Grosser Frust über Pflegebonus in Deutschland

Aus einem Topf mit einer Milliarde Euro sollen Pflegefachkräfte für ihre Arbeit während der Pandemie entschädigt werden. Doch nicht alle profitieren davon.

, 24. November 2022 um 13:50
image
Vom Bonus ausgeschlossen sind unter anderem Pflegefachkräfte beim Rettungsdienst. | Symbolbild
Pflegefachkräfte in Kliniken und Altersheimen waren während der Pandemie besonders stark belastet. Anstelle von Applaus sollen Pflegefachkräfte in Deutschland nun mit Geld entschädigt werden. Eine Milliarde Euro will die Regierung dafür bereit stellen.
Darüber herrschte einst grosse Freunde. Dem ist heute nicht mehr überall so: «Wir haben gewartet und gewartet. Dann wurde klar, dass wir davon ausgenommen sind», wird ein 58-Jähriger auf dem Nachrichtenportal «Focus» zitiert. Er ist seit knapp 30 Jahren Pflegefachmann in einer Notaufnahme.

«Wir haben uns in Gefahr gebracht»

Das sei tragisch-komisch. «Wir sind diejenigen, die häufig als allererstes die Patienten versorgen. Wir haben uns in der ersten Welle, als es noch nicht genug Schutzausrüstung gab, selbst in Gefahr gebracht – und damit unsere Familien.»
Dass ausgerechnet Pflegefachkräfte auf dem Notfall von dieser Bonuszahlung ausgeschlossen seien – das sei eine Ungerechtigkeit, die er nicht gewillt sei, zu ertragen.

Verband hat kein Verständnis

Dass die Notaufnahme häufig die erste Anlaufstelle für die Versorgung schwer erkrankter Corona-Patienten war, ist unumstritten. «Der grösste Teil aller stationär behandelten Sars-CoV-2-Infizierten kam vor seiner Weiterverlegung in die Notaufnahmen», heisst es in einer Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin (DGINA). Zudem sei dort eine hohe Zahl Infizierter ambulant behandelt worden.
Die Patienten werden auf den Notaufnahmen teils auch beatmet. Zudem tragen Notfallpflegendende, genauso wie Intensivpfleger, dauerhaft die komplette Corona-Schutzkleidung. Dass die Notaufnahmen vom Pflegebonus ausgeschlossen wurden, sei deshalb «nicht nachvollziehbar».

Pflegebonus mit Bedingungen

Die deutsche Regierung stellt eine Milliarde Euro für den Pflegebonus bereit. Davon geht eine Hälfte geht an die Kliniken, die andere an Altenheime. Allerdings gibt es diverse Bedingungen:
Der Pflegebonus wird nur an Kliniken ausgezahlt, die im Jahr 2021 mehr als zehn Infizierte betreuten, die wiederum mehr als 48 Stunden beatmet wurden.
Von 1914 Krankenhäusern sind das 837. Den Bonus erhalten lediglich die Pflegekräfte, die 2021 mindestens 185 Tage auf einer bettenführenden Station beschäftigt waren.
Bettenführende Station bedeutet, dass wichtige Berufsgruppen ausgeschlossen sind. Neben Pflegekräften der Notaufnahme, etwa auch vom Rettungsdienst oder aus dem OP-Saal.

  • spital
  • pandemie
  • lohn
  • deutschland
Artikel teilen

Loading

Kommentar

Mehr zum Thema

image

Stadtspital Zürich zahlt nun auch Teuerung auf Feiertag- und Nachtzuschläge

Der Zürcher Berufsverband der Assistenz- und Oberärzte verbucht einen Erfolg: Es gibt etwas mehr Lohn für Sonntags- und Nachtdienste am Stadtspital.

image

LUKS Luzern: Lohnerhöhung über der Teuerung

Kompromiss in der Lohnrunde: Insgesamt steigt die Vergütungssumme im nächsten Jahr um 1,1 Prozent.

image

Lohnrunde in Berner Spitälern: Insel Gruppe steigert, Regionalspitäler zurückhaltend

Die Angestellten der Berner Spitäler erhalten 2026 Lohnerhöhungen – allerdings mit deutlichen Unterschieden zwischen der Insel Gruppe, Kliniken und Regionalspitälern.

image

KSBL: Lohnsumme steigt um 1,6 Prozent

Damit werden auch gewisse Inflationsverluste der Vorjahre kompensiert.

image

Psychiatrie Baselland: Lohnverhandlungen enden ohne Einigung

Die Psychiatrie Baselland gewährt ihren Mitarbeitenden zwar einen Teuerungsausgleich von 0,2 Prozent – den Personalverbänden ist das deutlich zu wenig. Sie erklären die Lohnverhandlungen für gescheitert.

image

Weniger Regionalpolitik, mehr Tech: Wie das Spital neu gedacht werden soll

H+ will das Ende von Spitaltraditionen. Mit einer PwC-Studie skizziert der Verband ein Krankenhaussystem, das sich von regionaler Politik und bisheriger Planung verabschiedet – und zehntausende Stellen einspart.

Vom gleichen Autor

image

Kinderspital verschärft seinen Ton in Sachen Rad-WM

Das Kinderspital ist grundsätzlich verhandlungsbereit. Gibt es keine Änderungen will der Stiftungsratspräsident den Rekurs weiterziehen. Damit droht der Rad-WM das Aus.

image

Das WEF rechnet mit Umwälzungen in einem Viertel aller Jobs

Innerhalb von fünf Jahren sollen 69 Millionen neue Jobs in den Bereichen Gesundheit, Medien oder Bildung entstehen – aber 83 Millionen sollen verschwinden.

image

Das Kantonsspital Obwalden soll eine Tochter der Luks Gruppe werden

Das Kantonsspital Obwalden und die Luks Gruppe streben einen Spitalverbund an. Mit einer Absichtserklärung wurden die Rahmenbedingungen für eine künftige Verbundlösung geschaffen.