Pflegeinitiative: Sofortmassnahmen gefordert

In neun Schweizer Städten gingen gestern die Pflegefachkräfte auf die Strasse. Sie fordern Sofortmassnahmen und eine faire Finanzierung.

, 23. November 2023 um 08:50
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Pflegende präsentieren die Lösung gegen den Pflegenotstand: «IbuProPflege® Akut». | zvg
In neun Schweizer Städten gingen gestern die Pflegenden auf die Strasse. Sie fordern die Umsetzung von fünf Sofortmassnahmen zur Pflegeinitiative und eine faire Finanzierung.
Die Situation in der Pflege werde immer prekärer, obwohl die Bevölkerung 2021 die Pflegeinitiative angenommen habe. Schlechte Arbeitsbedingungen und besonders die ungenügende Finanzierung würden die Pflege noch immer krank machen, heisst es in einer Mitteilung der Gewerkschaft Unia.
Die Zahlen zeichnen denn auch ein düsteres Bild: Mehr als 15'000 Pflege-Stellen sind derzeit unbesetzt, monatlich steigen noch immer rund 300 Pflegende aus dem Beruf aus. Dabei bräuchte es durch die demografische Entwicklung bis 2040 rund 54'000 zusätzliche Pflegeheimbetten und 35'000 zusätzliche Pflegende.
Für die verbleibenden Pflegenden bedeutet das eine grosse Mehrbelastung, Stress und gesundheits-schädigende Dienstplanungen. Sie appellieren deshalb an Bund und Kantone den Volksauftrag der Pflegeinitiative ernst zu nehmen und sofort zu handeln.

Diese fünf Sofortmassnahmen werden gefordert:

  • Löhne/Arbeitszeit: Deutliche Lohnerhöhung bei gleichem Pensum bzw. Arbeitszeitreduktion bei gleichem Lohn.
  • Zulagen: Massive Erhöhung der bestehenden Zulagen und Zeitgutschriften sowie Einführung von Zulagen für kurzfristige Dienstplanänderungen.
  • Ferien: Mindestens 5 Wochen bis 49, ab 50 dann 6 Wochen, ab 60, 7 Wochen.
  • Arbeitszeiterfassung: Tatsächliche Erfassung und Abgeltung der Arbeitszeit, z.B. inklusive Umkleidezeit, Wegzeit von einem Einsatz zum nächsten in der Spitex.
  • Kinderbetreuung: Zuschüsse für familienergänzende Kinderbetreuung.

Eine «faire Pflegefinanzierung, die gute Arbeitsbedingungen erlaubt»

  • Sie muss solide ausgestaltet sein und die Grundversorgung sicherstellen, egal ob Betten belegt sind oder nicht (weg von der Subjektfinanzierung).
  • Sie darf nicht übermässig über die Krankenkassen finanziert sein, das wäre unsozial.
  • Sie muss Pflegeleistungen höher entschädigen.
  • Sie muss sich an Kriterien für eine gute Pflege orientieren, nicht an Effizienz und Profit.
  • Sie muss höhere Stellenschlüssel und mehr Aus- und Weiterbildungen auf allen Stufen erlauben.
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