Kantonsspital Baden verzeichnet Patienten-Rekord im Notfallzentrum

Im Erwachsenen- und Kindernotfall des KSB war das Patientenaufkommen 2022 so hoch wie noch nie: 93'361 Patientinnen und Patienten wurden behandelt.

, 3. Januar 2023, 15:32
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Der Notfall des Kantonsspitals Baden verzeichnet 2022 einen Patientenrekord. | ejo
Ein solches Patientenaufkommen hat das Kantonsspital Baden (KSB) noch nie gesehen: 93'361 Patientinnen und Patienten wurden 2020 behandelt – davon 23'659 Kinder und 69'702 Erwachsene.
Mit 8'928 Notfall-Patientinnen und -Patienten war der April 2022 der intensivste Monat des Jahres, gefolgt vom Dezember mit 8'640 Patienten, zieht das KSB Bilanz.
Ein Rekordaufkommen gab es am 26. Dezember, als 355 Personen an einem Tag den Notfall aufsuchten. Auch am 25. und 27. Dezember sowie am 2. Januar wurde die 300-Personen-Marke übertroffen.

Die beiden Hauptgründe

«Grund für das hohe Patientenaufkommen über die Festtage war zum einen der Umstand, dass zahlreiche Hausarztpraxen geschlossen waren», ist der Medienmitteilung zu entnehmen.

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Der KSB-Kindernotfall am 26. Dezember um die Mittagszeit: Die Behandlungs- und Wartezimmer waren zu diesem Zeitpunkt bereits allesamt belegt. Zwischen 8 und 16 Uhr wurden rund achtzig Kindernotfälle behandelt. | zvg
Zum anderen überlappen sich derzeit die Corona-, die RSV- sowie die Influenzawelle. Bei den Krankheitsbildern dominieren sowohl bei den Kindern als auch bei den Erwachsenen Atemwegsinfektionen.

Wirksamer Apell

Weil viele Leute mit medizinischen Bagatellen den Notfall aufsuchten und diesen an den Rand seiner Kapazitätsgrenzen brachten, wandte sich das KSB am 27. Dezember an die Öffentlichkeit, mit der Bitte, den Kinder- und Erwachsenennotfall nur für dringend angezeigte medizinische Behandlungen aufzusuchen.
Dieser Appell zeigte Wirkung, ging die Anzahl der Notfallpatienten daraufhin doch leicht zurück. «Es kam sogar vor, dass Patienten mit geringfügigen Leiden sich entschuldigen, weil sie dennoch den Notfall aufsuchten», wird Markus Schwendinger, Leiter des KSB-Notfallzentrums, zitiert.
Viele Leute hätten sich auch erst gemeldet, nachdem sie zuvor vergeblich versucht hatten, ihre Leiden mit Mitteln aus der Hausapotheke selbst in den Griff zu bekommen.

Immer höhere Erwartungen

Aber: So viel Verständnis zahlreiche Patientinnen und Patienten für die Wartezeiten in der Notfallpraxis aufbrachten, so fordernd waren andere. «Es gab Patienten, die keine Geduld aufbrachten, wenn sie für ein Arbeitszeugnis fünf Minuten warten mussten», sagt Schwendinger.
Sein Fazit: «Die Erwartungshaltung der Patienten nimmt zu. Man sucht den Notfall eines Spitals generell rascher auf als noch vor ein paar Jahren. Offenbar reagieren seit Corona viele Leute empfindlicher auf Alarmsignale ihres Körpers. Im Zweifelsfall sucht man den Notfall auf, anstatt abzuwarten und dann zum Hausarzt zu gehen.»
Ähnlich beurteilt die Situation Guido Laube, Leiter der Klinik für Kinder und Jugendliche des KSB. «Die Erwartungshaltung vieler Eltern ist hoch», so Laube. «Sie erwarten rund um die Uhr einen schnellen Service.»

Kindernotfälle haben sich verdoppelt

Den Kinder-Notfall des KSB haben 2022 insgesamt 23'659 Kinder und Jugendliche aufgesucht. Im Vergleich zum Jahr 2020 entspricht dies einer Verdoppelung der Patientenzahl. Viele Eltern seien bei Krankheiten ihrer Kinder verängstigt und wollen die Verantwortung ihrem Kinde gegenüber nicht selber tragen, so Laube.
Rund 75 Prozent der Behandlungen fallen im Kinder-Notfall in die Rubrik «Bagatelle». Sowohl im Erwachsenen- als auch im Kindernotfall werden die Patienten bei ihrer Ankunft triagiert:
«Um den wirklich kranken Kindern eine gute und schnelle Versorgung zu gewährleisten, müssen weniger kranke Kinder Wartezeiten in Kauf nehmen», sagt Laube.
Das Warten im Notfall könne man somit als gutes Zeichen interpretieren: «Es bedeutet, dass der Zustand eines Patienten nicht kritisch ist.»
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