Notfallmediziner erwarten Kollaps und schlagen schweizweit Alarm

Covid, Grippe und RSV: Die Notfallstationen sehen sich in diesem Winter mit Bedingungen konfrontiert, die sie an den Rand des Kollapses bringen könnten.

, 12. Januar 2023, 15:26
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Notfallmediziner befürchten einen Kollaps des Versorgungssystems. | Symbolbild Freepik
Die Dreifachepidemie bestehend aus Covid, Grippe und RSV setzt die Notfallmediziner unter enormen Druck. «Erschwerend hinzu kommen nahezu ausgelastete Bettenkapazitäten und ein chronischer Mangel an Fachpersonal hinzu», schreibt die Schweizerische Gesellschaft für Notfall- und Rettungsmedizin (SGNOR) in einem Communiqué.
Gemeinsam mit der Association Latine de Médecine d’Urgence (ALAMU) schlagen sie in einem am Mittwoch unterzeichneten Schreiben an die wichtigsten Gesundheitsbehörden und Spitalleitungen in der gesamten Schweiz Alarm.

Verheerende Folgen befürchtet

Das Phänomen («Dreifachepidemie», erschöpfte Bettenkapazitäten sowie der gravierende Fachkräftemangel) betreffe nicht, wie oft vermutet, nur die Notfallstationen.
«Vielmehr drücken sich darin die prekäre Situation und die Grenzen des gesamten Gesundheitswesens angesichts der sich ändernden Versorgungsbedürfnisse der Patientinnen und Patienten aus.» Es bedürfe dringend strukturelle Lösungen, die über den notfallmedizinischen Bereich hinausgehen.
Die Überlastung der Notfallstationen habe verheerende Folgen für die Patientinnen und Patienten, das Personal und die Gesundheitsversorgungseinrichtungen, ist weiter zu lesen.

Ein Alarm mit Lösungsvorschlägen

In ihrem Schreiben an die Regierungsräte, die Verantwortlichen im Gesundheitswesen und die Spitalleitungen in der gesamten Schweiz (siehe am Ende des Textes) beschreiben die SGNOR und die ALAMU die vielfältigen Ursachen für die Überlastung des Gesundheitssystems im Vorfeld von Notfällen, bei Notfällen sowie bei deren stationärer oder ambulanter Weiterbehandlung.
Die beiden Gesellschaften beschränken sich dabei nicht auf die Feststellung der Missstände, sondern präsentieren auch Lösungen und fordern Kantone und Spitäler auf, das Thema zu einer politischen und institutionellen Priorität zu machen.
Dazu gehören
  • die Sicherstellung der Finanzierung von öffentlichem Spitalwesen und der notfallmedizinischen Einrichtungen im Allgemeinen,
  • die Förderung von Alternativen zur stationären Versorgung im Sinne einer Ausweitung der häuslichen Versorgung und Pflege, aber auch
  • die bessere Nutzung der Notfallressourcen durch eine Stärkung der Hausarztmedizin und des hausärztlichen Notfalldienstes.

Miteinbezug ein Muss

Die Einbindung der Behörden erachten SGNOR und ALAMU bei der Umsetzung von bereichsübergreifenden, nachhaltigen Lösungen unter Einbezug aller privaten und öffentlichen Akteure als zwingend.
Den Notfallstationen soll es dadurch ermöglicht werden, dass sie ihre Aufgaben im Bereich der Patientenaufnahme, der Erstversorgung und der Lenkung der Patientenströme respektvoll, sicher und effizient gestalten können. Und: Das Pflegepersonal soll attraktive und annehmbare Arbeitsbedingungen erhalten.
Unter folgendem Link finden Sie den entsprechenden Brief:
  • Brief SNGOR und ALAMU.pdf

  • spital
  • notfallmedizin
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