Hirslanden und Stadtspitäler: Claudia Nielsen ist gesprächsbereit

Triemli und Waidspital als Hirslanden-Kliniken: Eine Kooperation ist für die zuständige Stadträtin Claudia Nielsen sehr wohl denkbar – unter einer Voraussetzung.

, 28. März 2017, 08:37
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In einem Brief an die Stadtzürcher Gesundheitsvorsteherin Claudia Nielsen schreibt Hirslanden-CEO Ole Wiesinger: Hirslanden könne die beiden Zürcher Stadtspitäler Triemli und Weid kostengünstiger führen als die Stadt. Er schlägt deshalb vor, das Management der Spitäler zu übernehmen. 
Nun äussert sich Claudia Nielsen zum Angebot: «Kooperationsprojekte sind sehr wohl denkbar, wenn es sich für beide Seiten lohnt», sagt sie jetzt zu SRF-Regionaljournal. Sie sei nicht abgeneigt, Gespräche zu führen. «Gespräche sind immer gut, das habe ich auch schon lange auf meiner Liste», so Nielsen. 

«Wie will Hirslanden das machen?»

Doch das ganze Management durch eine Privatklinik, das braucht ihr zufolge noch sehr viel. «Ich frage mich sehr stark, wie Hirslanden das machen will unter denselben Rahmenbedingungen.» Die Gesundheits-Vorsteherin verweist dabei auf Schulden, hochdefizitäre Behandlungen oder das fortschrittliche Personalrecht. 
Claudia Nielsen glaubt auch nicht, dass Wiesingers Idee politisch mehrheitsfähig wäre. «Bei einem Spital geht es nicht nur um Effizienz und Gewinn». In erster Linie gehe es um die Patienten und deren Behandlung, sagt Nielsen weiter. 

Rentabilität oder Behandlung für alle?

Trotzdem sei es wichtig, dass sich die Politik über Effizienz unterhalte. Im Zentrum stehen Fragen wie: Was wollen wir von einem Stadtspital? Rentabilität oder Behandlung für alle – unabhängig von der Versicherung oder vom sozio-ökonomischen Status?
Im vergangenen Jahr musste der städtische Haushalt ein Defizit der beiden Spitäler von 36 Millionen Franken ausgleichen. Für Ole Wiesinger ist klar: Mit seinem Modell liesse sich «gewaltige Steuermittel» einsparen. 

Tendenz zu «Public-Private-Partnerships»

Wie ernst das Angebot momentan gemeint ist, bleibt dahingestellt. Wiesingers Vorschlag könnte vor allem ein politischer Wink sein, nachdem die Zürcher Hirslanden-Klinik wegen ihres hohen Anteils an Zusatzversicherten unter Druck geraten war: der Vorschlag als Reminder, dass die Klinikgruppe diverse Häuser führt und auch führen kann – selbst mit starkem Grundversorgungs-Anteil.
Die beiden Privatklinikgruppen Hirslanden und Swiss Medical Network (Aevis Victoria) wurden bereits diverse Male aktiv in diese Richtung. Im Hintergrund steht eine grundsätzliche Tendenz zu «Public-Private-Partnerships» einerseits – und andererseits zu einer Aufspaltung der traditionellen, örtlich definierten Spitalstrukturen.

Deutschland als Vorbild 

So ist zum Beispiel die Privatklinikgruppe Hirslanden eine Zusammenarbeit zum Bau und Betrieb der Radiotherapie Hirslanden Männedorf eingegangen. Geführt wird die Radiotherapie von Fachpersonal und Ärzten der Klinik Hirslanden.
Wiesingers Idee folgt zudem dem Beispiel in Deutschland. Dort werden immer mehr Spitäler durch Private geführt oder sind ganz im Besitz von privaten Spitalgruppen. Für ihn spricht nichts dagegen, dass nicht auch ein öffentliches Spital in der Schweiz von der betrieblichen Einbindung in eine nationale und erst recht in eine internationale Privatklinik-Gruppe profitieren könnte. 

Hören Sie hier das ganze Interview mit Claudia Nielsen zur Management-Idee der Hirslanden-Gruppe 


(Dauer 04:03)
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