kispi

Seid ihr noch bei Trost, fragte sich ein SVP-Politiker beim Anblick des neuen Kinderspitals Zürich. Es gibt aber Gründe für den exklusiven Bau.

image

Sogar das Spital Schwyz schreibt nun rote Zahlen

Es ist das erste Mal seit acht Jahren: Das bisher rentable Spital Schwyz hat 2023 Verlust gemacht.

image

Spital Wetzikon: Petition für «euses Spital»

Im Zürcher Oberland engagieren sich viele für ihr Spital Wetzikon. Innert 24 Stunden kamen über 15'000 Unterschriften zusammen.

Vom gleichen Autor

image

Kinderspital verschärft seinen Ton in Sachen Rad-WM

Das Kinderspital ist grundsätzlich verhandlungsbereit. Gibt es keine Änderungen will der Stiftungsratspräsident den Rekurs weiterziehen. Damit droht der Rad-WM das Aus.

image

Das WEF rechnet mit Umwälzungen in einem Viertel aller Jobs

Innerhalb von fünf Jahren sollen 69 Millionen neue Jobs in den Bereichen Gesundheit, Medien oder Bildung entstehen – aber 83 Millionen sollen verschwinden.

image

Das Kantonsspital Obwalden soll eine Tochter der Luks Gruppe werden

Das Kantonsspital Obwalden und die Luks Gruppe streben einen Spitalverbund an. Mit einer Absichtserklärung wurden die Rahmenbedingungen für eine künftige Verbundlösung geschaffen.