Ärzte wegen Kickbackzahlungen in der Kritik

Verträge zwischen Genfer Ärzten und Labors sorgen für Mehrkosten.

, 11. Februar 2019 um 07:45
image
  • praxis
  • labor
  • genf
  • santésuisse
Nirgends fallen pro Versicherten derart hohe Laborgebühren an wie im Kanon Genf. Diese fallen um rund 70 Prozent höher aus als im Kanton mit den zweithöchsten Laborkosten - und rund sechs mal so hoch wie im günstigsten Kanton. Dafür mag es mehrere Gründe geben. Wie die «NZZ am Sonntag» nun aufzeigt, spielen auch sogenannte Kickbackzahlungen eine Rolle.
So hat sich ein Genfer Arzt vertraglich verpflichtet, bei einem Labor jährlich Leistungen in der Höhe von 166'000 Franken zu beziehen. Im Gegenzug erhält er 10 Prozent der den Kassen verrechneten Tarife  vom Labor auf sein Konto. Zudem erhielt er für einen Praxisumbau einen Vorschuss von 50'ooo Franken vom Laborunternehmen.
Kein Einzelfall
In Genf sind den Krankenversicherern in den letzten zwei Jahren mehrere solche Fälle aufgefallen. Meist handelte es sich um schweizweit tätige Labors, die solche Kickbacks bezahlten.
Wie ein Santésuisse-Sprecher zur NNZaS sagt, seien solche Kickbacks nur dann erlaubt, wenn der Rabatt den Patienten zu Gute käme. Dies sei bei den Genfer Fällen nicht der Fall. In Genf wurden die Behörden aktiv. Über ein Schiedsverfahren haben sie Einsicht in die Akten verlangt und bekommen. Nun machen die Behörden Druck. 
Beim Ärzteverband FMH sieht man derzeit keinen Handlungsbedarf; anders bei Konsumentenorganisationen. 
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

MFE Haus- und Kinderärzte: Umbau an der Spitze

Präsident Philippe Luchsinger ist zurückgetreten. Monika Reber und Sébastien Jotterand lösen ihn ab. Und es gab weitere Wechsel im Verband.

image

Wallis soll ein Institut für Hausarztmedizin erhalten

Das neue Programm könnte in wenigen Jahren starten.

image

Dem Tardoc droht eine weitere Ehrenrunde

Das Departement des Innern will das Tarifwerk Tardoc und die ambulanten Pauschalen gleichzeitig einführen. Neue Zielmarke: 2027.

image

Deutschland: «Wir haben 50’000 Ärzte zuwenig ausgebildet»

Der deutsche Gesundheitsminister Karl Lauterbach warnt vor einer ganz schwierigen Versorgungslage: «Das kann man sich noch gar nicht richtig vorstellen.»

image

Spital Männedorf verärgert Goldküsten-Kinderärzte

Die neue Spital-Kinderarztpraxis in Männedorf sorgt für rote Köpfe bei den ansässigen Pädiatern. Es ist von Falschaussagen und einem Abwerben der Neugeborenen die Rede.

image

Arzt-Rechnung an Patienten statt an Kasse: Das empfiehlt die FMH

Immer mehr Krankenkassen wollen Arzt-Rechnungen direkt begleichen. Die FMH hingegen empfiehlt: Die Rechnung soll zuerst an die Patienten gehen.

Vom gleichen Autor

image

Covid-19 ist auch für das DRG-System eine Herausforderung

Die Fallpauschalen wurden für die Vergütung von Covid-19-Behandlungen adaptiert. Dieses Fazit zieht der Direktor eines Unispitals.

image

Ein Vogel verzögert Unispital-Neubau

Ein vom Aussterben bedrohter Wanderfalke nistet im künftigen Zürcher Kispi. Auch sonst sieht sich das Spital als Bauherrin mit speziellen Herausforderungen konfrontiert.

image

Preisdeckel für lukrative Spitalbehandlungen?

Das DRG-Modell setzt Fehlanreize, die zu Mengenausweitungen führen. Der Bund will deshalb eine gedeckelte Grundpauschale - für den Direktor des Unispitals Basel ist das der völlig falsche Weg.