94 Mia Franken kostet die Corona-Pandemie. Aber ins Hauptproblem wurde kein Franken investiert.

Seit 19 Monaten wütet die Pandemie. In der Schweiz wurden 722 Millionen für die Pflege der COVID-Patienten ausgegeben, 2,7 Milliarden für Prävention und 90,7 Milliarden für die Linderung der wirtschaftlichen Folgen. Aber kein einziger Rappen ging in den Ausbau der Betten-Kapazitäten.

, 11. September 2021, 20:03
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Obwohl immense Summen von Geld zur Verfügung stehen, wurde kein einziges zusätzliches Spitalbett geschaffen. Intensivbetten wurden sogar sukzessiv wieder abgebaut. Und dies erstaunt. Begründet doch die Politik praktisch sämtliche Corona-Massnahmen damit, dass die Kapazitäten des Gesundheitswesens an ihre Grenzen stossen und somit die Inzidenz gedrückt werden muss. 

Warum löst man das eigentliche Problem nicht?

Das Problem sind Kapazitätsengpässe im Gesundheitswesen. Aus wirtschaftlichen Gründen werden unsere Spitäler mit einer hohen Auslastung betrieben, um einigermassen wirtschaftlich zu sein. Dazu gibt es politische Vorgaben – und die sind heikel.

Mit den 94 Milliarden Franken könnten 16 Basis-Tunnelröhren durch den Lötschberg gebaut werden, ohne die Mittel vollständig auszuschöpfen.

Corona in der Schweiz, Konstantin Beck & Werner Widmer
Unmittelbar vor den ersten Covid-Fällen, im Dezember 2019, veröffentlichte der Verband Zürcher Krankenhäuser VKZ ein Diskussionspapier zur Bettenfrage. Es setzte sich kritisch mit dem Druck auseinander, dass die Akutspitäler eine Bettenbelegung von 80 Prozent erreichen müssten. «Eine politisch verordnete Einschränkung des Bettenbestands birgt die Gefahr temporärer Unterkapazitäten und Unterversorgung der Bevölkerung», stand da zum Beispiel.
Es war und ist ein bekanntes Problem: Soll die Effizienz gesteigert werden, dann sind die Spitäler am Ende nicht gerüstet, kurze Kapazitätsengpässe abzufangen, respektive eine aussergewöhnliche Häufung von Fällen zu bewältigen. Dies passiert auch regelmässig während einer Grippesaison.

«Eine politisch verordnete Einschränkung des Bettenbestands birgt die Gefahr temporärer Unterkapazitäten und Unterversorgung der Bevölkerung.»

Warum steckt man also nicht Geld in die Behebung dieses Problems? Denn eines hat das Coronavirus offenbar gezeigt: Geld scheint kein Faktor zu sein, der die Lösung des Problems limitiert.

Wie kann man den Ausbau der Kapazitäten trotz Personalmangel umsetzen?

Wir müssen das Gesundheitswesen bei kurzfristigen Engpässen entlasten können. Für aussergewöhnliche Situationen braucht es darum gut ausgerüstete, über die Schweiz verteilte Epidemiezentren, die im Notfall zum Einsatz kommen. Der Betrieb muss entweder über die Armee oder den Zivildienst erfolgen. Die Leute sollten gut ausgebildet und ständig für den „neuen Ernstfall“ trainiert werden, wie wir dies in der Vergangenheit mit der Verteidigung der Schweiz durch die Milizarmee erfolgreich umgesetzt haben. Zudem kann Fachpersonal aus dem Ruhestand zurückgeholt werden.
Seit Jahrzehnten bilden wir hochqualifizierte Spezialisten aus, obwohl wir wissen, dass sie mit allergrösster Wahrscheinlichkeit nie zum Einsatz kommen werden – Kampfjet-Piloten, Geschützführer von Panzerhaubitzen, Radartechniker von Flugabwehr-Systemen. Das Gefühl der Sicherheit ist uns dieses Geld wert. Spätestens jetzt, nach diesen 93 Milliarden Franken, wird klar, dass wir daneben auch Aus- und Weiterbildungen aufbauen müssen, die bei einem Virenangriff rasch generalmobilisiert werden könnten.
Natürlich kostet der Aufbau Geld und bringt einige Probleme mit sich. Speziell den Personalmangel muss man angehen. Aber auch wenn wir jährlich 1,5 Milliarden in den Aufbau solcher Krisenzentren investieren, kommt es in 50 Jahren immer noch günstiger, als 93 Milliarden für eine einzige Pandemie auszugeben. Und Pandemien werden uns in den nächsten Jahren begleiten und deshalb benötigen wir für den “neuen Ernstfall” eine nachhaltige Lösung, welche das Gesundheitswesen entlastet und gesellschaftliche Einschränkungen auf ein Minimum reduziert.
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