Organspende: 75 Menschen von der Warteliste starben

Zuerst die gute Nachricht: Die Zahl von Organspendern hat in den vergangenen Jahren markant zugenommen. Die schlechte: Die Ablehnungsrate bleibt nach wie vor hoch.

, 15. Januar 2018, 09:56
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2012 zählte die Schweiz 96 Organspender, 2017 sind es bereits 145. Auch wenn die Spenderzahlen im langjährigen Vergleich langsam ansteigen, bleibt die Ablehnungsrate hoch.
Franz F. Immer, Direktor von Swisstransplant, begründet die hohe Ablehnungsrate mit dem Umstand, dass Angehörige den Wunsch des Verstorbenen nicht kennen. Stellvertretend im Sinne des Verstorbenen einzuwilligen, sei häufig eine grosse Belastung.
Im zurückliegenden Jahr wurden 145 postmortale Organspender registriert, davon 106 im Hirntod  und 39 im Hirntod nach einem Herz-Kreislaufstillstand. Seit der Einführung des DCD-Programms im Jahr 2011 steigt diese Zahl stetig.
«Mit 12,6 Spendern pro Million Einwohner bleibt die Schweiz noch immer hinter den Erwartungen zurück, was die Anzahl Spender im Hirntod anbelangt», bedauert Franz Immer. Das Ziel von mehr als 20 Spendern pro Million Einwohner bis 2018 dürfte somit kaum erreicht werden. 
Per Ende 2017 standen 1478 Personen auf der Warteliste. 75 Menschen, die auf der Warteliste standen, sind im letzten Jahr verstorben, weil für sie nicht rechtzeitig ein Organ zur Verfügung stand.
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