Ärzte in Deutschland fühlen sich schlecht bezahlt

Deutsche Ärzte klagen zwar über Einbussen im Corona-Jahr und finden, ihr Lohn sei zu gering. Doch unter dem Strich haben sie nicht weniger verdient.

, 23. Juni 2021 um 05:28
image
  • ärzte
  • spital
  • praxis
Corona-Tests sind keine neue Einkommensquelle für Ärzte: In Deutschland verdienen 9 von 10 Ärzten nach eigenen Angaben an diesen Tests nichts oder zahlen gar drauf, wenn sich jemand in der Praxis testen lassen will.

165 000 Franken verdient

Im Schnitt belief sich das Einkommen deutscher Ärzte im Corona-Jahr 2020 auf 150 000 Euro, also etwa 165 000 Franken. Massive Einbussen wegen der Pandemie haben nur zehn Prozent zu beklagen. Betroffen sind vor allem Ärzte mit eigener Praxis.
Etliche Ärzte stellten fest, dass die Patienten weniger Geld für so genannte «Individuelle Gesundheitsleistungen» (IGeL) ausgaben. In Deutschland sind das ärztliche, zahnärztliche und psychotherapeutische Leistungen, die Patienten selbst bezahlen. Spitalärzte profitierten hingegen von ihrem recht sicheren Lohn als Angestellte.

Viele fühlen sich nicht gerecht entlöhnt

Diese Details hat die Online-Plattform Medscape mittels einer Online-Umfrage bei 700 Ärzten in Deutschland ermittelt. Dabei kam auch zu Tage: Mehr als die Hälfte der deutschen Ärzte fühlen sich nicht fair bezahlt. Speziell ungerecht entlöhnt fühlen sich Frauen und Unter-45-Jährige. In Deutschland gibt es auch deutliche Unterschiede zwischen Spitalärzten und solchen mit eigener Praxis: Die Spitalärzte sind einiges zufriedener mit ihrem Einkommen als die Selbständigen.
Es ist jedoch gar nicht der Lohn, welcher den Ärzten letztlich die grösste Zufriedenheit in ihrem Beruf verschafft, sondern die Herausforderung, Diagnosen und Lösungen zu finden. Was die meisten Ärzte an ihrem Beruf weniger gut finden, sind die vielen Richtlinien bei der Verwaltung und der Abrechnung.

Deutsche Arztlöhnen sind gestiegen

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt zudem, dass die Arzt-Einkommen in Deutschland zugenommen haben: Vor fünf Jahren verdienten Ärzte noch gut 35 000 Euro weniger.
Wie sich das Einkommen von Schweizer Ärzten entwickelt hat, lässt sich derzeit nicht sagen. Eine Studie des Bundesamts für Gesundheit (BAG) ermittelte vor zweieinhalb Jahren, dass hierzulande angestellte Ärzte durchschnittlich 227 000 Franken und selbständige Ärzte 320 000 Franken verdienen.

52-Stunden-Woche für deutsche Ärzte

Im Nachbarland arbeiten Ärzte laut der Umfrage durchschnittlich rund 52 Stunden pro Woche. Diese Arbeitszeit ist bei allen Ärzten ungefähr gleich, egal ob Haus- oder Facharzt, Mann oder Frau, Spital- oder Praxisarzt.
Interessant auch: Die deutschen Arztpraxen sind während der Pandemie offenbar nicht viel digitaler geworden. Nach wie vor bieten nur gerade 7 Prozent der Ärzte ihre Termine online an. Jene Ärzte, welche Online-Vereinbarungen machen, haben durch die effizientere Organisation nicht mehr Einkünfte.

9 bis 12 Minuten pro Patient

16 Prozent der befragten deutschen Ärzte nehmen sich weniger als 9 Minuten Zeit für ihre Patienten. Die Mehrheit gibt 9 bis 12 Minuten pro Konsultation an. Immerhin 24 Prozent nehmen sich 17 Minuten und mehr Zeit.
Von ihren 52 Arbeitsstunden pro Woche widmen sich die Praxis-Ärzte nur 38 Stunden direkt ihren Patienten. Bei den Spitalärzten sind es sogar nur 28 Stunden. 9 Stunden verbringen sie mit der medizinischen Dokumentation.
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Spitäler FMI: Guter Umsatz, kleiner Gewinn

Sechs Millionen Franken mehr als im Vorjahr setzten die Betriebe der Spitäler Frutigen, Meiringen, Interlaken um. Übrig bleibt aber nur ein kleiner Gewinn.

image

Spitalzentrum Biel spannt mit TCS zusammen

Das Spital Biel gründet für planbare Patiententransporte eine neue Firma: zusammen mit dem TCS.

image

Liquiditätsengpass beim Spital Davos

Weil es eilte, hat die Gemeinde Davos 1,5 Millionen Franken noch vor der Genehmigung an ihr Spital überwiesen.

image

Tardoc: Dem Ziel «ein gutes Stück näher»

Dass der Bundesrat bei den ambulanten Tarifen aufs Tempo drückt, findet breite Zustimmung in der Branche.

image

Erstes Schweizer Babyfenster geht vielleicht zu

Weil die Geburtenabteilung im Spital Einsiedeln geschlossen bleibt, ist auch die Zukunft des Babyfensters ungewiss.

image

Simpler Grund für Neubau: Ein Land braucht ein eigenes Spital

Eine Umfrage zeigt: Für die Liechtensteiner gehört ein eigenes Spital zur Souveränität. Deshalb bewilligten sie sechs weitere Millionen für einen Neubau.

Vom gleichen Autor

image

SVAR: Neu kann der Rettungsdienst innert zwei Minuten ausrücken

Vom neuen Standort in Hundwil ist das Appenzeller Rettungsteam fünf Prozent schneller vor Ort als früher von Herisau.

image

Kantonsspital Glarus ermuntert Patienten zu 900 Schritten

Von der Physiotherapie «verschrieben»: In Glarus sollen Patienten mindestens 500 Meter pro Tag zurücklegen.

image

Notfall des See-Spitals war stark ausgelastet

Die Schliessung des Spitals in Kilchberg zeigt Wirkung: Nun hat das Spital in Horgen mehr Patienten, macht aber doch ein Defizit.