Herzinfarkt bei Frauen: Künstliche Intelligenz verbessert Behandlung

Forschende der Universität Zürich (UZH) haben eine neue Risikobewertung bei Herzinfarkt entwickelt. Diese dient der personalisierten Versorgung von Frauen mit Herzinfarkt.

, 29. August 2022, 11:25
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Thomas F. Lüscher, bis September 2017 Direktor der Klinik für Kardiologie am USZ. | zvg
Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Thomas F. Lüscher hat die Rolle des biologischen Geschlechts bei Herzinfarkten genauer untersucht. Lüscher ist Professor am Zentrum für Molekulare Kardiologie der Universität Zürich (UZH) und gilt international zu den meistbeachteten Herz- und Kreislaufmedizinern.
In der Studie zeigt sich, dass etablierte Risikomodelle, die das derzeitige Patientenmanagement steuern, bei Frauen weniger genau sind und die Unterbehandlung weiblicher Patienten begünstigen.

Daten von über 420'000 Patienten

Mit Hilfe von maschinellem Lernen und den grössten Datensätzen in Europa haben die Forschenden einen neuartigen Risikoscore entwickelt. Dieser berücksichtigt die geschlechtsspezifischen Unterschiede im Risikoprofil und verbessert die Vorhersage der Sterblichkeit bei Frauen und Männern.
In ihrer Studie, die im Fachmagazin «The Lancet» publiziert wurde, haben die Forschenden aus der Schweiz und dem Vereinigten Königreich die Daten von über 420'00 Patientinnen und Patienten aus ganz Europa mit der häufigsten Art von Herzinfarkt analysiert.

Auf dem Weg zur personalisierten Patientenversorgung

«Unsere Studie läutet die Ära der künstlichen Intelligenz in der Behandlung von Herzinfarktpatienten ein», sagt Erstautor Florian A. Wenzl vom Zentrum für Molekulare Medizin der UZH. Computeralgorithmen können aus grossen Datensätzen lernen und genaue Vorhersagen über die Prognose treffen. Und diese wiederum sind der Schlüssel zu individualisierten Behandlungen.
Thomas F. Lüscher und sein Team sehen grosses Potenzial in der Anwendung von künstlicher Intelligenz zur Verbesserung der Therapie von Herzerkrankungen sowohl bei männlichen als auch bei weiblichen Patienten.

Frauen sterben häufiger als Männer

Herzinfarkt ist eine der häufigsten Todesursachen weltweit. Frauen, die einen Herzinfarkt erleiden, haben eine höhere Sterblichkeitsrate als Männer. Gründe sind Unterschiede im Alter und in Begleiterkrankungen, die auch die Risikoabschätzung bei Frauen erschweren. Unterschiede gibt es auch bei den Symptomen: Im Gegensatz zu Männern, die meist einen schmerzhaften Druck auf der Brust mit Ausstrahlung in den linken Arm verspüren, führt ein Herzinfarkt bei Frauen häufig zu Bauchschmerzen und einem Ausstrahlen in den Rücken oder Übelkeit und Erbrechen. Diese Symptome werden aber von den Betroffenen und den erstbetreuenden Ärztinnen und Ärzten oft falsch interpretiert.

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