13er-Liste: Ärztegesellschaft rechnet mit Mehrkosten

Die Luzerner Ärzte mahnen vor Einbussen bei den eigenen Spitälern. Dies, wenn der Kanton den Ärzten «ohne Rücksprache eine Liste für ambulante Operationen aufzwingen» wolle.

, 27. Februar 2017 um 09:30
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Die 13er-Liste gibt in der Zentralschweiz weiterhin zu reden. Laut dem Vorstand der Luzerner Ärztegesellschaft droht eine Einbusse der Qualität in der medizinischen Versorgung, wenn die Politik einseitig eingreift. Dies sagte Präsident Aldo Kramis der «Luzerner Zeitung».
Weniger Qualität führe zu «mehr Komplikationen, schwierigen Folgebehandlungen, Arbeitsausfällen, viel Leid für die Patienten und hohen Mehrkosten», so Kramis weiter.
Es sei deshalb «äusserst wichtig, dass die Entscheidung, ob eine Operation ambulant oder stationär erfolgen soll, wie bis anhin, nur beim behandelnden Arzt und seinem Patienten liegt», erklärte Kramis gegenüber der Zeitung.

Ärzte verlangen Kontrollorgan

Die Luzerner Ärzteschaft fordert ein Kontrollorgan, wenn der Kanton diese Liste durchsetzen wolle. Ein Organ, das die Eingriffe kontrolliere, Sonderbewilligungen erteile und Streitfälle bearbeite. Denn ansonsten könnten «horrende Kosten» entstehen, so Kramis.
Es besteht den Luzerner Ärzten zufolge auch die Gefahr, dass sich Patienten für Operationen ausserkantonal behandeln liessen. Dies wiederum hätte zur Folge, dass mit Einbussen in den Spitälern des Kantons gerechnet werden müsste.

Zur Mitarbeit bereit

Die Ärzte haben laut Kramis «die Zeichen der Zeit schon vor mehreren Jahren erkannt» und mit den Fachgesellschaften eigene Listen über ambulant durchzuführende Operationen erstellt. 
Gegen den politischen Alleingang wollen sich die Ärzte wehren – für die Patienten und die Steuerzahler, sagte Kramis. Man sei aber bereit, an einer kantonalen Liste für mögliche ambulante Eingriffe mitzuarbeiten. Gespräche mit dem Kanton seien geplant.
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