Bern: Politik will bei Chirurgen genauer hinschauen

Im Kanton Bern operieren Orthopäden mehr als andernorts. Die Ärztin und Politikerin Franziska Schöni-Affolter will das nun untersuchen lassen.

, 15. September 2016 um 08:19
image
In keinem anderen grösseren Kanton werden prozentual so viele Hüftgelenke ersetzt wie in Bern: Pro tausend Einwohner waren es 2014 rund 30 Prozent mehr als im Kanton Zürich.
Wieso, ist unklar. «Es gibt Erklärungsbedarf», sagt Georg von Below der Zeitung «Der Bund». Von Below ist Abteilungsleiter Planung und Versorgung bei der Gesundheitsdirektion. Es gebe lediglich Thesen dafür.

Streitpunkt: Indikationsqualität

Die Unwissenheit des Kantons nervt Grossrätin Franziska Schöni-Affolter von der GLP, wie die Zeitung weiter berichtet. Die 57-jährige Ärztin und Co-Sektionsleiterin Prävention & Promotion in der Abteilung infektiöse Krankheiten beim BAG hat jetzt eine Motion eingereicht.
Darin fordert sie nicht nur eine Publikation von aktuelleren Spitaldaten, sondern auch eine Verbesserung der sogenannten Indikationsqualität.

«Basler Modell» für Bern

Doch um die Indikationsqualität zu prüfen, braucht es Daten. Ein Modell aus Basel soll nun auch in Bern Schule machen. Denn der Kanton Basel-Stadt wird 2017 zusammen mit der Universität Bern eine breit abgestützte Studie starten.
Gemäss von Below soll eine analoge Studie in Bern in den kommenden Jahren durchgeführt werden. Eine Delegation der bernischen Gesundheitsdirektion weilte bereits in Basel. «Schöni-Affolter rennt offene Türen ein», sagt die Berner Spitalamtschefin Annamaria Müller dem «Bund».

Spitäler von der Liste streichen

«Wenn wir feststellen, dass mancherorts mehr Eingriffe durchgeführt werden als nötig, werden wir künftig auch die Streichung von Spitälern von der Spitalliste prüfen», so von Below weiter. Denn solche Eingriffe kosteten nicht nur, sie stellten auch für die betroffenen Patienten ein unnötiges Gesundheitsrisiko dar.
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Corona kostete den Bund 29 Milliarden

Die Kosten der Corona-Pandemie seien so einmalig gewesen, dass sie keine Vorlage für künftige Krisen seien. Das stellt der Bundesrat fest.

image

Alzheimer Schweiz: SP-Urgestein wird Präsident

Der ehemalige Bieler Stadtpräsident Hans Stöckli übernimmt die Spitze der Organisation.

image

Monsieur Prix mag das Réseau de l’Arc

Preisüberwacher Stefan Meierhans schlägt vor, dass die Politik viel stärker auf grosse Gesundheitsnetze mit festen Budgets setzt.

image

Keine Zulassungserleichterung für Orphan Drugs

Eine schnellere Zulassung für Arzneimittel bei seltenen Krankheiten hätte laut dem Bundesrat hohe Kostenfolgen.

image

Kinder- und Jugendpsychiatrie: Nun soll's der Bundesrat richten

Der Nationalrat verlangt, dass der Bundesrat in die Kompetenz der Kantone und der Tarifpartner eingreift.

image

Forschung muss Frauen und Alte mehr berücksichtigen

Der Bund regelt die Forschung an Menschen stärker. Künftig sollen mehr Frauen und Alte teilnehmen.

Vom gleichen Autor

image

Arzthaftung: Bundesgericht weist Millionenklage einer Patientin ab

Bei einer Patientin traten nach einer Darmspiegelung unerwartet schwere Komplikationen auf. Das Bundesgericht stellt nun klar: Die Ärztin aus dem Kanton Aargau kann sich auf die «hypothetische Einwilligung» der Patientin berufen.

image

Studie zeigt geringen Einfluss von Wettbewerb auf chirurgische Ergebnisse

Neue Studie aus den USA wirft Fragen auf: Wettbewerb allein garantiert keine besseren Operationsergebnisse.

image

Warum im Medizinstudium viel Empathie verloren geht

Während der Ausbildung nimmt das Einfühlungsvermögen von angehenden Ärztinnen und Ärzten tendenziell ab: Das besagt eine neue Studie.