Bereits vor der Pandemie ist Burnout beim Gesundheitspersonal weit verbreitet: Grosse Arbeitsbelastung mit langen Tagen ohne Pausen, zunehmende administrative Anforderungen, Tarif-Streitigkeiten und immer weniger Entscheidungsfreiheit. Auch Burnout bei Medizinern in Spitälern oder bei Hausärzten ist keine Seltenheit.
Wie wirkt sich dies bei Hausärzten auf die Versorgungsqualität aus Negativ für den Patienten, wie man vermuten könnte. Wissenschaftler des «Weill Cornell Medical College» der medizinischen Fakultät der renommierten Cornell University in New York fanden aber keinen signifikanten Zusammenhang, wie sie in einer aktuellen Studie im Fachmagazin «Health Affairs» berichten. Als Qualitätskriterien wurden Faktoren wie die vermeidbaren Besuche in der Notaufnahme mit einbezogen.
Ärzte mit Burnout gelten als «sehr gewissenhaft»
Mehr noch: Hausärztinnen und Hausärzte, die mit einer gewissen Häufigkeit oder sogar mit einer hohe Häufigkeit über Burnout berichteten, wiesen niedrigere Raten unerwünschter Folgen auf. Das sei «überraschend», schreiben die Forscher, die Daten von mehr als 32'000 Patienten und über 1'600 Hausärzten ausgewertet haben.
Die Wissenschaftler haben dazu auch gleich eine mögliche Erklärung: Es könne nämlich sein, dass Ärzte mit Burnout auch gleichzeitig «sehr gewissenhaft» seien und sich besondere Mühe gäben, ihre Patienten «gut» zu betreuen, vermuten sie.
Burnout beim Gesundheitspersonal ist ein grosses Problem
Die Studienautoren betonen aber, dass dies in keiner Weise darauf hindeute, dass «Ausgebranntsein» bei Ärzten als Vorteil interpretierbar sei. Die Ergebnisse zeigten lediglich, dass sich die Beziehung zwischen Burnout und Qualität als komplex präsentiere und weiterer Untersuchungen bedürfe.
Es sei darüber hinaus klar angezeigt, die Bemühungen gegen Burnout in Gesundheitsberufen weiter zu verfolgen. Denn chronischer Stress am Arbeitsplatz und Burnout beim Gesundheitspersonal ist ein grosses Problem: Es sorgt nicht nur für emotionale Erschöpfung, Depersonalisation oder Zynismus. Gleichzeitig reduziert sich auch das Gefühl von Selbstwirksamkeit und geht mit Kontrollverlust einher. Dies kann die Beziehungen zu Patienten und Kollegen belasten, die Work-Life-Balance stören und letztlich zu einer unkontrollierbaren Situation führen.