Wie entwickelt sich die Beziehung von Hausärzten und Spital? Dies ist das Hauptthema eines Interviews, das Robert Thurnheer gegeben hat; Anlass des Gesprächs des Chefarzts am Kantonsspital Münsterlingen mit der
«Thurgauer Zeitung» ist das
Symposium zur inneren Medizin von nächster Woche in Weinfelden.
«Fortbildungen dienen dem Wissensaustausch, aber auch der Pflege der Kollegialität», so Thurnheer zur Bedeutung solcher Veranstaltungen.
Das Verhältnis von Spital- und Hausärzten habe sich in den letzten Jahren durchaus verändert – man kenne nicht mehr alle Hausärzte persönlich, zum Beispiel durch den verstärkten Zuzug von Medizinern aus Deutschland – Medizinern also, die man am Kantonsspital nicht als Assistenz- und Oberärzte kennenlernen konnte.
Die Hausärzte melden sich selber
Auf der anderen Seite dringt die Spital Thurgau AG auch in den ambulanten Bereich vor, etwa mit einer Hausarztpraxis in Stein am Rhein. Robert Thurnheer gesteht ein, dass dies mit Ängsten verbunden sei: «Man befürchtet, dass das Spital zu stark wird. Andererseits gibt es auch noch andere Trägerschaften als Hausärzte, die Arztpraxen betreiben.» Und vor allem sei es so, dass die Initiative nicht vom Spital ausgeht – sondern dass sich Hausärzte melden, weil sie keinen Nachfolger finden.
Auf die Frage, ob die Spital Thurgau AG dereinsat im grossen Stil Hausarztpraxen übernehmen werde, antwortet der Chefarzt Ambulante Diagnostik eher ausweichend: Das sei eine politische Frage – und der Kanton werde da eine Regelung treffen.
«Unseres Erachtens sollten aber für alle institutionellen Praxisbetreiber die gleichen Spielregeln gelten. Wir versuchen, in höher spezialisierten Gebieten ambulante Leistungen in hoher Qualität anzubieten. Dies weil sich technisch anspruchsvolle Interventionen immer schwieriger in Einzelpraxen ausüben lassen.»
In der Pneumologie zum Beispiel müsse man, um modernste Diagnostik anzubieten, eine endobronchiale Ultraschallbronchoskopie vorweisen können – und damit eine Infrastruktur im Bereich von einer Viertelmillion Franken.
In den hochtechnisierten Disziplinen dürften sich die Schnittstellen also hin zum Spital verschieben. «Man arbeitet zudem viel mehr in Teams. Denn auch die Spezialisten müssen sich heute noch stärker spezialisieren», so Robert Thurnheer. «Der eine Herzspezialist zum Beispiel auf Schrittmacher, der andere auf invasive Eingriffe an den Herzkranzgefässen.»