Schwerhörigkeit: Berner Forschern gelingt Erfolg

Wissenschaftlern der Universität und des Inselspitals Bern ist es erstmals gelungen, menschliche Innenohr-Zellen im Labor zu erzeugen. Dies werde es in Zukunft ermöglichen, neue Behandlungsmethoden für Hörbeeinträchtigung zu erforschen.

, 3. Oktober 2018, 05:00
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Eine Gruppe von Berner Forschenden hat einen grossen Schritt in Richtung Ursachentherapie von Schwerhörigkeit gemacht: Erstmals gelang es den Akademikern, die Entwicklung von menschlichen «Haarzellen» im Labor (in-vitro) nachzuahmen. Dies teilte die Universität Bern mit. 
«Haarzellen» sind im Innenohr für die Geräuschrezeption zuständig. Mit dem Forschungserfolg wird es den Wissenschaftlern zufolge in Zukunft möglich sein, neue Behandlungsmethoden für Hörbeeinträchtigung direkt an menschlichen Zellen zu erproben. 
Am Projekt beteiligt waren Wissenschaftler der Universität Bern (DBMR), der Uniklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten (HNO), Kopf- und Halschirurgie des Berner Inselspitals sowie weitere Beteiligte der internationalen Forschungsgruppe «Otostem»Die Resultate wurden nun im Fachmagazin «Nature Communications» publiziert. 
Roccio, M., Perny, M., Ealy, M., Widmer, H. R., Heller, S., Senn, P., «Molecular characterization and prospective isolation of human fetal cochlear hair cell progenitors», in: «Nature Communications» Oktober 2018.

Hörzellen wachsen nicht nach

Die Ergebnisse stellen laut Mitautor Pascal Senn eine einzigartige Vorlage für zukünftige Forschungsprojekte auf dem Gebiet dar. Damit können neue Strategien zur Bekämpfung von neurosensorischem Hörverlust entwickelt werden. 
Man habe nun einen «Bauplan» für die Erzeugung von Cochlea-Haarzellen aus anderen, häufigeren Zellquellen, wie beispielsweise pluripotenten Stammzellen, so Senn weiter. Dies werde den Weg für Tests ebnen, die auf patienteneigenen Zelltypen basieren und eine individuellere Behandlung ermöglichen.
Menschen werden mit rund 15'000 Haarzellen und 30'000 sogenannten Spiralganglienzellen geboren, von da an nimmt ihre Zahl nur noch ab. Laute Geräusche, Infektionen, Alterungsprozesse oder auch die Belastung durch Giftstoffe wie etwa verschiedene Antibiotika setzen den Sinneszellen fortan zu. Da die Zellen bisher nicht ersetzt werden können, führt ihr Verlust zu einer dauerhaften Hörschädigung.

Schwerhörigkeit zu den grössten Krankheitslasten in Europa

Rund fünf Prozent der Weltbevölkerung leidet an Schwerhörigkeit. Der Hörverlust bei Erwachsenen zählt zu den fünf grössten Krankheitslasten in Europa und verursacht enorme sozioökonomische Kosten. Die Hörfähigkeit kann zwar mit Hörgeräten oder Implantaten verbessert werden, eine wirksame Ursachenbehandlung bei Hörbeeinträchtigungen gibt es aber bis heute nicht.
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